Hintergrund 16.11.2007 00:36
Die Xen-Koalition steht, nachdem in den letzten Tagen auch Oracle und Sun mit Oracle VM und Sun xVM neue Virtualisierungslösungen auf Xen-Basis angekündigt haben. Schon dabei sind unter anderem Citrix, das nach dem Kauf von XenSource Xen-Virtualisierungsprodukte entwickelt, und Red Hat, bei dessen neuer Strategie Linux Automation ebenfalls Xen als Virtualisierungsplattform im Hintergrund steht. Novell integrierte Xen bereits in den vor gut einem Jahr erschienenen Suse Linux Enterprise Server 10; und selbst Microsoft ist über Kooperationen mit Novell und Citrix mit im Xen-Boot – obwohl die Redmonder auch ihren eigenen Hypervisor Viridian in den Startlöchern haben.
Die Xen-Koalition? Vielleicht sollte man eher von einer großen Anti-VMware-Koalition sprechen in einer Schlacht, in der es um nicht weniger geht als darum, wer in Zukunft die Hardware kontrolliert. Die Virtualisierungsvision, Red Hat und Oracle sprechen das besonders deutlich aus, sieht nämlich so aus: Die Plattform der Zukunft ist nicht das Betriebssystem, sondern ein Hypervisor. Anwendungen erhält man nicht mehr als Softwarepaket zur Installation auf einem bestimmten Betriebssystem, sondern vorinstalliert und -konfiguriert als virtuelle Maschine samt passend zurechtgestutztem Betriebssystem. Wer heute diese Vision umzusetzen versucht, landet in der x86-Welt fast zwangsläufig bei VMwares ESX-Server – einer proprietären und teuren Technologie.
Was macht Xen so sexy? Natürlich ist Xen in der x86-Welt derzeit die am weitesten entwickelte Alternative zu VMware ESX; und mit VMware möchte sich offenbar keiner der Hersteller so richtig in ein Boot setzen.
Aber nicht weniger wichtig: Xen ist Open Source. Die Software ist frei und steht jedermann als Basis für eigene Entwicklungen zur Verfügung – zur Integration in Terminalserver-Lösungen (Citrix), zur Portierung in die Solaris-Welt (Sun), für Erweiterungen in diese oder jede Richtung. Das Open-Source-Prinzip sorgt dafür, dass Weiterentwicklungen zurückfließen und die Xen-Varianten kompatibel bleiben – oder zumindest leicht kompatibel gemacht werden können. Differenzieren können sich die Hersteller durch das Drumrum: mehr oder minder komfortable und leistungsfähige Managementwerkzeuge, mehr oder weniger automatisierte Verwaltung der virtuellen Maschinen, Support, Hardwareunterstützung und so weiter.
Für die Anwender würde Xen als gemeinsame offene Plattform vor allem bedeuten, dass das Betriebssystem in Zukunft keine Rolle mehr spielt: Es wird zu einem Teil der Anwendung. Der Software-Anbieter kümmert sich darum, dass Betriebsystem und Anwendung harmonieren, muss sich aber auch nicht mehr mit der Anpassung seiner Software an unterschiedliche Systemumgebungen herumschlagen. Und der Anwender hat die Wahl zwischen unterschiedlichen Management-Umgebungen, die dank gemeinsamen Hypervisor kompatibel zueinander sind und in denen alle Anwendungen laufen.
Zu schön, um wahr zu sein? Mit einem Open-Source-Hypervisor wie Xen könnte das funktionieren.
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