Freiheit ist unteilbar
Obwohl FreeBSD nie die öffentliche Wirkung von Linux hatte, hat es sich doch als der "unbekannte Riese unter den freien Betriebssystemen" permanent weiterentwickelt. FreeBSD ist heute noch ebenso gesund wie früher und ist genau dort zu finden, wo man auch Linux vermuten würde: als preiswertes, sicheres und stabiles System auf Commodity-Hardware oder verborgen in Netzwerkgeräten von Cisco, Juniper, Force10 und NetApp.
Die ebenso idealistische wie permissive BSD-Lizenz erlaubt es, BSD-Code beliebig zu verwenden – ohne Verpflichtung, eigene Erweiterungen offenzulegen. BSDler argumentieren, Freiheit sei unteilbar, und der User sollte mit dem Code machen können, was immer er will.
Als logische Folge davon kann BSD-Code in jeder Form wiederverwendet werden, in proprietärer oder Open-Source-Software, solange eine Referenz auf die ursprüngliche Quelle erhalten bleibt. Diese Haltung hat je nach Sichtweise Vor- oder Nachteile; die BSD-Fans vertrauen dabei auf die besseren menschlichen Seiten. Und wenn einige den Code für proprietäre Zwecke einsetzen, ist es halt so: Das ist der Preis der Freiheit.
Frei wie in Freibier
Die BSD-Lizenz hat durchaus Vorteile. Obwohl sich die GPL im kommerziellen Umfeld als erfolgreich erwiesen hat, waren es die BSD-Versionen, die die Sun-Techniken ZFS und DTrace übernehmen konnten, nicht der Linux-Kernel – Suns CDDL ist nicht mit der GPL kompatibel. Das ist der Preis der Freiheit, könnte jetzt ein Anhänger der GPL sagen. Lizenzierung ist der zentrale Unterschied zwischen der BSD- und der GNU/Linux-Community.
Hersteller, die ₣reeBSD einsetzen, nutzen es vor allem für Netzwerkgeräte und spezielle Anwendungen, die von der hohen Performance des Systems profitieren; teilweise auch, weil sie mit FreeBSD die Vorteile von Open Source und freier (im Sinne von kostenloser) Software mit dem Schutz ihres geistigen Eigentums verbinden können. BSD-Anhänger würden sagen, genau das ist so beabsichtigt.
FreeBSD ist nicht nur ein Kernel, sondern ein komplettes Betriebssystem, und die straff organisierte und demokratische FreeBSD-Community kontrolliert sämtliche Software. Dazu gehören auch die über 21.000 Programmpakete im Ports-System, die außerhalb des FreeBSD-Projekts entwickelt werden. So wie Linux-Distributionen BSD-Code enthalten, verwendet FreeBSD auch für Linux entwickelte Software wie KDE und Gnome. Die FreeBSD-Community mit ihrem Fokus auf (technischer) Qualität und der Struktur ihres Paketsystems ähnelt der Debian- oder Gentoo-Community in der Linux-Welt.
Es ist daher kein Zufall, dass es eine Gentoo-Version mit FreeBSD-Kernel gibt. und das Debian-Projekt hat letztes Jahr ebenfalls eine Distribution mit FreeBSD-Kernel angekündigt. Beide Projekte enthalten allerdings die GNU-Userland-Tools, die nicht von FreeBSD. Die Debian-Entwickler beschreiben Debian GNU/kFreeBSD als "Portierung, bestehend aus dem GNU-Userland und der GNU-C-Library auf Basis des FreeBSD-Kernels, mit dem normalen Debian-Paketarchiv" – ein Projekt, das interessante Vergleiche erlauben wird, wenn es weiter ausgereift ist.
Gewinner
Die jüngste FreeBSD-Version 8.0 vom November 2009 folgt der FreeBSD-Tradition, eine schnelle und robuste Plattform mit neuen und ausgereiften Features zu ergänzen. FreeBSD 8.0 bietet verbessertes virtuelles Hosting mit Jail v2 und der Virtualisierung des Netzwerk-Stacks durch VIMAGE, unterstützt den Betrieb als Gastsystem unter Xen und VirtualBox, enthält einen neuen USB-Stack und verbessert die Unterstützung für Dtrace und ZFS.
FreeBSD mag zwar nicht die Popularität von Linux erreicht haben, aber es hat seine treue User-Community, läuft auf einer Vielzahl von Hardware-Plattformen und ist Basis einer Reihe abgeleiteter Systeme. Die bekanntesten sind DragonFly BSD und PC-BSD; letzteres zielt auf Desktop-Anwender, enthält einen sehr einfach zu bedienenden Software-Installer und ist besonders benutzerfreundlich.
Aber FreeBSD hat es nie darauf angelegt, zu gewinnen. Michael Lucas, FreeBSD-Entwickler und Autor des Buches "Absolute FreeBSD", drückt das so aus:
"Den meisten von uns geht es nicht um Wettbewerb ... FreeBSD-Developer sitzen nicht in einem verqualmten Zimmer und planen den Sturz von Microsoft. Wir sitzen in hellen, luftigen Räumen und überlegen, wo wir die besten Drinks herkriegen." (odi)








