Ubuntu for phones: Ubuntu soll aufs Smartphone.
Bild: Canonical
Linux-Distributor Canonical hat die Katze aus dem Sack gelassen und eine Ubuntu-Version für Smartphones vorgestellt. Der neue Mitspieler im Reigen der mobilen Linuxe basiert auf Android und soll daher auf einer breiten Palette verfügbarer Hardware laufen. Apps werden jedoch nicht in Java geschrieben und von der virtuellen Java-Maschine Dalvik ausgeführt, sondern entweder als Web App in HTML5 oder nativ mit Qt in C/C++, der Qt Markup Language (QML) und JavaScript – ein spezielles Toolkit steht zum Download bereit. Laut Canonical soll es möglich sein, mit dem Ubuntu SDK Anwendungen zu schreiben, die auf allen Ubuntu-Plattformen laufen und Ubuntus Cloud-Dienst Ubuntu One nutzen können.
Canonical-Gründer Mark Shuttleworth präsentiert Ubuntu for phones (ab 6'35) und erklärt die Strategie des Unternehmens.
Der Launcher mit den Lieblings-Apps wird per Wischgeste eingeblendet.
Bild: Canonical
Die Bedienung von Ubuntu for phones Linux setzt stark auf Wischgesten und verzichtet auf Home-, Zurück- und Menü-Buttons im Android-Stil. Über eine spezielle Web API, im aktuellen Ubuntu 12.10 bereits enthalten, lassen sich Web Apps ebenso wie lokal installierte Anwendungen integrieren. Für eine Reihe viel genutzter Webangebote, darunter Facebook, Twitter, Google Maps, Gmail und Spotify, soll das bereits funktionieren. Ob auch Android-Apps unter dem Mobil-Linux laufen, ist unklar.
Ähnlich wie bei Canonicals Linux-Desktop Unity gibt es einen einblendbaren Launcher mit den meist genutzten Apps am linken Bildschirmrand und eine übergreifende Suche. Die auf dem Lock-Screen angezeigte Information soll sich an den Nutzer des Smartphones anpassen. Natürlich bringt das mobile Linux die üblichen Anwendungen zur Verwaltung von Inhalten und Kontakten mit.
Obwohl noch keine Partnerschaften mit Telefonherstellern oder Mobilfunk-Providern angekündigt wurden, sieht Canonical sein Ubuntu for phones gut auf deren Bedürfnisse ausgerichtet: Dank Ubuntu One könnten Mobilfunk-Provider mit dem Ubuntu SDK eigene, Cloud-basierte Apps entwickeln, ohne eine eigene Cloud-Infrastruktur vorhalten zu müssen. Mit nativen Apps soll das mobile Linux auch auf Mittelklasse-Hardware performant laufen. Highend-Smartphones wiederum könne man dank Ubuntu für Android über eine Docking-Station mit einer Tastatur und einem Monitor verbinden und so in einen Ubuntu-PC verwandeln. Canonical verspricht den Mobilfunkanbietern eine weitgehende Konfigurierbarkeit des Systems – offenbar zielt man auf große Provider, die gerne Smartphones mit eigenem Look & Feel und eigenen Diensten verkaufen würden.
Ubuntu Phone bringt die üblichen Smartphone-Anwendungen mit.
Bild: Canonical
Canonical will Ubuntu for phones nächste Woche auf der CES präsentieren. Ein konreter Termin, wann Ubuntu-Smartphones verfügbar sein sollen, wurde nicht genannt; das Unternehmen will Interessente nach einer Registrierung auf dem Laufenden halten.
Canonical arbeitet bereits seit längerem daran, mit Ubuntu aus dem Bereich der Linux-Desktops und -Server auszubrechen. Vor einem Jahr zeigte man einen Fernseher mit Ubuntu; auch auf dem Google-Tablet Nexus 7 lässt sich Ubuntu installieren. Ubuntu für Android stellt auf Highend-Smartphones nach Anschluss von Tastatur und Monitor einen kompletten Desktop dar. Gerüchte wollen wissen, dass Valves angekündigte Steam-Konsole ebenfalls mit Ubuntu laufen soll – der Steam-Client für Linux ist gerade im Beta-Test.
Mit der Idee, neben Android ein weiteres Mobil-Linux zu etablieren, das den Bedürfnissen der Mobilfunkanbieter möglicherweise besser gerecht wird, steht Canonical allerdings nicht alleine da. Samsung und der japanische Mobilfunkanbieter NTT Docomo sollen an einem Smartphone mit Tizen arbeiten, dem Nachfolger des von Nokia aufgegebenen MeeGo. Auch Jolla, gegründet von einigen ehemaligen Nokia-Mitarbeitern, arbeitet an einem MeeGo-Nachfolger namens Sailfish OS. Beide Systeme verwenden das Qt-Toolkit für die Oberfläche. Auch Mozilla hat mit seinem Firefox OS ein Smartphone-Linux in Arbeit, das jedoch auf HTML5-Apps setzt – genauso wie das Open WebOS von HP.
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