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18. November 2006 11:21

Jetzt erst recht Linux? Mein Erfahrungsbericht für Umsteiger.

Da hier die Wellen im Forum hoch schlagen und viele jetzt nur noch an
den Wechsel auf Linux denken, dachte ich, ich schreibe mal meinen
Erfahrungsbericht wie ich zu Linux kam und wie der Weg war. Evtl.
hilfts ja jemanden nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen und
sich die nötige Zeit nimmt, die man für alles Ungewohnte und Neue
braucht.

Angefangen habe ich mit Win 3.1, als dann Win 95 kam und die Software
Win 95 langsam voraussetzte musste kam dann notgedrungen dieses
System ins Haus. Zur Win 98 Zeit kam ein neuer Rechner, samt Win 98,
ins Haus. Das war auch die Zeit als Linux anfing sich an Windows-User
zu wenden und ich kaufte mir damals eine Chip, auf der eine Debian
Version lag. Leider hatte ich keine Ahnung, daß Debian zu der Zeit
doch etwas mehr Wissen voraussetzt, aber egal, ich hatte es und
installierte drauf los, genau nach Anleitung im Heft.
Als die Installation beendet war startete der Rechner neu, nanu nur
ein Neustart? Tatsache, es reichte, doch dann die Ernüchterung, eine
nackte Eingabeaufforderung. Wo sind die vielen bunten Icons, der
Mauscursor und der Startsound? Im Heft stand dann weiter hinten wie
man den KDE, einen grafischen Desktop installiert. Uff, nochmal Glück
gehabt. Ich loggte mich also als root ein und tippte als erstes DOS
Befehle, wovon er die Meisten nicht verstand. Als säße ich zum ersten
mal vor einem Computer, so kam ich mir vor. Den KDE brachte ich nach
einiger Zeit zum laufen und schob erstmal eine Windows-CD ins
Laufwerk. doppelklick->setup.exe nix tat sich. Ach ja, das ist ja
Linux und wo bitteschön finde ich jetzt Software? Also klickte ich
unmotiviert im KDE herum und das eine oder andere Programm schloss
sich ohne erkennbaren Grund. Genervt gab ich auf und installierte
wieder Win 98.
Ach, wie schön und gewohnt doch wieder alles war. Irgendwann machte
dann „Mandrake Linux“ die Runden, was mit besonderer
Benutzerfreundlichkeit warb, und da ich mittlerweile eine größere
Festplatte besaß machte ich ein wenig Platz und installierte
Mandrake. Bei der Installation jedoch der super gau. das
Setup-Programm schmierte ab. Schon wieder konnte ich Linux nicht
kennenlernen obwohl ich es wollte. Später kam dann eine neue Mandrake
Version, die bekam ich installiert und sogar der grafische Desktop
wurde gleich eingerichtet. Da ich ja noch Windows auf einer andere
Partition hatte konnte ich jetzt also immer mal reinschnuppern.
Leider liefen meine Lieblingsspiele nicht, trotz dem Wrapper „wine“.
Also verkommte diese Linuxinstallation mehr und mehr und auf ewiges
um-booten hatte ich auch keine Lust. Nach 4 Monaten brauchte ich
Platz auf der Platte und Linux verschwand ein weiteres mal.
Als ich mir dann Windows 2000 kaufte, zu der Zeit gab es dann schon
eine Weile, war ich hoch zufrieden mit dem System. Zu der Zeit
programmierte ich Spiele mit Visual C++ 5 und der DirectX Umgebung.
Dann kam .NET und um es Entwicklern „schmackhaft“ zu machen sich auch
.NET zu kaufen, wurde kurzer Hand die Unterstützung für Visual C++ 5
eingestellt. Aber das sah ich nicht ein und eine neue Neugier auf
Linux wurde erweckt. Schliesslich sind wieder zwei Jahre ins Land
gegangen und ich machte mich wieder mal schlau. Der Vorteil diesmal,
es sind in der Zwischenzeit Live-CDs in Mode gekommen, die keine
Installation voraussetzen. Also guckte ich mir die ein oder andere
mal an. aber ich setzte mir eine Bedingung, mein damaliges
Lieblingsspiel „Battlefield 1942“ musste laufen, auf alles andere
konnte ich verzichten =). Nach einigen suchen im Netz fand ich es,
winex, bzw. cedega und auf deren Seite prahlten Screenshots die
beweisen, ES LÄUFT! Blieb nur noch die Frage welches Linux. Da aich
zu der Zeit noch keine große Ahnung vom internen Linux-Ablauf hatte
sollte es eines sein das einfach zu installieren ist. Da Hilfeforen
mittlerweile gang und gebe sind traute ich mir schliesslich einen
neuen Versuch. Am Ende fand ich „Kanotix“. Ich konnte es als Life-CD
starten und bei Gefallen installieren. Da ich mittlerweile wieder
eine neue Festplatte brauchte fiel die Entscheidung auch nicht
schwer, ich hatte ja notfalls noch meine Win-Install auf der alten
Platte, die erstmal im Regal verschwand. Nach 15 Minuten war mein
neues System installiert und fühlte mich auch gleich sehr wohl, da
die Entwicklung des KDE sich zu meinen ersten Versuchen doch stark
verbessert hat. Da dieses System jedoch auf Debian basiert kamen
meine damaligen Erinnerungen gleich wieder hoch, jedoch unbegründet,
da ich nichts konfigurieren musste, bis auf meinen damaligen DSL
Zugang und um den Grafikkartentreiber zu installieren war nur der
Aufruf eines Scripts notwendig, da die Jungs von Kanotix gewisse
Sachen als Script bereitstellen. Mit der Zeit wurde ich mutiger und
ergründete auch mal die ganzen Scripte und kam der Logik des Systems
auf die Schliche. Es wurde sozusagen genau so gewohnt wie das
damalige Windows. Mein Battlefield lief auch, inzwischen ists World
of Warcraft was hier am meisten gedaddelt wird, z.T. sogar schneller
als unter Windows und es kam die Zeit als dann meine alte
Windows-Installation auf der alten Platte gelöscht wurde, da ich
diese Platte meiner Schwester vermacht habe.

Heute bin ich hochzufrieden mit dem System. Ok, der Weg war von Frust
begleitet, wird wohl auch den meisten hier so ergehen, aber wenn man
es wirklich will schafft man auch einen Wechsel.
Und nicht viele können von sich behaupten ein System zu haben, das
incl. grafischen Desktop, 37 MB Speicher belegt. OK, ich verwende den
KDE nicht mehr, sondern den schlankeren IceWM der komplett auf ein
Workbench 2.x Outfit gestylt ist. Retro halt ;)
Aber das ist das was Linux ausmacht, man hat in allen Bereichen die
freie Wahl und das will ich nicht mehr missen.
Das lass ich mir auch durch Redmond nicht mehr verderben. Denn
schliesslich hab ich den ihrer Politik zu verdanken, daß ich heute da
bin wo ich bin. :D
Ein zufrieden gewordener Linux-User.

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