8. November 2012 04:52

Re: An welcher Stelle wird die Android-Situation besser?

Rainer Phantasiename schrieb am 7. November 2012 16:22

> differenziert. Das Gesabber von Torvalds ertrage ich seit Jahren
> nicht und ich interessiere mich auch nicht dafür, was dieser Mann so
> alles erzählt. 

Scheint aber interessant genug zu sein, um einen so langen
Diskussionsthread zu befeuern. Ich nehme diesen Satz mal als Ironie
hin.

> Für mich ist Torvalds ein sehr geltungsbedürftiger
> Ideologe - nicht mehr und auch nicht weniger.

Das muss nicht schlecht sein. Damit reiht er sich dann auch in die
illustre Gesellschaft der Genossen Steve J., Steven B. etc.

> Er sieht nur *seinen* Kernel. 

Stimmt wohl, ist aber auch nicht so verkehrt. Oder gibt es
Gegenbeispiele, wo eine andere Philosophie *wesentlich* besser
funktioniert(e)? Was ich z.B. fuer einen richtig guten Kernel halte,
ist der von Solaris. Aber das Geschrammel um die Entwickler von
OpenSolaris herum ist nun auch nicht gerade das Gelbe vom Ei.

> Der Kernel ist aber für sich alleine
> genommen nur begrenzt von Wert. Es ist der Überbau, den der Anwender
> wahrnimmt und über den der Kernel genutzt wird.Ist der Überbau schon
> scheiße, kann auch der beste Kernel erst einmal nur wenig reißen.

Das stimmt so nicht. Umgekehrt wird ein Schuh draus: ist der Kernel
Mist, reisst auch der beste Ueberbau nichts mehr.

> Zumindest da besteht absolute Einigekeit zwischen mir und Torvalds.
> Ich erweitere das sogar: Ich würde am liebsten den ganzen
> Android-Crap wieder loswerden und wenn schon, denn schon ein
> Standard-Linux mit Phone-App auf den Geräten haben. 

Der Android-Crap, auf den Du Dich hier immer beziehst, ist allerdings
der Ueberbau. Davon kann man gerne halten, was man will, aber es hat
nichts mit dem Kernel an sich zu tun. Und wenn der Ueberbau (Deiner
Meinung nach) Mist ist, kann man das dem Kernel nicht anlasten. Die
Trennung von Kernel und UI ist ein wesentlicher Bestandteil von Linux
seit den ersten Codezeilen, die jemals veroeffentlicht wurden. Das
ist auch bei Android nicht anders.

> Aber eigentlich
> will ich auch das nicht, weil ich die Frickeleien auf einfachen
> Desktop-Rechnern schon leid bin und den Scheiß nicht auch noch auf
> dem Telefon brauche. Es reicht mir, das Linux auf Servern gute
> Dienste verrichtet.

Deine Erfahrungen mit Linux scheinen mir etwas antiquiert, so um die
15-20 Jahre. ;-) 

> Ja. Nur nichts, was die Mehrzahl der Anwender will. Die sind mit
> Android *bestens* bedient. Den Wildwuchs würde das auch nicht
> entgegen wirken - ihn eher verschlimmern und treiberseitig? Auweia...
> Da kommt dann der Belzebub in Form des Chefideologen und
> Stinkefinger-Zeigers Torvalds aus der Kiste gesprungen... 

Da muss ich Dir Recht geben. Das war auch mein erster Gedanke, als
ich von der Zusammenfuehrung des Android-Kernels und des
Vanilla-Kernels gelesen habe. Insbesondere in solchen doch sehr
komplexen eingebetteten Systemen, wie Mobiltelefone das nunmal sind,
wird auch sehr viel Spezialhardware eingesetzt, sei es um Strom zu
sparen, Platz zu sparen, bestimmte Funktionen schneller auszufuehren
(worauf auch immer der Hersteller wert legt), und mit Patenten wird
in dieser Industrie auch nicht gegeizt. Da sind Konflikte mit der
OpenSource-Gemeinde eigentlich schon in dem Ideologie-Clash mit
eingebaut. Aber auch da wird es sicher eine Loesung geben, z.B.
Google macht Linus ein aeusserst attraktives Angebot, was er nicht
ablehnen kann, und wer die Musik bezahlt, sagt, was gespielt wird.
;-) Jaja, wird nicht so kommen, aber wenn Linus den Google-Mannen zu
sehr auf den Zeiger geht, bleibt es halt bei einem Fork des Kernels,
egal, was er dazu sagt und wieviele Stinkefinger da in die Luft
gereckt werden. Damit stellt er sich ja nur selbst ins Abseits. Den
Eindruck hatte ich bereits nach der Attacke gegen nVidia.
Gefuehlsmaessig ist die Allgemeinheit eher gluecklich mit nVidia als
mit Linus, insbesondere, wenn er sich so unflaetig auffuehrt. Das
stoesst auf wenig Gegenliebe und noch weniger Respekt.

Gruss,
Manfred

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