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14. November 2012 11:14

Wir sind eine mittelgroße Behörde und gehen auch zurück zu MS Office (Editiert vom Verfasser am 14.11.12 um 11:30)

Ich bin seit 10 Jahren Systemadministrator in einer mittelgroßen
deutschen Behörde.

Wir haben 12/2006 mit Elan begonnen unser damaliges MS Office
durch OpenOffice komplett zu ersetzen - und das nicht halbherzig,
das möchte ich betonen. Wir haben aber hunderttausende Dokumente
seinerzeit nach *.sxw u.ä. konvertiert, Mitarbeiter geschult und
interne Open-Source-Missionarsarbeit geleistet, fast wie Zeugen
Jehovas der IT. Wir haben mit Herstellen von Fachanwendungen, die
MS Office als Druckplattform benutzen, verhandelt und gestritten,
und auch gebettelt und gedroht. Wir haben immer noch, 6 Jahre
später, ein sehr schweres Leben mit OpenOffice (und LibreOffice).

Zwei Dinge sind daran hauptsächlich schuld:

1. Die meisten behördlichen Fachanwendungen benutzen RTFs als
Druckvorlagen. Diese RTFs werden durchgeparst und Platzhalter werden
durch entsprechenden Text ersetzt. Die OpenOffice RTF-Unterstützung
ist aber unsagbar schlecht und wurde im Laufe der 2.x -> 3.x 
Versionen immer unberechenbarer. Wir haben Monate, wirklich Monate,
unserer Zeit damit verpulvert OpenOffice RTF-Probleme in den Griff zu
bekommen: tausende RTFs wurden mit aberhunderten Tricks überarbeitet,
so dass sie halbwegs OpenOffice kompatibel sind, Makros zur
Druckerschauswahl wurden geschrieben, nobelpreisverdächtige Registry
Einträge, um Shell-Druckausgaben abzufangen und an OpenOffice Makros
weiterzuleiten und ähnlicher Wahnsinn.

2. Die Serienbriefverarbeitung ist so schlecht, dass wir Probleme
haben, neue Kollegen, die bisher woanders mit MS Office geabeitet
haben, von OpenOffice zu überzeugen. Da gehen einem echt die
Argumente aus. Wer z.B. mal versucht hat mit OpenOffice einen
Serienbief doppelseitg zu drucken, erste Seite auf Briefkopf,
dann die Rückseite, dann auf Blankopaper, das ganze mit CALC
Seriendruckquellen, bei denen (vorsichtshalber) schon
alle Spalten als Textfelder definiert sind, das erste Feld aber
z.B. nur eine Zahl enthalten kann oder - Todsünde - Leerfelder
vorkommen können, wird feststellen, dass er da angekommen ist, wo
auch vulkanische Logik versagen würde: Im Try and Error Land.

Was soll man denn so einem Kollegen antworten, wenn er nach 2 Stunden
Fuddelei fragt: Warum tut Ihr mir das an?

Aus und vorbei. Das Projekt ist gescheitert. Wir migrieren jetzt
seit 8 Wochen zurück auf MS Office 2010.


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