Lieber Dr. Thomas M. Schünemann, Geschäftsführer der HS Hamburger Software GmbH und Rallye-Dakar-Teilnehmer,
während Deutschland friert und im Schnee versinkt, gurken Sie mit einem Buggy durch den südamerikanischen Sommer. Man gönnt sich ja sonst nichts. Na gut: "Gurken“ ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort, und es handelt sich bei Ihrem fahrbaren Untersatz auch nicht um einen handelsüblichen Buggy, mit dem andere lässig am Strand von Malibu herumcruisen. Sondern Sie sitzen als Co-Pilot in einem knapp 300 PS starken Race-Buggy und versuchen, mit Ihrem Chauffeur Matthias Kahle als Teilnehmer der Rallye-Dakar so schnell wie möglich die Wüsten von Argentinien und Chile zu durchqueren. Bisher klappt das wie auch schon im vergangenen Jahr wieder sehr gut. Am Mittwoch feierten Sie schon Ihren vierten Etappensieg in Ihrer Klasse, liegen in der Buggy-Wertung auf Platz 2 und im Gesamtklassement auf einem großartigen 19 Platz. Und das, obwohl sie bereits seit Tagen ohne Ihren Werkzeug-Truck auskommen müssen, der wegen Motorschadens auf der Strecke geblieben ist. Respekt! Noch bis zum kommenden Sonntag sind Sie unterwegs, und wir drücken Ihnen die Daumen, dass es weiterhin so gut läuft und Sie froh und munter über den Zielstrich in Buenos Aires rollen werden.
Softwareunternehmer Schünemann (links) bei der Rallye Dakar
Auf der Homepage Ihres Softwareunternehmens wird das Rennen tagesaktuell begleitet, und der interessierte Besucher findet dort auch zahlreiche faszinierende Fotos. Besonders gut hat mir der hier abgebildete Schnappschuss gefallen, der Sie zusammen mit Ihrem Piloten Kahle nach einer staubigen Wüsten-Etappe zeigt.
Lieber Herr Dr. Schünemann, ich habe mich gefragt, was Sie als Unternehmer und Rallye-Teilnehmer so erfolgreich macht. Ich glaube, dass einer der wichtigen Erfolgskriterien darin besteht, dass Sie kein Problem damit haben, Leute an Bord zu holen, die für die Lösung bestimmter Aufgaben besser geeignet sind als Sie. Andere Unternehmer, die so wie Sie viel Geld in das Abenteuer Dakar-Rallye stecken, würden es sich vermutlich nicht nehmen lassen, sich selbst auf den Fahrersitz zu quetschen, auch wenn damit die Chance, vorne mitzufahren, drastisch sinken würde. Sie dagegen haben mit Matthias Kahle einen erfahrenen und mit zahlreichen Siegen ausgestatteten Piloten verpflichtet und haben selbst die – ebenfalls wichtige – Rolle des Navigators übernommen. Besinnung auf die Kernkompetenzen, nennt man das bekanntlich. Und in der Firma machen Sie es genauso, glaube ich jedenfalls. Zumindest schrieben Sie mir nach Ihrem erfolgreichen Dakar-Abschneiden im vergangenen Jahr: "Rallyefahren ist wie Unternehmensführung".
Ich bin ja ohnehin der Ansicht, dass Leute, die wie Sie schon seit mehr als 30 Jahren IT-Branchenerfahrung auf dem Buckel haben, für solche Wüstendurchquerungen super geeignet sind. Denn Staub aufwirbeln, dass konnte in den 80er und 90er Jahren keine Branche so gut wie die IT-Branche. Das hat sich inzwischen doch sehr geändert. Allerdings: "Eat my dust!" – das scheinen zur Zeit in Deutschland auch einige große PC-Hersteller den kleineren Konkurrenten zuzurufen, nämlich in Bezug auf die jüngste Einigung bei der Urheberrechtsabgabe. Ein kurz vor Weihnachten noch schnell aus der Taufe gehobener Bundesverband Computerhersteller (BCH) e.V., dem lediglich acht große Hersteller angehören, hat mit der Zentralstelle für private Überspielrechte (ZPÜ) eine Einigung über Urheberrechtsabgaben quasi durchgepeitscht, welche kleinere Importeure und Assemblierer dem Vernehmen nach krass benachteiligt. Brancheninsider wollen sogar erfahren haben, dass BCH-Mitglieder hinter vorgehaltener Hand gesagt hätten, dass eine Marktbereinigung durch diese Einigung eine willkommene Folge sei. Mit anderen Worten: Wenn kleinere Konkurrenten diese Lasten nicht stemmen können – ihr Pech. Eine höchst unglückliche Figur macht in diesem Szenario übrigens der Bitkom. Auffällig, dass der IT-Branchenverband, der sich ansonsten gerne zu allem Möglichen äußert, zu dieser Thematik bisher noch nicht Stellung bezogen hat.
Tja, es wird halt überall mit harten Bandagen bekämpft und häufig auch mit unfairen Mitteln. Das ist auch so etwas, was Wirtschaft und Sport gemeinsam haben. Oder sind die Teilnehmer der Rallye-Dakar allesamt vorbildliche Sportsfreunde?
Beste Grüße
Und hier die Antwort von Dr. Thomas M. Schünemann
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