B.Com-Chef Torsten Belverato
Lieber Torsten Belverato, Chef des Distributors B.Com in Köln,
im Zusammenhang mit der Gründung der ersten B.Com-Auslandsniederlassung in dem französischen Dörfchen Vence bei Nizza an der Cote d´Azur erklärten Sie, dass Sie sich weitere Auslandsaktivitäten vorstellen können, sofern der Versuch in Frankreich erfolgreich verlaufe. Diese Aussage erinnerte mich ein bisschen an die bekannte Liedzeile von Frank "The Voice" Sinatra "If you can make it there, you can make it everywhere", nur dass es sich in dem Song von Franky-Boy um New York und bei Ihnen eben um Vence handelt. Aber das sind Details. Viel Glück und Erfolg jedenfalls!
Eine der wichtigsten Dinge, die passen müssen, damit Ihr Frankreich-Geschäft (und das hier in Deutschland natürlich auch) läuft, sind die Preise. In diesem Zusammenhang interessant für Sie ist vielleicht das, was auf der letzten Tagung des GfK-Vereins diskutiert wurde. (Der GfK-Verein ist eine Non-Profit-Organisation der GfK-Gruppe zur Förderung der Marektingforschung.) Dieser Kongress fand Anfang Juli in Nürnberg statt und hatte den leicht spröden Titel "Zwischen Premium und billig: Konsum und Kommunikation in den Märkten der Mitte". Die wichtigste Aussage aus Marktsicht: Die Kunden greifen wieder verstärkt zu Marken und Produkten der mittleren Preislage. Das ist insofern interessant, als es in den vergangenen Jahren immer hieß: entweder Aldi oder Apotheke, entweder ganz billig („Geiz ist geil“) oder ganz teuer (Premium). Dazwischen ist Niemandsland, Nirwana. Dieser Trend, so Peter Zühlsdorff, Präsident des GfK-Vereins, habe sich seit letztem Jahr umgedreht. Das mittlere Preissegment sei wieder da. Der Grund für die Wiederentdeckung der Mitte – auch der Marken der Mitte – besteht nach Angaben von GfK-Vereinsgeschäftsführer Dr. Raimund Wildner darin, dass viele Verbraucher in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht haben, dass Sie im Moment zwar ein bisschen Geld sparen, wenn sie ein Billigprodukt oder eine Billigmarke kaufen, dass sie dieses Geld aber aufgrund der häufig schlechteren Qualität dieser Ware trotzdem „in den Sand gesetzt“ haben. Heute achte der Verbraucher zwar weiterhin auf den Preis, aber eben auch auf die Qualität, und eben dort liege die Stärke der mittleren Marken und der mittleren Preislagen.
Diese Entwicklung ist durchaus von Bedeutung für die Sortimentszusammenstellung, ja sogar für die Positionierung der ITK-Händler. Bis vor kurzem galt ja die Lehrmeinung, dass nur derjenige Händler eine Zukunft habe, der sich entweder als Billiger Jacob oder aber als Apotheke aufstelle. Wer sich in der Mitte zwischen diesen beiden Polen aufhalte, der würde untergehen. Das sieht nun im Lichte der neuesten Erkenntnisse ganz anders aus. Tja, wie heißt es doch so schön: Predicition is difficult, especially of the future. Oder auf deutsch: Die Wahrheiten von heute sind die Irrtümer von morgen.
Vielleicht läßt sich dieser Gedanke noch weiterspinnen. Marktexperten und -beobachter predigen seit Jahren, dass es auf Dauer nur noch große, überregional tätige Handels- und Systemhäuser geben werde sowie den kleinen Local Hero um die Ecke. Die ganze Mittelschicht werde verschwinden, so war zu hören, entweder geschluckt von den Großen (wenn man Glück hat) oder einfach verdunstet. Aber ist das wirklich eingetreten? Klar, Firmen verschwinden und gehen pleite, aber doch nicht wegen ihrer Größe. Der Fehler, den diese Experten der Extreme offenbar machen, besteht darin, dass Sie gerne Mitte mit Mittelmäßigkeit und also geringerer Leistungsfähigkeit gleich setzen. Eigentlich erstaunlich für ein Land, in dem die mittelgroßen Firmen sogar einen eigenen Stand bilden - den Mittelstand.
Das Gesagte gilt natürlich auch für Distributoren. B.Com zum Beispiel ist so ein Fall eines mittelgroßen Distributors. Mit rund 250 Millionen Euro Umsatz kein David, aber eben auch kein Goliath. Das Unternehmen scheint ordentlich aufgestellt, wächst und ist profitabel. Und offenbar gibt es eine ganze Menge Kunden, die einen Grund haben, bei B.Com zu kaufen. Warum auch nicht? Schließlich ist ja nicht die Größe eines Unternehmens der Grund, warum man dort Kunde ist, sondern dessen Leistungsfähigkeit. Und die ist mit Größe nicht unbedingt identisch.
Beste Grüße
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