NAS II: Datenmobilität steigt auch bei Consumern
Leergehäuse erlauben eine flexible Bestückung mit HDDs und ersparen dem Käufer die ZPÜ-Abgabe.
Karl Fröhlich - 14.12.12
Der Markt für Consumer-NAS-Systeme entwickelt sich schnell und dynamisch. Eine Vielzahl an Herstellern tummelt sich mittlerweile in dem Segment und bringt rasch neue Produktgenerationen auf den Markt. Standen vor zirka zwei Jahren noch Netzwerkfestplatten (1-Bay-Systeme) mit 500 GByte bzw. einem TByte im Fokus des Interesses, geht der Trend heute zu Multi-Bay-NAS-Systemen. "Die gängigsten Kapazitäten sind vier und acht TByte, der Einstieg liegt bei zwei TByte", sagt Andreas Arndt, CEO bei Littlebit Technology Deutschland. "Die Preisregionen sind abhängig von Anforderungen, Kapazitäten und Konfigurationen: Im Consumer-Bereich sind fertig konfigurierten Geräte gefragt, die als 'Out of the box'-Lösung angeboten werden."
Im SMB/B2B-Segment beobachtet Arndt ein anderes Wachstums-Szenario: "Hier sind individuelle Konfigurationen gefragt. Das kann eine Multi-Bay-Lösung sein, die aber nur zu 50 Prozent mit Platten bestückt ist und somit Ausbaufähigkeit für die Zukunft ermöglicht. An der Stelle gewinnt der Fachhandel deutlich an Bedeutung, da eben hier Service-Komponenten und somit Kundenbindung eine entscheidende Rolle spielen." Diese Situation führe momentan zu einem Rückgang der von Herstellern direkt ausgelieferten voll bestückten Systeme zugunsten der Barebones.
Barebone-NAS nicht ZPÜ pflichtig
Mit einem Leergehäuse, welches selbst mit Laufwerken bestückt wird, sparen sich Käufer zudem die Urheberrechtsabgabe. "Sobald das NAS mit Festplatten bestückt ausgeliefert wird, gelten die von der ZPÜ festgelegten Gebühren", erklärt Hormoz Vardeh, Purchasing Director bei Littlebit Technology Group. Abgaben, die einseitig von der Verwertungsgesellschaft fest gelegt wurden und von der Industrie in der Form nicht akzeptiert werden.
Seagates Director Central Europe Bernd Breinbauer erwartet im Gespräch mit heise resale einen langen Weg durch die Gerichtsinstanzen. Wobei die Abgabehöhe nicht der einzige Streitpunkt ist, sondern auch die effektive Durchsetzung. Letztendlich hält die ZPÜ nur die Hand auf, vor Grauimporten soll sich die Industrie selbst schützen. Dieser Punkt ist allerdings noch ungeklärt. Littlebit-Manager Vardeh bringt die Meinung des Handels und der Branche auf den Punkt: "Aus unserer Sicht fügt die ZPÜ der deutschen Wirtschaft hier massiven Schaden zu."
Die Abgaben sind derzeit durchaus heftig. 17 Euro fallen für ein NAS mit einer Speicherkapazität ab einem TByte an. Nur fünf Euro wären es für Netzwerkplatten mit weniger als einem TByte. Mit solch geringen Kapazitäten wird heute allerdings kein Geschäft mehr generiert. Hier zeigt sich auch, auf welch veralteter Basis die ZPÜ ihre Entscheidungen trifft bzw. wie ahnungslos agiert wird. Daher ist es durchaus möglich, dass noch bevor man mit der Industrie eine gemeinsame Entscheidung verabschiedet oder diese vom Gericht bestimmt wird, schon wieder neue Werte aufgerufen werden.
Für Verstimmung sorgt zudem, dass beispielsweise auch Unternehmen zur Kasse gebeten werden. Consumer-Produkte wie die WD My Book Live oder Buffalos Linkstation kommen auch in Firmen zum Einsatz, obwohl die Geräte für den Heimmarkt konzipiert sind. "Dafür werden der Performance wegen im Privatbereich zunehmend Business-NAS-Geräte mit Marvell- oder Atom-CPUs eingesetzt", sagt Vardeh. Letztendlich muss der Kunde hier diesen Aufschlag klaglos hinnehmen und hatte bereits bei CD-Brennern nicht die Wahl zwischen Privat- und Business-Einsatz. Interessant wird zu sehen sein, ob bzw. ab wann die ZPÜ versuchen wird Cloud-Speicher zu besteuern. Mit Anbietern wie Amazon, Google oder Strato dürfte die ZPÜ kein leichtes Spiel haben.
Cloud und Filesharing die Durchstarter 2013
Und die Cloud ist im kommen. Nach vielen Diskussionen über das Wolkenblumenkuckucksheim erfreuen sich kostenlose Services wie die Dropbox, Google Drive und Microsofts Skydrive zunehmender Beliebtheit. Aktiven Anwendern sind zwei bis sieben GByte aber schnell zu wenig. Daher sind Cloud-Funktionen für NAS ein wachsendes Verkaufsargument.
"Filesharing ist generell ein Thema, welches NAS unterstützt, sowohl im privaten Bereich als auch im SMB/B2B-Bereich", meint Littlebit-Manager Arndt. "Ein klassisches Beispiel ist eine Agentur, die per NAS Druckvorlagen den Druckereien zur Verfügung stellt." In der Zukunft soll sich dieser Trend noch verstärken. Die Erreichbarkeit und der Zugriff auf Daten von überall, ersetzt das Mitführen von Datenträgern zunehmend und steigert somit auch die Effizienz. Für NAS ist diese Entwicklung ein klares Kaufargument. Sowohl Endanwender als auch Geschäftskunden wollen ihre Daten von überall aus im Zugriff behalten. Gleichzeitig sollen sich das Gerät und somit auch die Daten in der eigenen Hand befinden. Dies begründe sich laut Arndt durch eine hohe Flexibilität und aber auch durch ein erweitertes Sicherheitsdenken.
Consumer-NAS steht heute noch am Anfang
Vor rund einem Jahr hat Aldi Netzwerkplatten bei heimischen Anwendern großflächig bekannt gemacht. 2012 betraten immer mehr Hersteller den Markt und mit Intels Atom-Plattform kann auch das Einstiegssegment mit einer Geschwindigkeit aufwarten, mit der sich einigermaßen vernünftig arbeiten lässt. Für den Handel geht das Geschäft mit Consumer-NAS 2013 erst so richtig los.
"Der PC Markt ist rückläufig, da Endkunden sich immer häufiger für Tablets und Smartphones entscheiden", meint Markus Harbach, Leiter Einkauf bei Wave. "NAS bietet hier dem Kunden den idealen Speicherplatz an, um den mobilen Anforderungen der heutigen Welt gerecht zu werden." Mit einem DynDNS-fähigen NAS können Anwender weltweit mit ihren Daten arbeiten und ohne Plattform-Limitierungen. Selbst einem Smartphone steht Speicherplatz im TByte-Bereich zur Verfügung. Mit Apps adressieren Hersteller genau diese Zielgruppe. "Für den Reseller ist NAS die ideale Verkaufskombination zu einem mobilen Gerät oder Fernseher", sagt Harbach.
Für 2013 kann der Handel mit einem dynamischen und schnell wachsenden Markt rechnen. Die Preise werden sich aufgrund der zahlreichen Anbieter kontinuierlich nach unten entwickeln. Bis Weihnachten dürfte der Einstiegsbereich bei zirka sechs bis acht TByte liegen.
(gs)