News-Meldung vom 28.12.2010 10:00
"Die IT braucht endlich mehr betriebswirtschaftliche Tugenden"
Prof. Dr. Axel Keller, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Wirtschaft, Institute for Competitiveness and Communication in Olten/Schweiz. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Handelsmanagement, vertriebliche Supply Chain, Marketing-Kommunikation und Marketing-Controlling.
Bild: Wolfgang Kühn
Seit einem halben Dutzend Jahren ist Axel Keller, ehemals Mitglied der Konzernleitung des Distributors ALSO Deutschland "raus" aus der IT-Branche. heise resale wollte wissen, wie sich für den ehemaligen Insider und heutigen Professor an der Fachhochschulte Nordwestschweiz die Außenansicht der IT-Branche darstellt und was sie besser machen könnte.
Was hat sich in der IT-Branche seit Ihrem Ausscheiden getan?
Axel Keller: Nach wie vor finde ich die IT-Branche faszinierend: Sie ist schnell, die alte Begeisterung für Technologie und tolle Produkte ist nach wie vor spürbar und tagtäglich werden technologische Weiterentwicklungen präsentiert. Das ist auf jeden Fall spannend – für die, die in der Branche arbeiten und scheinbar auch für die Kunden, die dabei nach wie vor mitmachen. So gesehen stimmt die Welt.
Sieht man aber näher hin, ist es – außer auf der Technikseite – mit der Dynamik hinter den Kulissen nicht so weit her. Daran, wie die Branche funktioniert hat sich nicht wirklich etwas verändert und weiterentwickelt. Selbst die vielzitierten und jährlich neu zelebrierten "Herausforderungen" sind noch dieselben geblieben wie vor zehn und 15 Jahren: Schneller, grösser, mehr. Und auch die Erwartungen an Unternehmen und an die einzelnen Mitarbeiter. Und die Erfahrung zeigt, dass die geforderten Ziele – auch wenn man sich das zuerst nicht vorstellen kann – dann doch irgendwie erreicht werden.
Ist das nun positiv, dass sich die IT-Branche nicht oder nur unwesentlich verändert? Schließlich scheint sie ja zu funktionieren. Oder doch eher schlecht? Denn IT steht nun mal sinnbildlich für Dynamik und Erneuerung. Das geht mit Stillstand nicht unter einen Hut.
Keller: Hier ist sicher Kritik am Platze.
Aus meiner Sicht und meinen Erfahrungen nach, wäre es an der Zeit, in der IT-Branche betriebswirtschaftliche Tugenden stärker zu fördern. Management und Marketing sollen die IT-Diskussion führen und weniger die Möglichkeiten der Technik. Auch wenn das wenig sexy klingt und nach langweiligem Maschinenbau riecht. Irgendwann wird auch eine anziehende Konjunktur wieder abflachen und irgendwann wird auch der Technologieboom, den Apple im Moment treibt, durch ein Standardgeschäft abgelöst werden. Darauf muss die Branche vorbereitet sein. Zumindest diejenigen Firmen, die als Gewinner hervorgehen möchten. (Evi Hierlmeier)
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