News-Meldung vom 21.01.2013 15:50
Univention Summit 2013 im Zeichen des Cloud Computing
Der Bremer Open Source-Infrastruktursoftwarehersteller Univention sowie dessen Partner und Kunden müssen sich 3 großen Trends in der IT-Branche stellen, wie Univention-Geschäftsführer Peter Ganten anlässlich des jährlichen Summits Mitte Januar vor rund 160 Teilnehmern verkündete: Die Cloud, Mobile und das Ende der PC-Ära geben die Richtung nicht nur für die Weiterentwicklung des Kernprodukts Univention Corporate Server (UCS) vor.
Während der klassische Desktop-PC vor allem im privaten Umfeld an Bedeutung verliert, wird sich auch das IT-Arbeitsumfeld im Geschäftsalltag sukzessive verändern, ist Ganten überzeugt. Angefeuert wird dieser Trend in erster Linie durch den rasanten Vormarsch mobiler Geräte – allen voran Smartphones und Tablets. Damit einher geht ein Wandel im Nutzungsverhalten, der unter anderem von Apps geprägt wird. Spezialisierte – häufig kompakte – Anwendungen für verschiedenste Einsatzbedürfnisse, die aus dem jeweiligen App-Store im Nu installiert sind. Dieses Modell hat sich Univention inzwischen auch für den Corporate Server zu Nutze gemacht und das seit Ende vergangenen Jahres integrierte App Center mit zahlreichen Anwendungen von Partnerfirmen gefüllt – darunter beispielsweise agorum, SEP, ownCloud, Kolab, OpenXchange oder Zarafa. Weitere Unternehmensanwendungen wie die IT-Service-Management-Lösung KIXbox, die Hochverfügbarkeitslösung DRBD oder das VoIPsystem Asterisk sowie ein Abrechnungssystem für den direkten Kauf der Apps sollen in Kürze folgen.
Und das Interesse ist groß: Allein im Dezember 2012 verzeichnete das Unternehmen gut 4000 Downloads der UCS 3.1-Plattform, verkündete Nico Gulden, der bei Univention für das Produkt- und Technologiepartner Management verantwortlich zeichnet. Eine Menge Entwicklungsarbeit hat der Bremer Open Source-Spezialist im Verlauf des vergangenen Jahres aber auch in den Ausbau des UCS als Linux-Plattform für das Identity- und Infrastruktur-Management investiert – beispielsweise im Bereich der Domänen-Dienste. So lässt sich der UCS nicht nur an ein Active Directory (AD) mittels Connector anbinden, sondern mittels Samba 4 auch als komplett eigenständige Domäne aufsetzen – in die sich bei Bedarf aus einem AD heraus migrieren lässt. Mit dem Univention Corporate Client baut der Hersteller zudem sein Client-Management gezielt in jenen Bereichen aus, die Microsoft über AD nicht abdeckt.
Mit Blick auf das Trendthema Cloud wurde UCS ebenfalls nachhaltig überarbeitet. Die Active Directory-Funktionen für das IT-Management lassen sich gleichermaßen lokal wie auch in der Cloud nutzen und die Provisionierung von UCS-Instanzen – beispielsweise aus vorhandenen VMware-Images – wurde weiter beschleunigt, erläuterte Gulden. Nicht zuletzt, weil Univention die eigene Plattform künftig noch stärker auf das Cloud Computing ausrichten will – mit einheitlichem und zentralem Domänen- und Benutzermanagement. Denn das Cloud-Geschäft (Public Cloud) verspricht signifikante Wachstumsraten. Insbesondere in den Bereichen Infrastructure-as-a-Service (IaaS), Management & Security sowie Platform-as-a-Service (PaaS) seien Gartner zufolge in den kommenden Jahren noch Zuwächse von 30 bis 50 Prozent zu erwarten, unterstrich Ganten.
Univention will aus diesem Grund gezielt in die Cloud investieren und dabei auch die Produktentwicklungszyklen verkürzen. Ein noch wichtigeres Standbein als bisher schon wird die Kooperation mit Partnern – insbesondere ISVs, Systemintegratoren und Cloud Service Providern (CSP), die auf dem Summit unter anderem durch Fujitsu, Plutex und SachsenDV vertreten waren. Auf dem Weg in die Cloud gilt es jedoch noch zahlreiche Herausforderungen und Hemmnisse zu überwinden – darin waren sich nicht nur die Teilnehmer der Podiumsdiskussion zum Thema Cloud Computing einig, sondern auch die Stimmen aus dem Besucherkreis des Univention Summit machten deutlich, wo die wichtigsten Hürden stehen: Datenschutz, Informationssicherheit und ungeklärte Fragen der Rechtskonformität lassen viele Unternehmer beim Schritt in die Cloud derzeit noch zögern.
So hatte etwa das Fraunhofer Instituts für sichere Informationstechnologie (SIT) im vergangenen Jahr noch Sicherheitsmängel bei populären Cloud-Speicherdiensten angemahnt, während die Universität Amsterdam in einer Studie die gesetzlich verankerten Zugriffsrechte von Behörden auf Daten in der Cloud untersucht hatte, wie sie beispielsweise die US-Regierung im Zusammenhang mit dem "Patriot Act" beansprucht. Auch wenn die konkreten Auswirkungen in der Praxis noch heftig diskutiert werden, reichen die Zweifel auf Seiten der potenziellen Anwender, um die Entwicklung und Verbreitung von Cloud-Diensten zu bremsen.
Auch die Befürchtungen, durch die Verlagerung von Anwendungen und Daten in die Systeme eines Cloud-Providers in Abhängigkeit zu geraten wie beim klassischen "vendor lock-in", sind derzeit keineswegs ausgeräumt. Es stellt sich auf Kundenseite also nicht nur die Frage, ob die benötigten Anwendungen überhaupt in die Cloud übertragbar sind, sondern auch, ob sie gegebenenfalls wieder von dort "zurückgeholt" – oder zumindest an einen alternativen Cloud-Provider übergeben – werden können. Viele dieser Hürden und offenen Fragen ließen sich überwinden und klären, wenn auf Anbieterseite konsequent offene Standards umgesetzt würden, forderte nicht nur Univention-Chef Peter Ganten – getreu seines Vortragsmottos "Hybrid, offen und einfach – unsere gemeinsame Chance".
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