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30. Juni 2012 19:24

Re: Selbst wenn das stimmen würde

Edna Krabappel schrieb am 30. Juni 2012 17:10

> Über diese zum Abspielen technisch notwendigen temporären Kopien
> sollen sich die Juristen ihre Gedanken machen, um die geht es hier
> aber nicht.

Über die technisch notwendige temporäre Kopie auf einem mp3-Player
(z.B. um über den Zeitraums eines Urlaubs auch am Strand die gekaufte
Musik genießen zu können) sollten sich die Juristen aber eben im
gleichen Zusammenhang mal ihre Gedanken machen. Das sollte man nicht
getrennt betrachten. Und darum geht es doch, also um obiges ebenso
wie um unteres.

> > Wenn das Abspielrecht an eine ganz bestimmte Kopie gebunden ist, dann
> > kann es ja kein Problem dabei geben, diese eine Kopie (eben mitsamt
> > besagter Rechte)  weiter zu veräußern.

> Da hätte ich nichts dagegen.

Gut so :-)
Das sehen andere aber leider anders... 


> > > > Wenn sich nun die Erlaubnis, besagte
> > > > Datei an verschiedenen Orten abzuspeichern,
> > > 
> > > Wie spiecherst Du *eine* Datei an verscheidenen Orten?
> > 
> > Im digitalen Zeitalter geht das, es ist schließlich ein und die selbe
> > Datei mit exakt dem gleichen Inhalt.

> Nein. Es ist eine Kopie einer Datei. 

Japp. Ein exaktes Gegenstück ein und des selben Inhalts. Und die
Datei wird vom Inhalt und ihrem Namen bestimmt. Stimmt beides
überein, ist es die selbe Datei.

Wenn Frau Müller der Lisel davon erzählt, wie der Karl-Heinz ihr die
Excel-Datei bkpte2012.xls geschickt hat, ist das technisch ebenfalls
eine Kopie und dennoch wird im Sprachgebrauch sehr wohl von "der
Datei" geredet. Hier ist in der Handhabung und im sprachlichen Umfeld
(in dem Fall Deutsch) klar, dass nun Frau Müller die selbe Datei hat
wie der Karl-Heinz. "Karl hat mir die Excel-Datei geschickt".

> Kleiner Hinweis: Wenn Du das
> durcheinander bringst, lass lieber die Finger von C++ ... ;)

Also ich habe hier als Beispiel eine Datei in
/var/backups/rsnapshot/daily.0/fulong/srv/vservers/kolab/var/spool/cy
rus/ und exakt die selbe Datei nochmal in daily.1 und in daily.2 usw. 
Die Dateisystemeinträge sind nicht die selben und möglicherweise
daher Millimeter voneinander entfernt, einmal inode 8544916, einmal
9978560, usw.. 
Zwar somit recht nach beieinander, aus menschlicher sicht gesehen,
aber immerhin an verschiedenen Orten. Es ist aber dennoch ein und die
selbe Datei, denn die Dateisystemeinträge zeigen auf den selben
Inhalt. Stichwort: Hardlink.

Nungut, aber das ist es ja nicht, worum es hier ging. Dennoch: Wenn
du einen Menschen per z.B. fehlgelaufenem Beamen ala Raumschiff
Enterprise verdoppeln würdest, dann wären es exakt die selben
Menschen. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt indem die verschiedenen
Exemplare des exakt gleichen Menschen mit unterschiedlichen
Umgebungen interagieren und sich daher zumindest mal ihr Hirninhalt
verändert. Aber das ist ja die Sache: die mp3 bleibt gleich, sofern
niemand z.B. id3-Tag etc. anpasst. Es ist und bleibt ein und die
selbe Datei. Es lässt sich von einem Exemplar mit 100%iger Sicherheit
auf jedes weitere Exemplar schließen. 

Die Unterscheidung zwischen "gleiche" und "selbe" ist halt manchmal
einfach und manchmal schwierig. Was in der Natur noch einfach ist:
Das Auto ist nur auf den ersten Blick vielleicht auch das selbe wie
gestern, es hat vielleicht dort und da einen Kratzer mehr oder
weniger und ist zwar das gleiche, aber nicht das selbe. Das selbe
Auto hat eben exakt die gleichen Kratzer an exakt den selben Orten.
So ist das auch mit der Datei: sie unterscheiden sich durch den Ort,
an dem sie liegen. Also vielleicht doch nicht die selbe, sondern nur
die gleiche Datei. Aber vernichte mal das Original, dann kopierst du
die gleiche Datei wieder an die alte Stelle und schon hast du wieder
das Original. Und zwar _exakt_ ("cp -a"). Also die _selbe_. Irgendwie
war es also doch auch am anderen Ort irgendwie schon ebenfalls die
selbe Datei und nicht nur die gleiche.

> > > Du erstellst
> > > Kopin, und über diese zu entscheiden gehört nun mal nicht zu Deinen
> > > Rechten, sondern bleibt das Recht des Urhebers. Anders könntest Du
> > > auch freie Lizenzen wie die GPL weder rechtfertigen noch durchsetzen.
> > 
> > Das ist ein gutes Beispiel. Du kannst die GPL lizenzierte Software
> > auf so vielen beliebigen Datenträgern unterbringen, wie du willst und
> > damit sogar machen, was du willst, sofern es innerhalb deines
> > persönlichen Bereiches bleibt.

> Warum? Weil es der Urheber war, der Dir das erlaubt hat, mit den
> entsprechenden Einschränkungen. Wenn der also nicht über die
> Verwendung und insbesondere Kopien seines Werkes entscheiden dürfte,
> und man sich eben daran halten müsste, wie wolltest Du die GPL
> durchsetzen? In der Open Source Szene heißt es: "He who writes,
> decides". Das ist derselbe Grundsatz, der im Urheberrecht "Der
> Urheber entscheidet über Kopien seines Werkes" heißt.

Nur das man einerseits so tun möchte, als sei es ein Ding, eine Ware
und eine weitere, selbst hergestellte Kopie auf einem weiteren Medium
des selben Käufers wäre ein weiteres Werkstück, aber sich dennoch
nicht dem Erschöpfungsgrundsatz unterwerfen will. 

Wie gesagt. Ich muss dafür bezahlen, das Werk genießen zu dürfen. Das
habe ich getan. Und dennoch soll ich es nicht genießen dürfen wo und
wann es mir passt, sondern der Urheber will mir weitere
Einschränkungen auferlegen.