Server vorbereiten
Die Anforderungen, die Desinfec’t an einen Start aus dem Netzwerk stellt, fallen moderat aus. Sie entsprechen denen eines Ubuntu-Live-Systems. Außer den beschriebenen obligatorischen Diensten erwartet es zusätzlich einen NFS-Server, der das komprimierte Dateisystem im Netz bereitstellt. Lediglich der Systemstart, also das Laden der zum Booten nötigen Dateien, des Kernels und der Init-RAM-Disk läuft via TFTP. Dann übernimmt NFS.
Um die nötigen Dateien auf Ihrem Server bereitzustellen, legen Sie die Desinfec’t-DVD in das System ein, mounten Sie diese (die Hinweise gehen davon aus, dass Sie das unter /media/cdrom tun) und kopieren Sie die Dateien in das im ersten Schritt neu angelegte Verzeichnis /srv/tftp/ct:
mkdir -p /srv/tftp/ct/desinfect
cd /srv/tftp/ct
cp -r /media/cdrom/casper desinfect/
cp -r /media/cdrom/isolinux desinfect/
Leider enthält die Init-RAM-Disk auf der Desinfec’t-DVD einige Schönheitsfehler, die erst beim Netzwerk-Boot zu Tage treten. Wir stellen deshalb eine aktualisierte initrd.lz-Datei bereit, um damit die kopierten Dateien von der DVD wie folgt zu aktualisieren:
cd /srv/tftp/ct/desinfect/casper
rm -f initrd.lz
wget http://ct.de/projekte/desinfect/ct1512/initrd.lz
Im nächsten Schritt erstellen Sie ein weiteres Verzeichnis
mkdir /srv/tftp/ct/pxelinux.cfg
und legen darin die Datei default wie folgt an:
DEFAULT desinfect2012
LABEL desinfect2012
KERNEL desinfect/casper/vmlinuz
APPEND boot=casper initrd=desinfect/casper/initrd.lz netboot=nfs nfsroot=192.168.1.2:/srv/tftp/ct/desinfect quiet splash -- debian installer/language=de console-setup/layoutcode?=de
Sie weist PXE den Weg zu Kernel und Init-RAM-Disk und gibt einige Optionen für den Systemstart mit. Wichtig dabei ist, dass die Adresse des NFS-Servers passt. Die Beispiele gehen davon aus, dass hinter der Adresse 192.168.1.1 der Router und DNS-Server stecken, und hinter 192.168.1.2 der Boot-Server, den Sie einrichten.
Fehlt noch der PXE-Loader selbst. In einem Debian-System können Sie den per:
apt-get install syslinux-common
auf die lokale Platte holen. Da die Datei pxelinux.0 in /usr/lib/syslinux landet, müssen Sie sie für die Remote-Boot-Mechanismen zugänglich machen. Ein symbolischer Link empfiehlt sich dafür, weil Ihr System so von eventuellen Updates an der Datei profitiert:
cd /srv/tftp/ct/
ln -s /usr/lib/syslinux/pxelinux.0 pxelinux.0
Der NFS-Server ist auf einem Debian-System mit wenigen Handgriffen installiert:
apt-get install nfs-kernel-server
zur Konfiguration tragen Sie in die Datei /etc/exports die Zeile
/srv/tftp 192.168.1.0/24(ro,no_subtree_check)
ein. Die IP-Adresse des Netzwerks müssen Sie gegebenenfalls anpassen. Nach einem Neustart mit /etc/init.d/nfs-kernel-server restart liefert der Server die Image-Datei mit Desinfec’t auf Anfrage aus.
Integrativ
Einfach kann man sich das Leben mit Dnsmasq machen, einem eher schlanken DNS- und DHCP-Server. Ihn kann man ohne Weiteres parallel zu einer bestehenden DNS/DHCP-Infrastruktur betreiben, also auch zu einem vorhandenen DSL-Router. Die Installation in einem Debian-System ist per
apt-get install dnsmasq
erledigt. Als Konfigurationsdatei genügt nach den zuvor geschilderten Schritten eine neu angelegte Datei desinfect im Verzeichnis /etc/dnsmasq.d. Sie enthält:
port=0
log-dhcp
enable-tftp
tftp-root=/srv/tftp
dhcp-range=192.168.1.0,proxy
pxe-prompt="Taste F8 zeigt Auswahl",5
pxe-service=X86PC,"Starten von Festplatte",0
pxe-service=X86PC,"Mit Desinfec't starten",ct/pxelinux
Der Reihenfolge nach deaktivieren die Optionen den integrierten DNS-Server (port=0), lassen Dnsmasq ausführlich Protokoll schreiben, knipsen den internen TFTP-Server an, weisen den Daemon an, als DHCP-Proxy für das Netz 192.168.1.0 aktiv zu werden und lassen den PXE-Code einen Hinweis anzeigen und auf die Betätigung der Taste F8 hin ein minimales Menü präsentieren.
Ein simples Bootmenü, das erst auf Knopfdruck Netzwerk-Boot-Optionen zeigt, ist mit Dnsmasq im Handumdrehen gestrickt.
Das Menü erlaubt die Wahl zwischen einem Boot von der Festplatte und von Desinfec’t aus dem Netz. Hält der Benutzer fünf Sekunden still, geht es automatisch von der Festplatte weiter. Wie erfrischend einfach Dnsmasq ist, kann man erst im Vergleich mit dem Aufwand ermessen, den man beim Einsatz der „großen“ Dienste treiben müsste. Da liegt es nahe, nur in Ausnahmefällen überhaupt etwas anderes zu benutzen.
Unsere Entdeckung, dass via Skype verschickte URLs von Microsoft besucht werden, hat für einigen Aufruhr gesorgt. Mittlerweile liegen etwas mehr Informationen dazu auf dem Tisch.
Die aktuelle BKA-Trojaner sperrt nicht nur den Rechner, sondern legt auch Bilder mit Kinderpornografie auf dem System ab. Mit Desinfec't kann man diesen Unrat aufspüren und beseitigen.
Der Krypto-Experte Karsten Nohl kritisiert die Absenkung des Schutzniveaus für Steuer-, Sozial- und Gerichtsdaten im Rahmen der gesetzlichen Anpassungen für De-Mail.
Wer verhindern will, dass Nutzer auf fremde Kalender zugreifen oder eigenen PHP-Code in den Server einschleusen, sollte baldmöglichst auf eine der aktuellen Versionen umsteigen.
Die Mozilla-Entwickler haben zahlreiche Sicherheitslöcher in Firefox und Thunderbird gestopft. Durch eine kann ein Angreifer, der bereits einen Fuß in der Tür hat, an Systemrechte gelangen.