17.12.2011 18:12
Bittorrent im Élysée-Palast
Weltweit gehen Urheberrechte-Verwerter mit immer härteren Maßnahmen gegen Urheberrechtsverletzer vor, inbesondere gegen Tauschnetze. Doch handelt es sich bei den Jägern nicht um Einzelpersonen, sondern um Konzerne und Regierungen mit vielen Angestellten und Mitgliedern. Ob die wohl auch vor der eigenen Haustür gefegt haben?
Mit Hilfe der ukrainischen Website youhavedownloaded.com kann das jetzt jeder prüfen. Die Site sammelt in einer Datenbank, über welche IP-Adresse zu welcher Zeit welche Datei per Bittorrent getauscht wurde. Nach Eingabe einer beliebigen IP-Adresse in eine Suchmaske erhält man eine Liste der von dieser Adresse getätigten Downloads.
Youhavedownloaded nimmt sich selbst nicht ganz ernst: Der Crawler ist als Machbarkeitsstudie entstanden.
Die Betreiber der Site betonen – etwas versteckt unten auf der Hauptseite – allerdings selbst, man dürfe den Dienst nicht ernst nehmen. Die Daten seien echt, der Crawler aber aus einer Laune als Machbarkeitsstudie entstanden. Da etwa die meisten DSL-Provider hierzulande täglich eine neue IP-Adresse zuweisen, kommt es unweigerlich zu unzuverlässigen Ergebnissen: Wenn überhaupt etwas, dann sieht man dabei eher, was andere Internet-Nutzer in der Provider-Nachbarschaft geladen haben, als eigene Downloads.
Die Website TorrentFreak hat es jedenfalls auch mit IP-Adressen einiger Hollywood-Studios versucht und wurde prompt fündig. So wurden über Adressen von Sony Pictures Entertainment, NBC Universal sowie Fox Entertainment diverse geschützte Filme und Musikfiles getauscht. Und nicht nur bei den Verwertern selbst, auch zum Beispiel in der französischen Regierung, die das Hadopi-Gesetz ausgebrütet hat und am lautesten nach Websperren ruft, sitzen schwarze Schafe. Von IP-Adressen, die dem Büro des französischen Präsidenten zugeordnet sind, wurden angeblich ebenfalls Filme und Musik getauscht.
Zudem scheint dies nur die Spitze eines Eisbergs, denn youhavedownloaded.com speichert nur Stichproben. Und andererseits: Wen wundert's, dass die Beschäftigen in Hollywood-Studios und Regierungsapparaten auch nur Menschen sind.
(bb)
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