23.02.2012 11:31
Schweiz probt den Cyber-Ernstfall
Die Schweiz will anhand von simulierten Cyberangriffen ihre Strategie zum Schutz vor Risiken aus dem Netz prüfen. Das hat die Schweizer Regierung, der Bundesrat, am Mittwoch beschlossen. In die strategische Führungsübung sollen die Krisenstäbe der Departemente (Ministerien) und die übrigen Organe der Bundesverwaltung eingebunden werden, die im Ereignisfall einberufen werden.
Die Übung soll in vier Teilen von September 2012 bis Mai 2013 stattfinden. Die ersten drei Teile bestehen aus halbtägigen Seminaren über strategische Überlegungen. Dabei sollen die Krisenstäbe Maßnahmen ausarbeiten, die sie dem Bundesrat im Ernstfall vorschlagen würden. Dieser soll im vierten Teil anhand verschiedener Szenarien geprobt werden. Rund fünfzig Personen sollen die Kantone, wichtige Wirtschaftspositionen, die Medien und die Bevölkerung repräsentieren und mit ihrem Verhalten und ihren Reaktionen eine "außerordentliche Lage" simulieren.
Die Schweiz hat ihre Reaktionsfähigkeit auf nationale Notlagen zuvor bereits anhand zweier anderer Szenarien geübt: 2005 anhand einer simulierten Schweinegrippe-Pandemie, 2009 ging es um Strommangel. Für die kommende Übung soll das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) ein Strategiekonzept ausarbeiten und dem Bundesrat vorlegen. Seit Ende 2010 arbeitet die Schweizer Regierung an einer Strategie gegen den Cyberwar.
In Deutschland fand voriges Jahr eine länderübergreifende Übung des Krisenmanagments auf Cyberangriffe im Rahmen der Übungsserie LÜKEX statt, an der rund 3000 Personen teilgenommen haben sollen. Zum Ende der Übung Anfang Dezember hieß es, eine "mutwillig herbeigeführte Überlastung von IT-Systemen" habe erfolgreich gemeistert werden können. Die Auswertung wird voraussichtlich noch einige Wochen dauern. Absehbar war aber bereits, dass ein landesweites Computer-Notfallteam (CERT) eingerichtet werden soll.
(anw)
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