07.02.2012 16:15
Trustwave verkaufte Man-in-the-Middle-Zertifikat
Der Zertifikatsherausgeber Trustwave hat einer Firma ein Zertifkat verkauft, mit dem sich diese gültige Zertifikate für beliebige Server ausstellen konnte. Damit war es ihr dann möglich auch den verschlüsselten Datenverkehr ihrer Mitarbeiter etwa mit Diensten wie denen von Google oder Hotmail zu überwachen. Mittlerweile habe man das CA-Zertifikat jedoch widerrufen und werde das zukünftig auch nicht mehr tun, gelobt der Zertifikatsherausgeber.
Das Herausgeber-Zertifikat kam in einem Data Loss Prevention System (DLP) zum Einsatz, das verhindern soll, dass vertrauliche Informationen wie Firmengeheimnisse nach außen gelangen. Dazu überwacht das DLP-System auch verschlüsselte Verbindungen als Man-in-the-Middle. Das heißt, es bricht die Verbindung auf und gaukelt dem Browser oder Mail-Programm vor, es spräche mit dem eigentlich gemeinten Server. Damit dabei keine Zertifikatsfehler auftreten, muss sich das DLP-System mit einem gültigen Zertifikat ausweisen, das es sich mit dem Trustwave-Herausgeber-Zertifikat praktischerweise selber ausstellen kann. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren auch Spionage-Angriffe und staatliche Überwachungsmaßnahmen.
Alle gängigen Browser enthalten das Trustwave Wurzelzertifikat.
Die übliche Vorgehensweise für legitime DLP ist, dass die Admins selbst eine Certificate Authority anlegen und diese – in Absprache mit den Mitarbeitern und Betriebsrat – auf den Arbeitsgeräten installiert wird. Dies stößt jedoch bei mitgebrachten Systemen der Mitarbeiter, die gar nicht der Firma gehören, an seine Grenzen.
Trustwave versichert, dass die Firma Verträge zur Nutzung unterzeichnet habe und sowohl der geheime CA-Schlüssel als auch die damit gefälschten Zertifikate in einem speziell geprüften Hardware Security Module (HSM) sicher aufbewahrt waren. Missbrauch sei somit ausgeschlossen gewesen. Dennoch sei man zu der Erkenntnis gelangt, dass man dieses Konzept zukünftig nicht weiter verfolgen wolle. Man habe das Zertifikat widerrufen und werde keine neuen derartigen Zertifikate mehr ausstellen.
Sicherheitsexperten und Privacy-Verfechter warnen schon seit einiger Zeit davor, dass jede CA und auch jede von ihr ermächtigte Sub-CA beliebige Zertifikate für jeden Server ausstellen können. Insbesondere einige staatliche CAs werden in dieser Hinsicht mit Misstrauen beäugt, da es durchaus nahe liegt, dass sie staatliche Überwachungsmaßnahmen unterstützen. Dies ist nach unserem Kenntnisstand der erste bekannt gewordene Fall, in dem eine allgemein anerkannte Zertifizierungsstelle ganz offiziell für Überwachungszwecke Dritten das Ausstellen von beliebigen SSL-Server-Zertifikaten ermöglicht hat. Allerdings erklärt Trustwave, dies sei eine durchaus übliche Praxis, die auch andere Root-CAs beträfe.
(ju)
Unsere Entdeckung, dass via Skype verschickte URLs von Microsoft besucht werden, hat für einigen Aufruhr gesorgt. Mittlerweile liegen etwas mehr Informationen dazu auf dem Tisch.
Die aktuelle BKA-Trojaner sperrt nicht nur den Rechner, sondern legt auch Bilder mit Kinderpornografie auf dem System ab. Mit Desinfec't kann man diesen Unrat aufspüren und beseitigen.
Der Krypto-Experte Karsten Nohl kritisiert die Absenkung des Schutzniveaus für Steuer-, Sozial- und Gerichtsdaten im Rahmen der gesetzlichen Anpassungen für De-Mail.
Wer verhindern will, dass Nutzer auf fremde Kalender zugreifen oder eigenen PHP-Code in den Server einschleusen, sollte baldmöglichst auf eine der aktuellen Versionen umsteigen.
Die Mozilla-Entwickler haben zahlreiche Sicherheitslöcher in Firefox und Thunderbird gestopft. Durch eine kann ein Angreifer, der bereits einen Fuß in der Tür hat, an Systemrechte gelangen.