23.06.2006 10:47
WLAN-Treiber: Hacken im Vorbeifahren
Kannte man bislang nur Wardriver, die mit GPS und WLAN-Equipment offene Access Points und WLAN-Geräte aufspürten und kartografierten, könnten demnächst so genannte Drive-By-Shooter auf den Plan treten, die im Vorbeifahren etwa Laptops mit Schadcode infizieren. Dass dies möglich ist, wollen auf der kommenden Black-Hat-Konferenz David Maynor von Internet Security Systems (ISS) und Jon Ellch von der U.S. Naval Postgraduate School in Monterey erläutern. Dazu muss ein Gerät nicht einmal in einem WLAN-Netz eingebucht sein, es genügt in vielen Fällen, dass die WLAN-Karte aktiviert ist und nach erreichbaren Netzen sucht – was in der Regel der Fall ist. Mit präparierten WLAN-Paketen soll es dann gelingen, Fehler in WLAN-Treibern auszunutzen, um etwa Trojaner in das System zu schleusen.
Mit dem Open-Source-Tool LORCON (Loss of Radion Connectivity) haben Maynor und Ellch in Tests verschiedene WLAN-Treiber mit zahlreichen Paketen bombardiert und deren Verhalten beobachtet. Dabei seien sie auf zahlreiche Lücken gestoßen, in einem Falle habe man sogar die vollständige Kontrolle über ein Laptop erhalten können. Ursache der Probleme seien zum einen das fehlende Sicherheitsbewußtsein der Treiberentwickler sowie die Überfrachtung der Geräte und Software mit Features. Weitere Details will man aber erst am 2. August auf der in den USA stattfindenen Konferenz veröffentlichen.
Anders als Maynor und Ellch kamen Forscher von Intel auf der vergangenen NetSec-Konferenz zu dem Schluß, dass etwa das Risiko durch Fehler in Windows-Treibern nur sehr gering sei. Ein Grund dafür sei, dass Gerätetreiber-Programmierung einfach nicht auf der Linie von Script-Kiddies liege, ganz im Gegensatz zu öffentlich verfügbarem Wurmcode. Dem stimmt Maynor in einem Interview grundsätzlich zu: Treiber-Hacking sei zwar eine ziemlich anspruchsvolle Angelegenheit, allerdings sei es inbesondere mit neuen Tools wie unter anderem LORCON auch für Script-Kiddies mittlerweile möglich, WLANs anzugreifen.
Dass die Intel-Forscher mit ihrer Einschätzung vielleicht ein wenig danebenliegen, zeigen auch die frei verfügbaren Exploits für die kürzlich gestopfte SMB-Lücke, die gute Beispiele dafür liefern, wie man über Kernel-Mode-Treiber in ein Windows-System einbricht.
(dab)
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