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12. Dezember 2012 03:49

Re: Und wie kann man das verhindern?

Michael9 schrieb am 12. Dezember 2012 01:16

> IchBIN schrieb am 12. Dezember 2012 01:01
> Mein Kollege hat sich dann mal nach Firmenwägen und
> anderem im Netz umgesehen. Für _Wochen_ wurden wir mit 
> Hochglanz Werbematerial aller Automarken bombadiert.
> (..)
> Ich will gar nicht wissen was die Maschine jetzt schon
> alles weiß. Facebook ist ja das Gottesgeschenk an die.
> (..)
> Inzwischen haben wir für Fremdsurfen, Fremdfirmen-
> Spionage etc. gemietete VServer am Start, die als 
> Anonymous-Proxy dienen. z.B. aus Spanien. Dort hängt 
> keine Domain dran und somit ist nix zu erfahren. 
> (..)
> Die "Selbstverteidigung" wird immer aufwendiger. Der nächste
> Schritt wäre die Browserkennung ständig zu variieren und die
> Infodaten die der Browser-rausgibt, die man zum Fingerprinting
> nutzt irgendwie zu faken. Auf dem Weg nach Absurdistan.

Oder aber man kämpft mit offenem Visier. Dann sieht die konkurrenz
halt dass man bei Ihnen war, was solls, die können sich doch genauso
umschauen.
Kommt zuviel unerwünschte Post dann ist das ein Job für den Anwalt,
bis wieder ruhe herrscht. Das Internet war nie als anonymes
Kommunikationsmedium gedacht, da spricht ein node mit einer
einzigartigen, registrierten IP mit dem anderen, und alles wird
nachvollziehbar protokolliert. Ursprungsverschleiernde geschichten
wie NAT oder dynamische IPs hat man später rein aus kostengründen und
convenience implementiert, und nicht um irgendeine form von
anonymität herzustellen, das waren reine nebeneffekte.
Im Web setzt sich die identifizierung der nodes nun auf höherer ebene
fort, mit tracking cookies, browser fingerprinting und etlichen
anderen tricks. 
Insofern kann man natürlich immer größeren Aufwand betreiben wenn man
anonym bleiben will, nur braucht man sich nicht wundern wenn das
system immer wieder wege findet, die einzelnen nodes doch wieder zu
identifizeren - denn darum geht es eben im kern bei point to point
kommunikation.

Was ich damit sagen will: Privacy ist keine technische, sondern eine
politische frage. Die gesellschaft muss entscheiden ob sie anonyme
kommunikation im netz will und muss das rechtlich durchsetzen. In
IPv6 sind deswegen ja auch bereits einige sinnvolle sachen
eingeflossen, aber zb auf http-ebene fällt mir nicht viel ein, was
man machen könnte um unerwünschtes profiling und tracking zu
verhindern, ohne die erwünschten effekte mit abzuwürgen. es bleibt
also im letzter instanz beim gesetzgeber, das zu regeln was wie
getrackt werden darf, und was nicht. dazu kommt dass das ganze
international geregelt und vor allem verstöße verfolgt werden. und
das wird richtig, richtig schwierig.
Was bleibt ist also die einsicht, dass anonyme kommunikation in
rechnernetzen kompliziert, aber mit entsprechendem aufwand auch auf
absehbare zeit möglich sein wird, seis durch tortunnel, surfen per
betriebssystem und browser auf read-only medien und ähnliche tricks.

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