Zwar bieten Autodesk und Softimage abgespeckte Versionen ihrer 3D-Suiten an, Blender ist hingegen ein echtes Vollprodukt zum Nulltarif. Genretypisch ist die Bedienoberfläche etwas gewöhnungsbedürftig, bleibt jedoch stets in sich schlüssig. Die plattformübergreifende Open-Source-Software beherrscht fortgeschrittene Modeling-Aufgaben ebenso wie komplexe Animationsfunktionen einschließlich einer Physiksimulation. Zum Rendering steht ein integrierter Raytracer zur Verfügung. Die Schnittstelle zu anderen Engines unterstützt unter anderem Renderman, POV-Ray und Yafray. (ghi)
Die Neuerungen der Version 2.46 sind eng mit einem Projekt der Blender Foundation verknüpft, bei dem die Software zur Produktion eines Films diente, in dem ein Kaninchen die Hauptrolle spielt. Die Entwickler richteten ihr Augenmerk daher auf Werkzeuge zum Darstellen von Strukturen wie Fell und Gras.
Das neue Partikelsystem erlaubt die realistische Darstellung von Rauch, Funken oder Wolken. Außerdem enthält Blender einen neuen Bild-Browser mit Vorschaufunktion, Werkzeuge zur Simulation von textilen Stoffen, die in Echtzeit auf andere Objekte, Wind oder ähnliche Kräfte reagieren sollen, sowie ein Deformationssystem auf Gitterbasis zur Animation von Figuren. Es wird unter der GPL veröffentlicht und steht für Windows, Mac OS X, Linux, Solaris und FreeBSD zur Verfügung. (pek)
Blender ist in doppeltem Sinne ein Werkzeug für Künstler: Zum einen können die gerenderten 3D-Motive, die man damit fabriziert, durchaus anspruchsvolle Grafikfreunde zufrieden stellen. Zum anderen ist es eine regelrechte Kunst, das reichlich spröde und knorrige Programm richtig zu handhaben.
Vor rund neun Jahren schuf die niederländische Firma Not a Number eine 3D-Animationslösung für die Hersteller der Spielkonsole NeoGeo. Seitdem ist Blender erheblich weiterentwickelt worden und steht heute als kostenlose quellenoffene Software für vielerlei Plattformen zur Verfügung.
Das Programm rendert dreidimensionale Objekte und Szenen, darüber hinaus animiert es seine Erzeugnisse auf Wunsch. Blender bietet einen Leistungsumfang, wie man ihn ansonsten bei teuren kommerziellen Lösungen findet. Dazu gehören Kurvenfunktionen und Rotationskörper-Erzeugung ebenso wie unterschiedliche Oberflächenmaterialien und Lichtquellensimulationen, Layer- und Spiegelfunktionen. Lediglich die Schattenfunktion, die bei transparenten Objekten nur den Schattenwurf auf ein Teilobjekt innerhalb des Gesamtobjekts ermöglicht, bedeutet eine Einschränkung gegenüber etablierten Profi-Anwendungen.
Was Im- und Exportfunktionen betrifft, sieht es allerdings mager aus. Wer etwa TrueType-Fonts mit Blender verarbeiten möchte, muss auf Werkzeuge wie das frei verfügbare Elefont (www.armanisoft.ch) zurückgreifen. Zum Abspeichern von Objekten, Szenen und Animationen verwendet Blender ein eigenes Format. Darüber hinaus gibt es nur TGA- und DXF-Export. Zur weiteren Verarbeitung sind zusätzliche Tools nötig - unter Linux erzeugt etwa das freie mpeg_encode, das zu vielen gängigen Distributionen gehört, MPEG-Filme aus den Animationsphasen.
Die Installation von Blender wirft keine Schwierigkeiten auf. Unter Windows lässt sich das Programm direkt aus dem dekomprimierten Archivverzeichnis heraus starten. Unter Linux sind für den Direktstart zusätzlich zwei Umgebungsvariablen zu setzen:
export MESA_NO_DITHER="TRUE"export BLENDERDIR=/usr/x/blenderDie Handhabung lässt sich mit viel Wohlwollen als gewöhnungsbedürftig bezeichnen. Eine Fülle von Optionen, Menüs und Einstellungen erschlägt den Einsteiger geradezu und lässt ihn zur gewohnten F1-Taste greifen, um eine erwartete Hilfefunktion aufzurufen. Dergleichen fehlt dem Programm jedoch ebenso wie jede andere Anlehnung an gewohnte Software-Ergonomie.
Dennoch entbehren die Funktionsleisten mit ihren kaum ablesbaren Buttons nicht einer gewissen inneren Logik. Wer sich mit dem Programm anfreunden will, nutzt am besten die Beispiel-Tutorials zum Herstellen einfacher Formen und Figuren, bei denen jeder Knopfdruck genau besprochen wird.
Viele Funktionen sind auf die mittlere Maustaste gelegt worden und nur unter Verrenkungen alternativ über die Tastatur ansprechbar. Für Unix- beziehungsweise Linux-Nutzer dürfte das kein Problem bedeuten, da 3-Tasten-Mäuse für das Arbeiten unter X Window üblich sind.
Das Handbuch zum Programm lassen sich die Blender-Schöpfer mit 47 US-Dollar bezahlen. Allerdings findet sich im Internet einiges an kostenloser Dokumentation aus verschiedenen Quellen. Einen Überblick über die online verfügbaren Tutorials gewinnt man auf http://redrival.com/rash/links.htm. (psz)