Unter dem bekannten Namen Lotus Symphony hat IBM die in Lotus Notes enthaltene Bürosuite zum Download freigegeben, um das OpenDocument-Format zu fördern. Mit dem integrierten Paket aus früheren DOS-Zeiten hat es allerdings nichts zu tun.
Die aus der Textverarbeitung Documents, der Tabellenkalkulation Spreadsheets und der Präsentationssoftware Presentations bestehende Bürosoftware beruht auf dem Open-Source-Paket OpenOffice in der alten Version 1.5, das die IBM-Entwickler an entscheidenden Stellen verändert haben. So präsentiert sich IBMs Bürosoftware mit einer eigenständigen Oberfläche; das Zeichenprogramm, der Formeleditor und die Datenbank fehlen.
Die für Windows und Linux zum Download stehende Version bezeichnet IBM als Beta 1, die aber mit den in der Groupware Notes enthaltenen Produktivitätstools identisch ist. Derzeit gibt es das Paket nur in englischer Sprache, lokalisierte Versionen sollen später folgen. Die getestete Windows-Version beansprucht 276 MByte auf der Platte, was sich mangels benutzerdefinierter Installation nicht reduzieren lässt. Trotz des großen Umfangs fehlen jegliche Vorlagen für Textdokumente und Tabellen, lediglich für Präsentationen sind einige Design-Layouts vorhanden.
Im IBM-typischen Blau zeigt sich die Bedienoberfläche, die alle Dokumente in demselben Programmfenster öffnet. Das sieht übersichtlicher aus als in OpenOffice, das für jedes Dokument ein vollständiges Programmfenster mit allen Bedienelementen startet. In Lotus Symphony erlauben Registerlaschen den bequemen Wechsel von einem Dokument zum anderen. Die optionale Thumbnail-Ansicht zeigt alle geöffneten Dateien als Miniaturvorschau, sodass man Textdokumente, Tabellen oder Präsentationen auf einen Blick wiederfindet. Leider durchforstet die integrierte Suchfunktion keine Dokumentinhalte, sondern nur die Dateinamen und dient damit lediglich als Dateifilter.
Aus neueren Word-Versionen haben die IBM-Entwickler die Aufgabenbereiche nachgebildet. Als andockbare Formatierungsleisten bieten sie jedoch nur wenige Optionen und können selbst in Tabellen und Präsentationen ausschließlich Text formatieren. Wer in Tabellen das Zahlenformat einstellen will, muss erst den für die Zelleigenschaften zuständigen Dialog öffnen.
Zwar nutzt IBMs Paket standardmäßig das OpenDocument-Format (ODF) für alle Dokumenttypen, doch dieses garantiert keineswegs den problemlosen Dokumentaustausch etwa mit OpenOffice. Zwar konnten wir selbst komplex formatierte Textdokumente aus dem aktuellen OpenOffice 2.3 anstandslos öffnen, doch in Präsentationen fehlten einige Animationen, die in Open-Office 2.0 hinzukamen.
Als gravierendster Mangel erscheint die im Vergleich zu OpenOffice extrem geringe Geschwindigkeit. So konnten wir auf einem PC mit Pentium 4/2,8 und 512 MByte RAM bei jedem Dokumentwechsel zusehen, wie das Programm Symbolleisten und den Inhalt der Formatierungsleiste nach und nach aufbaute. Auch danach ließ sich das Paket nur sehr zähflüssig bedienen. Anscheinend fordert hier die Methode, mit deren Hilfe die IBM-Programmierer OpenOffice zur Lotus Symphony umwandeln, ihren Tribut: Das Paket lädt nämlich weit über hundert Java-Plug-ins, die jede Menge Ressourcen verschlingen und so den Ablauf extrem bremsen.
Zwar bietet Lotus Symphony gegenüber OpenOffice einige Vorteile in der Bedienung, doch die lausige Performance macht diese Pluspunkte wieder zunichte. Zudem beruht IBMs Paket auf einer seit Jahren überholten OpenOffice-Version. Wer ein Office-Paket sucht, ist daher mit dem aktuellen OpenOffice 2.3 weitaus besser bedient. (db)