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 Linux

Ubuntu 11.10

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Artikel aus c't 10/2005 zu Ubuntu 5.04 Hoary Hedgehog

Da möchte man meinen, es gäbe schon viel zu viele Linux-Distributionen - und dann kommt Ubuntu Linux gleichsam aus dem Nichts und erobert auf Anhieb Platz eins auf der Liste der populärsten Linux-Distributionen bei distrowatch.com. Was ist so besonders an Ubuntu Linux?

Das Zulu-Wort Ubuntu steht für „Menschlichkeit gegenüber anderen“. Ubuntu Linux will diesen Geist der Menschlichkeit in die Software-Welt bringen. Dazu setzt man ganz auf freie Software, deren Prinzipien sich das Projekt besonders verpflichtet fühlt. Bei Ubuntu legt man größten Wert nicht nur auf die freie und kostenlose Verfügbarkeit, sondern auch auf die Übersetzung in möglichst viele Sprachen, auf den Einsatz von Zugangshilfen für Behinderte, auf Hilfsbereitschaft und einen freundlichen Umgangston in der Community. Ubuntu wird so durch eine eigene Philosophie geprägt, die von der rasch wachsenden Ubuntu-Community offensichtlich auch akzeptiert wird.

Hinter Ubuntu Linux steht Mark Shuttleworth, eine schillernde Persönlichkeit in der IT-Welt: Mit dem Verkauf seiner Firma Thawte Consulting, die unter anderem mit der Ausgabe von SLL-Zertifikaten Geld verdient, reich geworden, besuchte er als einer der ersten Weltraumtouristen die International Space Station (ISS). Das verbliebene Geld investierte er unter anderem in die südafrikanische Firma Canonical Ltd., die Ubuntu Linux finanziert und in den vergangenen Monaten zahlreiche Linux-Entwickler angestellt hat.

Das Basissystem und die Paketverwaltung hat Ubuntu von Debian GNU/Linux übernommen. Anders als Debian ist Ubuntu aber ein ausgesprochen schlankes System, das lediglich aus Gnome, OpenOffice, Evolution, Gimp und einigen weiteren Programmen besteht: Die gesamte Distribution passt auf eine einzige CD! Damit wird auch die Zielgruppe von Ubuntu klar: nicht Freaks, sondern Linux-Einsteiger und Büroanwender - wobei auch die Linux-Kenner dank des Debian-Unterbaus auf ihre Kosten kommen.

Auch im regelmäßigen halbjährlichen Release-Zyklus unterscheidet sich Ubuntu von Debian. Die erste Version 4.10 (Warty Warthog) erschien im Oktober 2004, die hier beschriebene Version 5.04 (Hoary Hedgehog) im April 2005, und die nächste Version (Breezy Badger) ist für Oktober 2005 geplant - die Versionsnummer ergibt sich aus Jahr und Monat des Erscheinungsdatums. Die Ubuntu-Website verspricht zu jeder Ubuntu-Version mindestens 18 Monate Bugfixes und Sicherheits-Updates.

Ubuntu steht als Live-CD oder als Installations-CD für die Architekturen i386, AMD64 und PowerPC zur Verfügung. Den Ubuntu-Live-CDs fehlt allerdings eine Möglichkeit, persönliche Einstellungen oder das Home-Verzeichnis zu speichern. Damit eignet sich die Live-CD wirklich nur für ein erstes Kennenlernen, einen Test auf Kompatibilität der eigenen Hardware oder zur Bearbeitung von Dateien auf einem USB-Stick.

Die Installation von Ubuntu ist textbasiert und verläuft problemlos. Die Hardware-Erkennung und -Konfiguration funktionierte auf mehreren Testrechnern, darunter auch einem Notebook von IBM, hervorragend. Der einzige Schwachpunkt ist die Partitionierung der Festplatte: Es besteht keine Möglichkeit, vorhandene Windows-Partitionen zu verkleinern (Linux-Profis können hierfür die Ubuntu-Live-CD und ntfsresize einsetzen). Außerdem werden sich Einsteiger in den verschachtelten Dialogen zur manuellen Partitionierung verlieren. Red Hat, Suse und Co. beweisen, dass das einfacher geht.

Originell ist die Lokalisierung von OpenOffice und Firebird gelöst: Auf der CD haben nur die englischen Versionen dieser Programme Platz gefunden. Deswegen bietet das Installationsprogramm an, die Lokalisierungsdateien für die ausgewählte Sprache (Menüs, Wörterbücher, Hilfe und so weiter) aus dem Internet herunterzuladen. Das funktioniert gut, sofern der Rechner ausreichend flott mit dem Internet verbunden ist; Anwender ohne Internet-Anbindung werden hingegen mit einigen englischen Anwendungen in einem ansonsten deutschsprachigen System konfrontiert.

Sind die Installationshürden überwunden, findet sich der Anwender in einem aufgeräumten Gnome-Desktop in erdigen Brauntönen wieder. Schlanke, übersichtliche Menüs, ein beinahe Icon-freier Desktop und eine minimalistische Software-Ausstattung, die für jeden Einsatzzweck nur eine einzige Anwendung vorsieht, beweisen, wie einfach und komfortabel Linux sein kann. Sehr praktisch ist das Menü „Orte“, das einen raschen Zugriff auf das persönliche Verzeichnis, Datenträger und Netzwerkressourcen gibt. Gewöhnungsbedürftig ist dagegen der voreingestellte so genannte Spatial-Modus des Dateimanagers Nautilus: Jeder Verzeichniswechsel öffnet ein neues Nautilus-Fenster.

Wem Ubuntu in der Standardinstallation zu spartanisch ausgestattet ist, kann mit dem Ubuntu-eigenen Software-Installer, mit synaptics oder einfach mit dem Debian-Kommando apt-get zusätzliche Programme aus dem Internet installieren. Die Auswahl in den Ubuntu-spezifischen APT-Archiven ist mittlerweile beeindruckend, die Installation ein Kinderspiel. Sicherheits-Updates und Bugfixes lassen sich mit apt-get upgrade oder noch komfortabler mit dem Ubuntu-eigenen Update-Tool durchführen.

Eine Besonderheit ist die recht konservative Einstellung des Default-Kernels, der maximal 1 GByte RAM nutzt und für 386-Prozessoren ohne SMP-Support und ohne die bei anderen Distributionen übliche Optimierung für „bessere“ CPUs übersetzt ist. apt-get install linux-686 schafft Abhilfe. Eine manuelle Software-Installation ist auch erforderlich, wenn MP3s abgespielt oder kommerzielle Programme (Grafiktreiber von ATI oder NVidia, Acrobat Reader, Flash et cetera, Hinweise dazu auf Ubuntu Starter Guide) eingesetzt werden sollen.

Das Ubuntu-Sicherheitskonzept unterscheidet sich von dem anderer Distributionen: Ein direkter root-Login ist nicht möglich. Stattdessen führt der Standardbenutzer sämtliche Administrationsarbeiten mit sudo durch, wobei er sein Benutzerpasswort angeben muss - das kennt man bereits von Mac OS X. Eine Firewall ist nicht konfiguriert. Die Ubuntu-FAQ begründet das damit, dass auf einem Ubuntu-Defaultsystem kaum Server-Dienste laufen und eine Firewall daher gar nicht nötig sei.

Wer mit Gnome nichts am Hut hat und den KDE-Desktop bevorzugt, wird sich über Kubuntu freuen. Dieses Projekt ersetzt Gnome-Desktop und -Anwendungen durch KDE-Äquivalente. Kubuntu 5.04, gleichzeitig mit Ubuntu 5.04 veröffentlich, steht ebenfalls für drei Plattformen und in Form von Live- und Installations-CDs zur Verfügung. Wer den Download einiger 100 MByte nicht scheut, kann sogar ein laufendes Ubuntu-System durch ein simples

sudo apt-get install kubuntu-desktop

mit allen nötigen KDE-Paketen ergänzen. Das Paket ubuntu-desktop rüstet den Gnome-Desktop in Kubuntu nach.

Dessen KDE-Desktop ist wie der von Ubuntu aufgeräumt und ansprechend konfiguriert. Das KDE-typische Überangebot an Dienstprogrammen und Konfigurationsmöglichkeiten im Kontrollzentrum wird Einsteiger aber möglicherweise überfordern. Die Ubuntu-spezifischen Programme zum Nachinstallieren und Updaten von Software fehlen leider, deren KDE-Alternative kynaptic ist vergleichsweise kompliziert zu bedienen. Ärgerlich ist, dass bei Kubuntu nicht einmal die KDE-Lokalisierungsdateien Platz auf der CD gefunden haben: Wer Kubuntu ohne Internet-Zugang installiert, findet einen vollständig englischen Desktop vor.

Ubuntu ist ein schlankes, gut vorkonfiguriertes Linux-System für Privat- und Büroanwender und eine attraktive und kostenlose Alternative zu den Linux-Desktop-Versionen von Red Hat, Novell und Sun. Das Konzept, nur ein Minimalsystem von der CD zu installieren und alle weiteren Pakete über das Internet anzubieten, erscheint angesichts immer weiterer DSL-Verbreitung vernünftig.

An der Optik des textbasierten Installations- und Bootprozesses sollten die Ubuntu-Entwickler noch feilen - gerade die angepeilten Linux-Einsteiger werden die kryptischen Statusmeldungen wohl mit Unverständnis verfolgen und sich darin bestätigt sehen, wie kompliziert Linux ist. Für Anwender, die nicht oder nur per Analogmodem mit dem Internet verbunden sind, wären vollständig lokalisierte Installations-CDs wünschenswert. (odi)

Artikel aus c't 26/2004 zu Ubuntu 4.10 Warty Warthog

Ubuntu ist eine neue Debian-basierte Linux-Distribution.

Debian GNU/Linux genießt einen guten Ruf als stabile und ausgereifte Linux-Distribution, verlangt dem Anwender allerdings einiges Know-how ab. Ubuntu (ein afrikanisches Wort für Menschlichkeit) ergänzt die Sarge-Release von Debian um eine brauchbare Vorkonfiguration und grafische Administrationswerkzeuge, um die Debian-Qualitäten mit aktuellem Linux-Komfort zu verbinden.

Der Installer läuft zwar im Textmodus, ist mit vielen Automatismen und einer brauchbaren Hardwareerkennung aber recht komfortabel. Auf die installierte Software hat der Anwender keinen Einfluss: Ubuntu installiert ein sofort benutzbares Desktop-System mit dem Kernel 2.6.8, XFree86 4.3.99, Gnome 2.8, Firefox 0.99, Evolution 2 und OpenOffice 1.1.2. Wer mit der Softwareauswahl nicht glücklich ist, kann beispielsweise KDE aus dem Ubuntu-Repository übers Internet nachrüsten. In dem Zweig universe findet man fast alle Sarge-Pakete.

Ergänzt man /etc/apt/sources.list um einen Eintrag für das multiverse-Repository, hat man direkten Zugriff auf Pakete wie den Acrobat Reader, die nicht der Debian-Definition von freier Software genügen. Bei einigen Programmen und Bibliotheken kommt man dennoch nicht um externe Repositories wie marillat.free.fr herum.

Bei der Benutzerverwaltung haben die Ubuntu-Macher bei MacOS X und Knoppix abgeguckt: Der Root-Account ist gesperrt; Aktionen, die Systemverwalterrechte brauchen, fordert man via sudo an. Grafische Tools zur Konfiguration von Netzwerk oder Drucker erleichtern Einsteigern den Umgang mit dem System. So kann Ubuntu dem angehenden Debian-Nutzer den Weg zumindest etwas leichter machen. (odi)

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