VMware schickt seinen kostenlosen Server in die zweite Runde und richtet das Produkt neu aus.
Der VMware Server 2 lässt sich per Browser steuern. Die einst verwendete vmware-server-console für Windows und Linux entfällt. Zum Anlegen und Verwalten von virtuellen Maschinen genügt der Browser. Wer aber auf Tastatur, Maus und Bildschirm virtueller Maschinen zugreifen will, muss ein Plug-in installieren. Das liefert VMware nur für Internet Explorer und Firefox (auch für x86-Linux).
Sieht man sich die Prozessliste unter Linux mit VMware Server 2 an, tauchen dort Größen wie Tomcat und diverse Java-Komponenten auf. Entsprechend umfangreich fällt der Download mit über 500 MByte aus. Für Linux bietet VMware jeweils eine 32- oder 64-Bit-Version an, die Windows-Version fällt noch einige MByte größer aus; sie läuft wahlweise auf 32- und 64-Bit-Varianten.
Optisch braucht sich die Web-Oberfläche nicht hinter einer lokalen Anwendung zu verstecken. Doch selbst auf aktueller Hardware (Client und Server), bremst die Web-Oberfläche den Benutzer: Klappt man beim Anlegen einer neuen virtuellen Maschine die Combobox mit den Gastsystemen aus, so wartet man ewig auf die Liste.
Wer die für die große Lösung VMware ESX gebräuchlichen Werkzeuge kennt, findet sich im „VMware Infrastructure Web Access“ (so der offizielle Name der Web-Oberfläche) gut zurecht. Statt mit Laufwerken hantiert man mit sogenannten Datastores, um Platz für virtuelle Platten zu reservieren. Ein Datastore ist letztlich nur ein Bereich im Dateisystem, in das man zweckmäßigerweise auch gleich die ISO-Dateien für die Gastsysteme wirft.
Das Web-GUI liefert außer den Funktionen zum Einrichten und Steuern von virtuellen Maschinen auch Informationen über deren Lebenszyklus: Wann wurde eine VM gestartet, wann ihre Konfiguration geändert? Über Rollen kann man vorgeben, welcher Benutzer welche Aktionen überhaupt ausführen darf. Das mutet für einen Server etwas überkandidelt an, passt in eine VMware-ESX-Infrastruktur aber perfekt.
Die neue Version nutzt ihr Web-GUI auch, um Werbung für weitere VMware-Produkte einzublenden. Die harmloseste ist die für VMware-Appliances, also vorgefertigte virtuelle Maschinen, die der Hersteller auch von Drittanbietern hostet. Diese VMs kann man mit wenigen Mausklicks herunterladen und auf dem lokalen Server starten.
Verglichen mit der Workstation-Version fällt der Server zurück: Er kann nur einen Snapshot pro virtueller Maschine anlegen. „Shared Folders“ für den Datenaustausch zwischen Wirt und Gast fehlen. Mit Hilfe der VMware-Tools kann der Server jetzt in Windows-Gastsystemen sogenannte VSS-Snapshots anlegen, etwa um konsistente Backups anzufertigen. Die Gastsysteme können nunmehr auch USB-2-Geräte benutzen, ihnen stehen bis zu 8 GByte RAM zur Verfügung (bisher 3,6 GByte), sie erhalten bessere Unterstützung für den 64-Bit-Betrieb und SCSI-Platten lassen sich entfernen oder hinzufügen, während eine VM läuft.
Die standardmäßig angelegten VMs tragen die Versionsnummer 7 wie bei der aktuellen Workstation-Version. Auf Wunsch legt der Assistent aber auch VMs in älteren Formaten an, sodass diese weiterhin im alten VMware Server oder Player arbeiten.
Wem das Web-GUI gar nicht zusagt, der kann auch den VMware Infrastructure Client benutzen. Der VMware Server 2 liefert die zur Installation nötige EXE-Datei über seinen Webserver aus, wenn man die URL „https://Server-IP:8333/client/VMware-viclient.exe“ anspricht. Für Zugriffe über diese nur unter Windows lauffähige Software muss man an den Hostnamen bei der Anmeldung den Port 8333 per Doppelpunkt anhängen; standardmäßig versucht die Software per 443 mit dem Server Kontakt aufzunehmen.
Anders als bei der neuen Workstation spielt sich die Prozedur zur Installation auf einem Linux-System vollständig auf der Kommandozeile ab. Auch die Konfiguration der Netzwerkoptionen geschieht weiterhin dort und nicht über ein GUI. In gewohnter Manier erzeugen die Skripte dabei die für ein Linux-System unbekannter Provenienz notwendigen Kernel-Module, sofern ein Compiler und Kernel-Header vorhanden sind. Basteleien mit irgendwelchen inoffiziellen vmware-any-any-Patches entfallen. (Karlheinz Blank/ps)