Angekommen
Gebündelt und flexibel: IT-Ressourcen als Services nutzen
Ob Public-Cloud-Angebote, Middleware, Virtualisierungssoftware oder Cloud-fähige Anwendungen: Die Cloud präsentiert sich auf der CeBIT unaufgeregt und konkret – auch für Rechenzentren und IT-Abteilungen.
Wenn man liest und hört, wer alles fit ist für die Cloud, umstellt auf die Cloud, reingeht in die Cloud oder schon immer drin war in der Cloud, kann man den Eindruck gewinnen, dass inzwischen so ziemlich alles Wolkenformen annimmt – was den Durchblick nicht gerade vereinfacht. Tatsächlich gibt es aber eine klare Definition des Cloud Computing, fertiggestellt im September vom National Institute of Standards and Technology (NIST). Es betrachtet Cloud Computing als Modell, das den allgegenwärtigen, bequemen und bedarfsorientierten Zugriff auf einen gemeinsamen Pool konfigurierbarer IT-Ressourcen wie Netzinfrastruktur, Server, Storage, Anwendungen und Dienste erlaubt, die sich wiederum schnell und mit minimalem Verwaltungsaufwand oder möglichst wenig Eingriffen durch die Service-Provider bereitstellen lassen.
Entscheidend sind dabei fünf Merkmale: Der Benutzer muss sich erstens selbst bei den Ressourcen bedienen können (On-demand Self-Service). Zweitens muss er sie übers Netz mit unterschiedlichen Client-Plattformen erreichen können (Broad Network Access). Drittens sind die Ressourcen gebündelt, mandantenfähig organisiert und werden den einzelnen Benutzern dynamisch zugewiesen (Resource Pooling). Viertens passen sich die Ressourcen dem Bedarf an. Dadurch entsteht für den Benutzer der Eindruck unbeschränkter Kapazität (Rapid Elasticity). Fünftens nutzen die Cloud-Systeme die zur Abrechnung vorhandenen Messinstrumentarien auch zum Steuern und Optimieren der Ressourcennutzung (Measured Service).
Letztlich heißt das, dass IT-Ressourcen ausschließlich als Dienstleistung betrachtet werden. Nicht nur, dass eine IT-Abteilung eine Dienstleistung gegenüber den anderen Abteilungen erbringt – eine Betrachtung, die nicht unbedingt neu ist –, sie kann auch selbst Ressourcen in Form eines Dienstes beziehen und damit ihr eigenes Equipment durch mietbare Ressourcen aus dem Netz ergänzen. Zu den klassischen Fällen, in denen das durchaus einen Sinn ergibt, zählen das Abfangen von Lastspitzen durch kurzzeitiges Hinzumieten von Systemen oder das Auslagern von Tests oder Entwicklungen in eine vom eigenen Firmennetz getrennte Umgebung. Beide Fälle gehören in die Welt der Public Cloud. Anbieter sind diesmal einige vertreten: CSC, Dell, Fraunhofer-Verbund, Fujitsu, HP, IBM, Microsoft, Rackspace, T-Systems und Unisys (siehe Kasten).
Von Private Cloud spricht man, wenn die IT-Abteilung ihre Rolle als Service-Provider für den Rest der Firma oder der Organisation konsequent zu Ende denkt, die eigenen Ressourcen bündelt und deren Bereitstellung dynamisiert. Passende Open-Source-Cloud-Middleware findet sich vor allem in Halle 2 bei der dass IT (Eucalyptus), bei B1 Systems (OpenStack) und NETWAYS (OpenNebula). FOSS präsentiert ebenfalls im Open Source Park (D58) neben seiner FOSS-Cloud die FOSS-Cloud-4-schools, die in der Schule sowohl virtuelle Arbeitsplätze als auch virtuelle Server zur Verfügung stellen kann.
Ob im oder außer Haus – nicht immer kann man die zugrunde liegende Struktur vor den Anwendungen verbergen. Dann benötigt man Cloud-fähige Software wie das CMS „Publishing Studio“ von Noxum (Halle 6, H37) oder Backup- und Archivierungssoftware wie die von NovaStor Software (Halle 2, B60) oder GWAVA (Halle 12, D50).
Vorträge rund um die Cloud
Aber auch dynamisch einsetzbare Hardware spielt bei der eigenen Cloud eine entscheidende Rolle. Server dürfen ruhig viele CPU-Kerne besitzen, damit sie den vielen parallelen Rechenanfragen gewachsen sind. Die bieten die üblichen Systemhäuser und Serverbauer wie Dell, Fujitsu, HP, IBM oder Christmann. Storage-Systeme sollten sich ins SAN (Storage Area Network) einbinden lassen oder als NAS-Syteme fungieren. Noch mehr Flexibilität bieten Virtualisierer. Dass Cloud eine Fortsetzung der Virtualisierung mit anderen Mitteln, aber oft mit derselben Software ist, haben inzwischen auch VMware, Citrix und Co. festgestellt. Deswegen heißt das Virtualisierungsforum in Halle 2, A40 nun „Virtualisation & Storage Forum/Cloud“.
Den großen Tummelplatz für Cloud-Vorträge findet der Messebesucher aber wieder in Halle 4 (A58) in der „Cloud Computing World“ des BITKOM. Dort sind auch einige Cloud-Anbieter wie HP zu finden, die wieder nicht mit einem eigenen Stand vertreten sind. Auch durch die „CeBIT Global Conferences“ im Convention Center (CC, Saal 2) zieht sich das Thema Cloud Computing. Zwar ist die Teilnahme für CeBIT-Besucher kostenlos, doch empfiehlt die Messe AG eine vorherige Anmeldung. Die ist für den Besuch der dortigen Workshops und Panels Voraussetzung (www.cebit.de/de/ueber-die-messe/programm/cebit-global-conferences/anmeldung).
Datenschutz und Recht stehen bei den Cloud-Vorträgen auf dem „heise CeBIT Forum: Sicherheit und IT-Recht“ (Halle 5, F18) im Vordergrund. Rechtliche und organisatorische Aspekte der Cloud-Nutzung durchleuchten etliche Vorträge auf dem ECM Forum (Enterprise Content Management) in Halle 3, D34.
Das „Hannover IT Kompetenzforum“ in Halle 6, G14 widmet den gesamten Dienstag dem Thema Cloud Computing. In derselben Halle finden auch die Webciety Conference (K31) und das Fachforum für die Medienbranche „CeBIT C3 Conference“ (F40) statt, auf denen das Thema Cloud mit je zwei Vorträgen vertreten ist. Weitere zum Thema sind beim „CeBIT lab talk“ im Kongressforum der Halle 26, J50 zu hören.
(sun)



