Displays, Filme und Zuspieler
Fernseher werden intelligent, hochauflösend und dreidimensional
Fernseher kommunizieren mit Mobilgeräten, sie gehen ins Internet, holen Videos aus der Online-Videothek und Apps aus dem Market. Weil Ultra HD noch in weiter Ferne liegt, kommt zunächst 4K: Die vierfache Auflösung sorgt für mehr Schärfe und besseres 3D, braucht aber auch andere Zuleitungen.
Intelligente Fernseher, die sich per WLAN oder Drahtlos-HDMI mit anderen Geräten im Haushalt verbinden, haben viele TV-Hersteller im Programm. In Las Vegas werden sich unter die sogenannten Smart-TVs einige Geräte gesellen, die das bislang vornehmlich für Smartphones und Tablets genutzte Android als Basis nutzen. Interessant wird es zu sehen, ob sich Googles TV-Ansatz materialisiert – das Google-TV also in mehr echten Geräten zu sehen sein wird.
Auf große Fernseher wird man auch in diesem Jahr zuhauf in den Messehallen stoßen, darunter einige besonders hochauflösende: Ultra HD hat mit 7680 × 4320 Pixeln die 16fache Auflösung der bislang üblichen Full-HD-Fernseher (1920 × 1080 Bildpunkte). Das von der japanischen Rundfunkgesellschaft NHK entwickelte Fernsehformat stellt an die Displayhersteller und insbesondere an die Inhalte-Anbieter hohe Anforderungen. So gibt es bislang so gut wie kein Videomaterial in Ultra HD – und auch keine Zuspieler. Sharps auf der IFA gezeigter UHD-TV wurde beispielsweise von 16 BD-Playern mit einem Video des NHK versorgt.
Für die enorme Displayauflösung von Sharps auf der IFA gezeigtem Fernseher mit 7680×4320 Bildpunkten gibt es noch keine Zuspieler.
Eine möglichst hohe Displayauflösung benötigt man bereits jetzt für autostereoskopische 3D-TVs. Toshiba bringt es in seinem brillenlosen Fernseher bislang auf neun Ansichten mit je 720p-Auflösung, also neun mal 1280 × 720 Bildpunkte. Das japanische Unternehmen hat sich bislang als einziger großer TV-Hersteller mit einem brillenlosen 3D-Display auf den Markt gewagt. So zeigten beispielsweise Sony und LG im letzten Januar in Las Vegas lediglich Prototypen autostereoskopischer 3D-Displays. Zur diesjährigen CES könnte sich das ändern, zumal das autostereoskopische 3D die logische Fortführung von 3D mit Brille ist.
Für einiges Aufsehen dürften bei LG große OLED-Fernseher sorgen. Die organischen Displays wurden bereits vor langer Zeit als die zukünftige Technik gefeiert, sie ließen sich bisher aber nur für kleine Mobilgeräte halbwegs kostengünstig fertigen. In seinem auf der CES gezeigten 55-Zoll-OLED nutzt LG einen Trick, um die Probleme zu minimieren: Die Koreaner setzen auf organische Leuchtschichten plus Farbfilter.
OLEDs empfehlen sich mit ihren kurzen Schaltzeiten und der blickwinkelunabhängigen Darstellung auch für 3D-Anwendungen. So zeigte Sony im letzten Jahr ein hochinteressantes brillenloses 3D-OLED. Allerdings war dessen Diagonale – wie bei OLEDs üblich – eher klein, und es gab nur drei unterschiedliche Ansichten.
Für bebrilltes 3D kommen derzeit die beiden Techniken Shutter und Polfilter zum Einsatz. Bei Polfilter-TVs leidet der 3D-Betrieb bisher unter einem leichten Schärfeverlust: Man sieht bei 3D nur die halbe Displayauflösung. Mit 4K-Displays wird es möglich sein, auch am Polfilter-Display 3D in voller HD-Auflösung zu sehen. Solche 4K-Displays wird man in Las Vegas an etlichen Ständen sehen können. Allerdings müssen die Hersteller bei größeren Diagonalen noch einige Fertigungsprobleme ausräumen.
Mit großen Diagonalen haben Projektoren üblicherweise keine Schwierigkeiten. Auch hier setzen einige Hersteller auf 4K. Sony zeigte kürzlich einen 4K-Beamer, der mangels 4K-Videoinhalten einfach Full-HD-Bilder auf die höhere Pixeldichte umrechnet und so sichtbar schärfere Bilder projiziert. Die hochauflösenden LCD-Panels kommen von Epson, und so hat auch dieser Hersteller einen 4K-Beamer im Programm; andere dürften hier folgen.
Anschlusssuche
In den Blickpunkt könnte auf der diesjährigen CES aber auch eine Produktkategorie rücken, die ansonsten meist im Hintergrund bleibt: Kabel – oder besser gesagt die dahinter stehenden Übertragungsstandards. Schließlich sind beispielsweise bei 4K Zuspieler und Displays nur die halbe Miete -- irgendwie müssen die Bildsignale ja auch von der einen zur anderen Seite transportiert werden. Hier soll nun die große Stunde von HDMI 1.4 schlagen, in dem die Übertragung von Vollbildern mit einer Auflösung von 4096 × 2160 Pixel bei einer Wiederholrate von 24 Hz und mit 3840 × 2160 Pixel bei bis zu 30 Bildern pro Sekunde spezifiziert wurde. Die Datenrate dürfte in diesen Fällen allerdings an der für HDMI definierten Obergrenze von 10,2 GBit/s (entsprechend 340 MHz) kratzen. Zum Vergleich: Gibt eine Playstation 3 ein Videospiel mit 1080p60 (60 Vollbilder pro Sekunde mit 1920 × 1080 Bildpunkten) aus, erzeugt dies lediglich einen Datendurchsatz von 4,455 GBit/s (148,5 MHz).
Wie gewaltig der Schritt zu 4K für das Interface ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass bislang keine Grafikkarte auch nur Vollbilder mit 2560 × 1440 Pixel über HDMI ausgibt – obwohl dies bei 27-Zoll-Monitoren eine nicht unübliche Panelauflösung ist. Schlimmer noch: Es melden sich in der Redaktion regelmäßig Anwender, die bei HDMI bereits Probleme bei der Übertragung von Videobildern in Full-HD-Auflösung bekommen, wenn sie eine Distanz von mehr als zehn Metern überbrücken wollen. Gerade bei 4K dürften aber den Leitungslängen eine große Bedeutung zukommen: Schließlich ist das Format prädestiniert für (High-End-)Projektoren, die gewöhnlich unter der Decke hängen.
HDMI begegnet der Herausforderung offiziell mit sogenannten High-Speed-Kabeln, tatsächlich sollen auch und vor allem die Transmitter- und Receiver-Chips in 4k-tauglichen Zuspielern und Displays dafür sorgen, dass die höhere Qualität auch über eine längere Strecke störungsfrei erreicht wird. So können beispielsweise Signale vorkompensiert werden (Pre-Emphasis), um der Dämpfung bei längeren Strecken entgegenzuwirken und Bitstörungen zu vermeiden. Ob das in der Praxis wie gewünscht funktioniert, wird sich zeigen müssen. HDMIs Konkurrent im PC-Bereich, DisplayPort, überträgt aktuell bereits Videobilder mit einer Auflösung von 2560 × 1600 Pixel mit 60 Hz – was im c't-Test (Ausgabe 1/11, S. 96) auch über eine Strecke von zehn Metern störungsfrei funktionierte. Im Heimkinobereich spielt diese Schnittstelle bislang aber keine Rolle.
In der Produktion und der Bearbeitung von 4K-Aufnahmen soll künftig wiederum eine andere Hochgeschwindigkeits-Schnittstelle eine Rolle spielen, von der auch auf der CES 2012 einiges zu sehen sein dürfte: Intels LightPeak alias Thunderbolt, mit der sich bereits in der ersten Generation Datentransferraten von 10 GBit/s erreichen lassen sollen – das entspricht zwei PCI-Express-Lanes der zweiten Generation (5 Gigatransfers pro Sekunde, PCIe 2.0) beziehungsweise dem Zehnfachen von Gigabit-Ethernet. Sonnet hat in den USA gerade die Auslieferung eines ExpressCard/34-Adapters in die Wege geleitet, andere bereits angekündigte Produkte stehen allerdings noch aus. Für den täglichen Hausgebrauch ist Thunderbolt beispielsweise in Verbindung mit externen SSD-Festplatten und Grafikkarten interessant. Nach letzten Gerüchten präsentieren Dell und Lenovo passend dazu Rechner mit Thunderbolt-Ports.
Medienverteilung
Und schließlich wird sich die Unterhaltungselektronikmesse auch darum drehen, wie sich Filme künftig (legal) verteilen und auf unterschiedlichen Geräten nutzen lassen. Die DECE (Digital Entertainment Content Ecosystem) wirbt in diesem Zusammenhang für Ihre geräteübergreifende Unterhaltungsplattform UltraViolet, die in den USA und Großbritannien bereits gestartet ist. Weitere Details sollen in Las Vegas bekanntgegeben werden – unter anderem zum geplanten Start in Deutschland. Die angekündigte Pressekonferenz ist aber auch eine gute Gelegenheit, um einmal die teilweise etwas undurchsichtigen Nutzungsbedingungen zu hinterfragen.
Auch die Aussage, dass das Zeitalter der physischen Medien zuende gehe, scheinen einige Firmen nicht unterschreiben zu wollen. Nach Ihrer Vorstellung müsste das Motto eher lauten: "Die Disc ist tot, es lebe die Speicherkarte". So haben Panasonic, Samsung, SanDisk, Sony und Toshiba noch kurz vor dem Weihnachtsfest die Next Generation Secure Memory Initiative gestartet, um einen wirksamen Schutzmechanismus für HD-Inhalte auf SD-Karten zu entwickeln. Als mögliche Einsatzgebiete zählt die Vereinigung unter anderem Smartphones und Tablets mit Android-Betriebssystem, aber auch Fernseher und Blu-ray-Player auf. Sogar das Modell der "Managed Copy" von Blu-ray Disc will man offenbar wieder aus der Schublade ziehen. Herzstück der neuen Lösung soll ein digitales Rechtemanagement sein, bei dem jede Speicherkarte eine individuelle Kennzeichnung trägt.
(ll)




