Investition in die Zukunft
Bildungsthemen auf der CeBIT
Die führende IT-Messe ist nicht nur Showroom für neue Produkte und Dienstleistungen – sie dient vielen Unternehmen und öffentlichen Institutionen auch als Bühne im Wettbewerb um künftige Mitarbeiter.
Deutschlands Wirtschaft brummt – davon profitieren auch junge Menschen. Laut Bundesarbeitsministerium wurden im Jahr 2011 mehr als 570.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 1,8 Prozent.
Aber die Zeit spielt gegen die Unternehmen: Als Folge der lange rückläufigen Geburtenzahlen verlassen künftig Jahr für Jahr weniger Jugendliche die Schulen. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden rechnet für 2020 damit, dass dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in Deutschland rund 200.000 junge Menschen weniger zur Verfügung stehen werden als noch im Jahr 2005. Eine besonders dramatische Lage zeichnet sich in den sogenannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) ab, wo heute schon Zehntausende Fachkräfte fehlen.
Die CeBIT dient Unternehmen und öffentlichen Institutionen nicht zuletzt als Bühne im Wettbewerb um künftiges Humankapital. So präsentiert sich auch die Bundeswehr mit einem eigenen Messestand. Vertreter des BW-Personalamtes in Köln informieren unter anderem über die geplanten neuen Studiengänge „Informatikingenieur“ und „Wirtschaftsinformatiker“ an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg. Laut Verteidigungsministerium benötigen die Streitkräfte aktuell fast 4000 zusätzliche IT-Spezialisten.
Wenige Stände weiter können Interessenten Kontakt zu Mitarbeitern des Recruiting-Teams der Otto Group aufnehmen. Der Hamburger Konzern ist die Nummer 2 im weltweiten Online-Handelsgeschäft hinter Amazon und sucht für seine 123 Tochtergesellschaften (darunter die Versandhäuser Quelle und Baur sowie das Logistikunternehmen Hermes) fortwährend Auszubildende und Berufseinsteiger. Eine Abfrage der Job-Datenbank des Konzerns lieferte Anfang Februar 228 Treffer für freie Stellen im IT-Bereich – vom Java-Entwickler über Software-Designer bis hin zum Data Mining Manager und Systemadministrator.
Digitale Schulbücher
Der „Nachwuchssicherung in der ITK-Branche“ widmet sich auch das Projekt „erlebe it“, das in diesem Jahr wieder am CeBIT-Stand des Branchenverbandes Bitkom vertreten ist. Unterstützt von Microsoft, der Telekom und der Bertelsmann AG informiert „erlebe it“ über Ausbildungsmöglichkeiten, Studiengänge und Praktikumsplätze in der IT-Branche. Sogenannte IT-Scouts (in der Regel ausgewiesene Experten, aber auch engagierte Fachstudenten) besuchen dazu Schulen, berichten von eigenen Erfahrungen und stellen Anforderungen bestimmter Berufszweige vor. Gebucht werden können aber auch themenspezifische Unterrichtsmodule wie „Social Communities“, „Safer Internet“ oder „Die digitale Revolution“.
Letzterer dürfte mit dem Vorpreschen Apples in das Schulsegment ein neuer Höhepunkt bevor stehen: Nachdem der kalifornische Konzern im Januar angekündigt hatte, den Schulbuchmarkt mit neuen interaktiven Produkten für das iPad-Tablet aufmischen zu wollen, erklärte der deutsche „Verband Bildungsmedien“, dem insgesamt 27 Verlage und Firmen angehören, mit „Digitale Schulbücher“ eine eigene, offene E-Book-Plattform für Lehrmedien etablieren zu wollen. Anders als die Apple-Lösung soll „Digitale Schulbücher“ herstellerunabhängig sein und mit diversen Betriebssystemen und Endgeräten funktionieren. Auch der Marktstart steht bereits fest: Rechtzeitig zum Beginn des Schuljahres 2012/13 – also noch in diesem Sommer – soll Lehrern und Schülern der Online-Zugriff auf die ersten Digitalmedien ermöglicht werden.
Die Erfurter PDV-Systeme GmbH geht unterdessen einen anderen Weg und will in Hannover eine iPad-App mit Bildungssoftware für Tablet-PCs vorstellen, in die Annotationswerkzeuge, Links für vertiefendes Wissen sowie Video- und Audiosequenzen integriert wurden. Das Produkt sei bereits bei Software-Schulungen in der eigenen PDV-Akademie zum Einsatz gekommen, erklärt das Unternehmen, Projekte an
öffentlichen Schulen und Bildungsinstitutionen sollen noch in diesem Jahr folgen.
Aber nicht nur dem gedruckten Schulbuch wird eines Tages das letzte Stündchen schlagen – auch die Organisation des Schulbetriebs wird zunehmend digitalisiert. So präsentiert die auf Visualisierungslösungen spezialisierte heinekingmedia GmbH am Gemeinschaftsstand Niedersachsen ihr „Digitales Schwarzes Brett“, das schulinterne Informationen über zwei gesonderte „Smartphone-Channels“ auch an Apple- und Android-Endgeräte von Schülern und Lehrern übermittelt. Andere Aussteller wie die Nordhorner „Euregio Systems GmbH“ oder die Mainzer Rednet AG haben komplette IT-Schulpakete im Portfolio.
Der beruflichen Aus- und Weiterbildung widmet sich die Münchner Fraunhofer Academy, die am Fraunhofer Gemeinschaftsstand über ihre Angebote für Fach- und Führungskräfte im ITK-Bereich berichtet, darunter ein berufsbegleitender Fernstudiengang „Master Software Engineering for Embedded Systems“ (4 Semester) und das insgesamt 18 Module umfassende Zertifikatsprogramm „TeleTrusT Information Security Professional“ (T.I.S.P.). Die Hochschule Albstadt-Sigmaringen wiederum stellt ihren Masterstudiengang „Digitale Forensik“ vor, der sich an (Wirtschafts-)Informatiker, Ermittlungsbeamte und Juristen richtet, die ihr Qualifikationsprofil um Kenntnisse der Computerforensik erweitern wollen.
(pmz)
Bundeswehr: Halle 9, E53
Otto Group: Halle 9, B54
erlebe it: Halle 4, A12
PDV-Systeme: Halle 7, C08/1
heinekingmedia: Halle 6, A36
Euregio Systems: Halle 9, H08
Rednet AG: Halle 7, B26
Fraunhofer Gemeinschaftsstand: Halle 9, E08
Hochschule Albstadt-Sigmaringen: Halle 7, C40



