Konzentriert
Eine Halle für die Wissenschaft
Wenn am 5. März die größte Computermesse zum 15. Mal ihre Pforten öffnet, werden auch viele Forschungseinrichtungen aus aller Welt den Stand ihrer Entwicklungen präsentieren. In der „Forschungshalle“ 26 finden sich Universitäten und Institute ein, die ihre Projekte vorstellen.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung setzt auf seinem großen Stand (E50) drei Themenschwerpunkte. Beim „Ambient Assisted Living“ – bereits auf vergangenen Messen ein wichtiges Thema – geht es um Möglichkeiten, mittels unaufdringlicher digitaler Helferlein den Alltag für ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen einfacher zu machen. Die Spannweite der Projekte ist groß: Von der automatischen Lichtsteuerung bis zum intelligenten Badezimmerspiegel, der Handlungsanweisungen zur persönlichen Hygiene erteilt, gibt es viele kluge Ideen.
Der zweite Schwerpunkt des BMBF-Standes ist wie im Vorjahr die IT-Sicherheit. Ob das Forschungsministerium zu den Kontroversen um Bundestrojaner und SSL-Zertifikate Stellung bezieht, stand zur Drucklegung der vorliegenden Ausgabe noch nicht fest. Auf Themenanfragen reagierte das Ministerium noch im Februar schmallippig. Die „Digital Factory“, also die volldigitalisierte Fabrik, bildet den letzten Themenschwerpunkt am BMBF-Stand.
Auch das Wirtschaftsministerium ist erneut mit einem großen Stand vertreten. Das mit Bundesmitteln geförderte Technologieprogramm „Trusted Cloud“, auf der CeBIT 2011 aus der Taufe gehoben, wird erste Ergebnisse präsentieren und somit einen Beitrag zum messeweiten Leitthema „Managing Trust“ leisten.
Cloud, schau, wem
Die Fraunhofer-Gesellschaft (Stand E08) zeigt unter anderem das Projekt „OmniCloud“ zum sicheren Cloud-Backup. Die Lösung des Instituts für Sicherheit in der Informationstechnik setzt – anders als Produkte wie DropBox – auf kundenseitige Verschlüsselung und Deduplikation. So können die Darmstädter Forscher nicht nur die Sicherheit ihrer Entwicklung garantieren, sondern auch mit Cloud-Speicherplatz und -Bandbreite haushalten. In einem Unternehmen mehrfach vorhandene Daten werden nur einmal verschlüsselt und in die Cloud hochgeladen.
Wertvolle Kunstobjekte soll der „Art Guardian“ des Fraunhofer-Instituts IZM beschützen. Mit vier verschiedenen Sensoren, die an einem Kunstwerk unsichtbar angebracht sind, zeichnet der Kunstwächter Temperatur und Feuchtigkeit des Gemäldes, aber auch Lichtverhältnisse und Bewegungen auf. Eine eigens entwickelte mobile Oberfläche liefert die Messwerte an den Eigentümer und schlägt Alarm, wenn vorgegebene Grenzwerte überschritten sind.
Im Jahr der Fußball-EM darf ein Exponat rund ums runde Leder nicht fehlen. Das „RedFIR“-System des Fraunhofer-Instituts für integrierte Schaltungen nimmt mithilfe von Sendern an Spielerkleidung und Ball eine Spielanalyse in Echtzeit vor. Trainer oder Journalisten können die Informationen während des Spiels oder Trainings auf einem Tablet auswerten und mit 3D-Animationen anschaulich aufbereiten. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) teilt sich wie in den Vorjahren einen Stand (G33) mit dem Forschungszentrum Informatik (FZI). Die Badener zeigen einen humanoiden Roboter und ihre Entwicklungen zur Cloud Security.
Käsetheke reloaded
Ein alltägliches Problem lösen die Experten vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) am Stand F42. Missverständnisse an der Käsetheke räumt ein System zur dreidimensionalen Gestenerkennung aus. Es besteht aus zwei Kameras und Anzeigetafeln für Verkäufer und Kunde und erkennt, auf welche Käse- oder Fleischsorte der Supermarktbesucher zeigt. Das soll den Aufschnittkauf beschleunigen. Der „Demonstrator“ ist nur eine Facette des DFKI-eigenen Labors für innovative Einzelhandelskonzepte, das in Kooperation mit einer großen Warenhauskette betrieben wird.
Neben bundesweit tätigen Einrichtungen präsentieren sich die Bundesländer mit Gemeinschaftsständen in Halle 26. Die TU Darmstadt zeigt am hessischen Stand (D20) ihre „Serious Games“, die auf spielerische Weise, aber mit ernstem Hintergrund Wissen vermitteln. Die Spiele ErgoActive und BalanceFit trainieren Fitness und Beweglichkeit des Spielers, während Woodment sich an beliebten Multiplayer-Onlinerollenspielen orientiert. Statt Monster zu meucheln, beantwortet der Spieler jedoch Wissensfragen.
Auch die Universitäten anderer Bundesländer findet der Messebesucher an Gemeinschaftsständen: Bayern (A50), Brandenburg (C20), Bremen (B50), Niedersachsen (C50), NRW (D34), Rheinland-Pfalz (D29), Mecklenburg-Vorpommern (A34), die Region Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (A10), Rheinland-Pfalz (D29) und das Saarland (F34) sind auf der Messe präsent. Berliner Forschungseinrichtungen sind am Brandenburger Gemeinschaftsstand vertreten, aus Hamburg und Baden-Württemberg haben sich nur einzelne Institute auf der CeBIT angemeldet.
Fester Bestandteil der Forschungshalle ist der „CeBIT lab talk“. An jedem Messetag finden durchgehend von 10:00 bis 18:00 Uhr Diskussionsrunden und Projektpräsentationen an Stand J50 statt. Eine Eröffnungsgrußnote hält Forschungsministerin Annette Schavan am 6. März um 11:00 Uhr, danach sind unter anderem Vorträge zu Cloud Computing und Standardisierung (7. März, 14:00 Uhr), zur Macht sozialer Netze (8. März, 13:00 Uhr) und zur digitalen Netzpolitik in Deutschland (8. März, 14:00 Uhr) im Angebot. Am zweiten Messetag veranstaltet das Ministerium zudem – ebenfalls im CeBIT lab talk – eine Vortragsreihe unter dem Titel „Internet der Zukunft – smart, sicher, in der Cloud“.
Das Vortragsprogramm am Messe-Samstag steht ganz im Zeichen des IT-Nachwuchses, der sich dank der Beiträge von Recruiting-Agenturen, aber auch Großkonzernen wie Audi Informationen über die eigene berufliche Zukunft besorgen kann.
(un)
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