Windows-Werkschau
Tablets und Notebooks auf der IFA
Christian Wölbert
In den zurückliegenden Jahren war die IFA eine Android-Arena, doch dieses Mal werden Tablets und Notebooks mit Windows 8 die Hauptrollen ergattern.
Auf der IFA läuft ein Tablet-Duell zwischen Google und Microsoft, obwohl keiner der beiden einen Messestand hat. Android und Windows ringen um Aufmerksamkeit und den besseren Start ins Weihnachtsgeschäft. Die besseren Chancen hat Windows 8, weil die Hardware-Hersteller sich auf ihre Erstlingswerke für das neue Betriebssystem konzentrieren. Für Android bleibt nur eine Nebenrolle. Einen Trend schieben die beiden Systeme allerdings gemeinsam an: Tablets und Notebooks wachsen zu Hybridgeräten zusammen.
Das ThinkPad Tablet 2 steht exemplarisch für diese Umwälzungen. Der Vorgänger lief noch unter Android, jetzt versucht Lenovo es stattdessen mit Windows 8. Und liefert auf Wunsch eine Docking-Station mit, die das Tablet in ein Notebook verwandelt, sowie einen Stift für die bewährte Windows-Handschrifterkennung. Als Antrieb dient ein Dual-Core-Atom von Intel. Asus verfolgt mit seinem Tablet 810 dasselbe Konzept und wählt lediglich ein größeres Display – 11,6 Zoll statt 10 Zoll bei Lenovo.
Bei Acers Windows-Tablet W700 deuten die großen Lüftungsschlitze auf einen potenten Prozessor hin. Die DockingStation taugt eher für den Schreibtisch als für unterwegs.
Acer geht auf Nummer Sicher und bringt Windows-Tablets in beiden Größen mit: das Iconia W510 hat ein 10-Zoll-Display, das W700 eins mit 11,6 Zoll (1920 × 1080). Das W510 bekommt eine ansteckbare Tastatur inklusive Zusatzakku, mit dem es laut Acer satte 18 Stunden ohne Kontakt zur Steckdose laufen soll. Für das W700 gibt es eine wuchtige Schreibtisch-Station und vermutlich eine Bluetooth-Tastatur.
Auf der IFA lässt sich abschätzen, ob die Tablets schlank und leicht genug sind – oder diese Qualitäten zugunsten ihrer Vielseitigkeit opfern. Asus hat allerdings keinen Messestand und zeigt seine Geräte nur der Presse. Spannend zu erfahren wird auch sein, welche Preisvorstellungen die Hersteller haben. Aufgrund der Intel-Atom-Prozessoren dürfte es schwer werden, die Konkurrenz mit den billigeren ARM-CPUs zu unterbieten.
Windows RT hoffentlich anfassbar
Dazu gehören nicht nur das iPad und die Android-Tablets, sondern auch die Windows-RT-Tablets, also Tablets mit der ARM-Version von Windows. Besucher der Computex im Juni und einer Microsoft-Veranstaltung im selben Monat durften diese Geräte nur kurz in der Hand halten, aber nicht wirklich ausprobieren. Nun hat Microsoft verraten, dass neben Asus (und Microsoft selbst) auch Dell, Lenovo und Samsung RT-Tablets bauen. Diese drei Hersteller haben allesamt einen IFA-Stand – und lassen hoffentlich auch touchen, nicht nur gucken.
Microsoft zufolge wiegt das leichteste RT-Tablet nur 520 Gramm und das dünnste ist knapp 9 Millimeter flach. Die Akkus sollen mindestens 8 Stunden durchhalten. Neben reinen Tablets sollen aber auch Hybrid-Geräte und Notebooks mit Windows RT erscheinen.
Die versprochene Spitzen-Laufzeit von 13 Stunden bezieht sich vermutlich auf eine dieser Kategorien. Damit die RT-Geräte den hohen Erwartungen gerecht werden, müssen nicht nur Laufzeit, Gewicht und Displayqualität stimmen, sondern auch das Software-Angebot, zumal nur neu entwickelte Apps auf ihnen laufen, keine alten Windows-Programme. Zurzeit gleicht Microsofts App Store einer Geisterstadt, aber das kann sich schnell ändern. Vielleicht liefert die IFA Hinweise.
Android mit Magnet-Tastatur
Das Android-Tablet 101 XS von Archos rastet nicht fest in seine Docking-Tastatur ein, sondern wird von einem Standfuß gestützt und von Magneten stabilisiert.
Der französische Hersteller Archos hält die Android-Fahne hoch, will aber ebenfalls das Notebook überflüssig machen. Das 10-Zoll-Tablet 101 XS liefert er mit einer 5 Millimeter flachen Tastatur namens Coverboard aus. Sie haftet magnetisch am Tablet und schützt beim Transport dessen Bildschirm. Will man tippen, klappt man einen Aufsteller aus der Tastatur, der das Tablet stützt. Außerdem bietet Archos ein Lautsprecherdock an.
Die technischen Daten wirken wenig spektakulär: Android 4.0, Doppelkern, 1280 × 800 Pixel. Immerhin soll das Gehäuse nicht aus Kunststoff bestehen, sondern aus Edelstahl. Und im vierten Quartal will Archos Android 4.1 als Update nachliefern. Mitte September soll das 101 XS erhältlich sein und inklusive Coverboard 380 Euro kosten. Varianten mit kleineren Displays kommen später.
Eine weitere Android-Tablet-Premiere dürfte es in der Sony-Halle geben. Im Web kursieren die technischen Daten eines Xperia Tablet mit 9,4-Zoll-Display, Tegra-3-Chip, Alu-Gehäuse und – natürlich – einer Abdeckung mit integrierter Tastatur. Die Auflösung liegt angeblich bei 1280 × 800 Pixeln, also nicht auf dem Niveau des iPad 3 oder der Android-Flaggschiffe von Asus und Acer. Außerdem ist von einem Gast-Modus die Rede, mit dem Besucher das Tablet nutzen können, ohne vertrauliche Daten zu Gesicht zu bekommen.
Toshiba zeigt sein AT270, das schon vor über einem halben Jahr vorgestellt wurde. Aufgrund seines 7-Zoll-AMOLED-Displays ist es trotzdem erwähnenswert, bislang gibt es in Deutschland noch kein Tablet mit der farbkräftigen AMOLED-Technik.
Samsung hat noch nichts offiziell angekündigt, musste aber im Patentstreit mit Apple ein Dokument offenlegen, in dem von einem Tablet mit 11,8-Zoll-Display mit 2560 × 1600 Pixeln die Rede ist – das wäre eine ähnlich scharfe Darstellung wie beim iPad 3. Auch Asus darf man eine Android-Überraschung zutrauen.
Touch-Notebooks
Das fast 12 Zoll große Asus 810 wird eines der ersten Tablets mit Windows 8 und In tels Tablet-Prozessor mit zwei Kernen. Eine Docking-Tastatur gehört natürlich dazu.
Wie die Tablets sich den Notebooks annähern, schleichen sich auf der anderen Seite die Notebooks an die Tablets ran. Die Oberfläche von Windows 8 ist eben in erster Linie für die Fingerbedienung gedacht. Acer, Dell, Fujitsu, Lenovo, Medion, Samsung und Toshiba zeigen vermutlich Dutzende von Windows-8-Laptops mit Touch-Displays, darunter auch zahlreiche flache Ultrabooks.
Die Frage ist nur, wie man das Touchdisplay am sinnvollsten einbaut. Samsung hat zum Beispiel ein Ultrabook mit 13,3-Zoll-Display, das sich komplett unter das Chassis drehen lässt und dann wie bei einem Tablet nach außen zeigt. Intel zeigt vermutlich ein Asus-Ultrabook mit zwei Touchscreens – einer außen, einer innen im Deckel. Bezahlbarer und wohl auch praktischer sind allerdings die Tablet-PCs mit klassischem Drehgelenk.
Eine von vielen Ideen für ein Windows-8-Notebook mit Touchscreen: Bei Samsungs Serie 5 lässt sich das Display dank Scharnier ohne Sperre auch nach außen klappen.
Die billigste Lösung ist, den Touchscreen einfach in einen normalen Klapprechner zu setzen, wie es Asus beim Ultrabook Prime UX31 und Acer beim Ultrabook Aspire S7 vorhaben. Das bringt in der Praxis nur wenige Vorteile, touchen mit ausgestrecktem Arm ist auf Dauer einfach zu anstrengend.
Der zweite Notebook-Trend auf der IFA sind hohe Display-Auflösungen: Viele 11,6-Zöller und 13,3-Zöller zeigen Full HD, und wahrscheinlich kommen auch 15-Zöller mit noch mehr Pixeln nach Berlin. Die Punkte sitzen dann so dicht nebeneinander, dass man aus üblichem Betrachtungsabstand wunderbar glatte statt zackige Konturen sieht – genau wie bei den hochauflösenden Tablets.
(cwo)




