Nach einem längeren Tauziehen hat die für die Innen- und Rechtspolitik zuständige Koalitionsarbeitsgruppe einen Kompromiss ausgearbeitet, wonach die geplanten Blockaden kinderpornographischer Seiten faktisch passe sind.
Union und FDP ringen weiter um die Koalitionslinie in der Sicherheitspolitik. Dabei sind noch "schwere Brocken" aus dem Weg zu räumen, wie es in Berlin hieß.
Die Wiesbadener Polizeibehörde hat die seit 1. Januar bestehende Möglichkeit zur heimlichen Online-Durchsuchung bisher noch kein einziges Mal genutzt. Sie hält sie aber weiterhin für ein unverzichtbares polizeiliches Instrument.
"Es ist keine Einigung in der Innenpolitik in Sicht", erklärte ein Mitarbeiter der FDP-Spitzenpolitikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger; er wies Berichte zurück, wonach die Liberalen Zugeständnisse beim Sperrgesetz sowie bei der Visa-Warndatei gemacht hätten.
"Eine Koalition darf es nur geben, wenn die Vorratsdatenspeicherung zurückgenommen wird", sagte ein Sprecher des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung. Der hessische FDP-Chef hat angekündigt, das BKA-Gesetz zurückdrehen zu wollen.
Der vom BKA-Referat KI 15 verfasste 160-Seiten-Bericht "Auswirkungen gesetzlicher Neuregelungen auf die Ermittlungspraxis der Strafverfolgungsbehörden" ist ein Versuch, aus konkreten Vorfällen ein generelles Vorgehen der Polizei zu destillieren.
Das Bundesinnenministerium argumentiert, dass ein verdeckter Zugriff auf informationstechnische Systeme auch den Staatsschützern nützlich sein könne - etwa wenn IT-Systeme für Anschlagsvorbereitungen genutzt würden.
"Ich setze die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes, diese Durchsuchungen nur als ultima ratio, also als letztes Mittel einzusetzen, konsequent um", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke.
Gerhart Baum sagte zur Vorstellung der Verfassungsbeschwerde, das BKA-Gesetz sei in vielen Punkten verfassungswidrig. Sicherheitsbelange würden auf Kosten der Freiheit der Bürger ausgeweitet, zum Beispiel durch die Möglichkeit der Online-Durchsuchung.
Zehntausende Berliner demonstrierten im Oktober friedlich gegen den Überwachungsstaat - und die Polizei filmte mit. Berlins Innensenator Körting rechtfertigt nun die umstrittene Aktion.
Die Bürgerrechtlerin Bettina Winsemann ("Twister") hat ihre Klageschrift gegen die Bestimmungen zu heimlichen Online-Durchsuchungen und weiteren präventiven Überwachungsbefugnissen für das BKA in Karlsruhe eingereicht.
Die Parlamentarier haben das im Vermittlungsverfahren mit dem Bundesrat leicht entschärfte Überwachungsvorhaben ohne weitere Aussprache abgesegnet, während Schäuble für eine rasche Ausdehnung der Befugnisse plädiert.
Bundesrat und Bundestag haben sich auf die Novelle des BKA-Gesetzes verständigt, von der Opposition und Verbänden sogenannter Berufsgeheimnisträger hagelt es weiter Kritik.
In einem Interview wies der Bundesinnenminister Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des BKA-Gesetzes zurück. Das umstrittene Vorhaben wird am Mittwoch im Vermittlungsausschuss behandelt.
Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) fürchtet, dass der Bund-Länder-Kompromiss zu Online-Razzien noch gekippt werden könnte, während sein Kollege aus Mainz eine knappe Mehrheit für das Vorhaben erwartet.
Einer Annahme der Gesetzesnovelle, die dem BKA erweiterte Ermittlungsbefugnisse, unter anderem auch für die heimliche Online-Durchsuchung gibt, soll nun im Bundesrat nichts mehr im Wege stehen.
Die Bundesregierung will im Streit über die Ausweitung der Befugnisse für das Bundeskriminalamt den Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag und Bundesrat anrufen, nachdem die Länder das Vorhaben zunächst ablehnten.
Der Bundesinnenminister macht Druck auf den Bundesrat: Er will eine Einigung über die umkämpften neuen Befugnisse für das Bundeskriminalamt bis Weihnachten - oder das Vorhaben beerdigen.
Berlins Innensenator Ehrhart Körting, Sprecher der SPD-regierten Länder im Bundesrat, hat bei dem sich abzeichnenden Vermittlungsverfahren im Streit um die Aufrüstung des BKA einen schnellen Kompromiss in Aussicht gestellt.
Die geplanten Regelungen zur Online-Durchsuchung höhlen nicht nur den Datenschutz aus, meinen der Datenschützer Markus Hansen und der Informatik-Professor Andreas Pfitzmann.
Nach dem Widerstand auch aus SPD-regierten Ländern gegen die BKA-Aufrüstung befand Schäuble, dass der Koalitionspartner in einer "akuten Krise" stecke. Das ZDF sieht derweil eine Mehrheit unter den Deutschen für Online-Durchsuchungen.
CDU- und SPD-Politiker lieferten sich bei der Innenministerkonferenz einen deftigen Schlagabtausch über die geplante Aufrüstung des Bundeskriminalamts; das drohende Vermittlungsverfahren soll beschleunigt werden.
Den Bundesinnenminister treiben unkontrollierte Banken derzeit stärker um als die Gefahr von Terroranschlägen. Sein bayerischer Kollege Herrmann warnt dagegen vor einer "Katastrophe", falls das BKA-Gesetz scheitern würde.
Vertreter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sehen keinen Verhandlungsspielraum mehr bei heimlichen Online-Durchsuchungen und den umkämpften Kompetenzerweiterungen des Bundeskriminalamts. Alle Polizeigewerkschaften fordern allerdings ebenfalls Korrekturen.
Die im NAV Virchow-Bund organisierten niedergelassenen Ärzte haben sich auf ihrer Jahrestagung für ein neues Datenschutzpaket ausgesprochen und gegen die Herabstufung durch das geplante BKA-Gesetz protestiert.
In der Abstimmung über die Novelle des Gesetzes für das Bundeskriminalamt in der Länderkammer könnte es knapp werden. Fast alle Länder, in denen die FDP oder die Grünen mit an der Macht sind, wollen sich enthalten.
Der Präsident der Bundesärztekammer sieht in den Koalitionsplänen für ein neues BKA-Gesetz einen Angriff auf die Bürgerrechte, die ärztliche Schweigepflicht und das Patient-Arzt-Verhältnis. Politiker der Koalition weisen die Kritik zurück.
Internetprovider, Oppositionsparteien und der Richterbund haben die Verständigung von Union und SPD auf die Novelle des BKA-Gesetzes als "Farce" und "weitere Demontage des Rechtsstaates" angegriffen.
"Staatliche Schnüffeleien in den Computern von Redaktionen und freien Journalisten sind mit dem Grundrecht der Pressefreiheit nicht vereinbar", betonte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken.
Die Pressefreiheit werde weltweit durch Kriegsgewalt, den Antiterror-Kampf und Korruption gefährdet, meint die Organisation Reporter ohne Grenzen. Im Namen des Kampfes gegen den Terror würden Freiheitsrechte immer mehr eingeschränkt.
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