Zensur und amerikanische Wirklichkeit

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Was sagen Sie zum Communication Decency Act, der am 1. Februar im amerikanischen Kongreß verabschiedet und von Bill Clinton am 8. Februar unterschrieben worden ist? Es stellt die Verwendung von Worten wie "fuck" oder "shit" im Internet unter Strafe. Die Übermittlung, Distribution oder Publikation von 'unanständigem' Material im Internet kann diesem neuen Gesetz zufolge mit Geldstrafen bis zu 250.000 Dollar und Haftstrafen bis zu 2 Jahren geahndet werden. Die Internet-Provider werden damit gezwungen, ihre Kunden rigoros zu zensieren. Die Internet-Kommunikation wird per Gesetz auf die sprachliche Ebene eines Kinderdiskurses festgelegt.

TURKLE: Das ist eine irregeleitete Anstrengung. Stellen Sie sich vor, daß die Regierung bei der Einführung des Telefons gesagt hätte: "Das ist eine Technologie, die es jedem Perversen ermöglicht, Dich zuhause anzurufen und Deinen Kindern Subversives und Dreckiges in die Ohren zu flüstern. Telefongesellschaften müssen deshalb die Gespräche ihrer Kunden überprüfen und das, was sie sagen, zensieren." Was jetzt im amerikanischen Kongreß geschehen ist, hat mit einer Reihe von Verschiebungen im amerikanischen Leben zu tun. Zum Beispiel ist alles, was mit der 'Kindheit' zu tun hat, derzeit in Amerika in einer tiefen Krise. Da gibt es das Drogenproblem, die Gewalt, die fehlende elterliche Fürsorge, Fragen der Ernährung und der Gesundheit. Diese Probleme sind schwer anzugehen. Und es kostet eine Menge Geld, sie anzugehen.

Es ist nicht klar, daß wir in Amerika den politischen Willen haben, uns diesen Problemen zu stellen. Wenn man diese Themen durch moralische Schlagzeilen wie "Pornographie im Internet gefährdet die amerikanischen Kinder" ersetzt, redet man über etwas, gegen das sich mit einfachen, unmittelbaren Aktionen vorgehen läßt. Das, glaube ich, beruhigt viele Menschen. Genauso wie viele Menschen die Vorstellung beruhigt, daß wir die Erziehungsprobleme dadurch lösen könnten, daß wir die amerikanischen Schulen "vernetzen". Schulen im Internet sind eine gute Sache, aber sie lösen nicht unsere tiefer liegenden Probleme. Es gibt eine starke Tendenz zum technologischen Optimismus im amerikanischen Leben.

Er tritt in unrealistischen Phantasien über das Internet zutage. Und zugleich gibt es eine starke Tendenz zum technologischen Pessimismus. Und, wie Sie sehen, wird auch diese Tendenz voll ausgespielt. Meine Hoffnung ist es, daß die Leute bald durch wachsende soziale Erfahrung in diesem Bereich einsehen werden, daß sich das Internet ohne Zensur weiterentwickeln muß.

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Ist das Internet männlich, weiblich oder beides?

Virtuelle Gemeinschaften

Sexualität im Internet

Das Internet als Verwirklichung der postmodernen Philosophie

Zensur und amerikanische Wirklichkeit

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