ETOY Server abgehängt
Netzkunstprojekt zensuriert
Das Rechenzentrum der UNI-Wien hat den Zugang zum Server der Künstlergruppe ETOY gesperrt. Rasches Handeln seitens ETOY hat jedoch innerhalb von 24 Stunden den Zugang zum Server und zum anonymen Mail Service von Etoy wieder hergestellt. Wenige Tage zuvor hatten ETOY die TV-Live Show "Benissimo" in der Schweiz gestört und waren dadurch zum Tagesgespräch geworden.
ETOY ist ein Internet-Kunstprojekt der gleichnamigen Gruppe mit Hauptsitz in Wien. 1996 bekam Etoy die Goldene Nica der Ars Electronica für Web-Kunst, da die Jury vor allem von ETOYs Absicht beeindruckt war, das Internet zu stören. Es sieht so aus, daß sie genau aus diesem Grund nun angegriffen werden.
ETOY.Brainhard, der PR-Agent der als Kollektiv auftretenden Gruppe, sprach mit Kathy Rae Huffman in Wien am Abend des 11.Dezember, kurz nach der "Rettung" des Servers. Brainhard erklärte, wie das ETOY Tanksystem abgestöpselt wurde, ohne Benachrichtigung und ohne Verweis auf jedwede Art von Vertragsbruch. Sogar die Tür zum Rechnerraum war für ETOY seit dem 9.Dezember versperrt.
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ETOY.Brainhard brachte seine Betroffenheit über die Taktik der UNI und ihr abruptes Handeln zum Ausdruck. Er erwähnte eine wachsende Angst an der Universität vor ausländischen Interventionen. Anlaß dazu könnte die Besorgnis über den weitverbreiteten Gebrauch des anonymen Mail-Service sein, ein integraler Bestandteil des Kunst-Projekts, sowie allgemeine Sicherheits-Paranoia seitens der Leitung des Rechenzentrums. Als Etoy mit dem Webmaster der UNI über die Zugangssperre des Servers verhandelten, wurden sie konkret gefragt, "warum wurdet ihr von den Amerikanern kontaktiert?".
ETOYs ASCII-Knarre
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Als eine an ETOY gesandte Mail durch die sogenannte "ascii-gun" beantwortet wurde, wurde der Server abgestöpselt. ETOY fragte die UNI, ob sie wieder ans Netz gehen könnten, nicht zuletzt, da sie den Zugang über die UNI auf Basis einer offiziellen Verinbarung erhalten und nachdem sie zahlreiche bürokratische Prozeduren durchlaufen hatten. ETOY bot sogar an, auf den anonymen Mail Service zeitweilig zu verzichten, bis darüber eine Übereinkunft erzielt werden könnte. Doch dieses Angebot wurde durch die UNI nicht angenommen.
http://www.etoy.com/underground-tank/resistance/mailerform.html
ETOY reagierten, indem sie ihren Server aus dem UNI-Gebäude entfernten und bei einer anderen Bildungsinstitution in Wien einstellten, die ironischerweise den Internet Zugang auch über das Hauptrechenzentrum erhält. Nun arbeiten sie einen Plan aus, das umfangreiche Projekt zu dezentralisieren, um es so besser vor eventuellen zukünftigen Angriffen schützen zu können.
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Einige Hintergründe zu dieser Affäre
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Warum das alles? Bereits vor circa 6 Monaten erhielt ETOY Besuch von der Österreichischen Staatspolizei. Sie wurden informiert, daß der Anlaß des Besuchs eine offizielle Untersuchung sei, ausgelöst durch eine Todesdrohung gegen Präsident Bill Clinton, die über den anonymen Mail Service von ETOY geschickt worden war. Es war einfach, diese Mail bis zum ETOY Server zurückzuverfolgen und ETOY hat auch nie den Versuch unternommen, die Herkunft von Emails, die über ihr Kunst-Projekt verschickt worden waren, zu verschleiern. Die Polizei, die alle IP Adressen, Namen und Anschriften der Nutzer des Mail-Service haben wollte, konnte es nicht verstehen, daß ETOY sich nicht weigerte, diese Informationen herzugeben, sondern daß sie diese einfach nicht mehr hatten, weil sie die für sie nutzlosen umfangreichen Log-Files in regelmäßigen Abständen löschen.
Das ETOY TANKSYSTEM Web-Kunst-Projekt erhält derzeit ungefähr 1 Million Hits pro Monat, wovon 65 Prozent aus den USA kommen. Allein in den ersten vier Monaten seines Bestehens wurde der anonyme Mail Service 400.000 Mal benutzt. Bis heute wurde der Service beinahe eine Million mal genutzt und ETOY plant bereits eine kleine Feier für das Erreichen der magischen Zahl.
Der ETOY Kunst-Service ist übrigens kein klassischer Remailer, der die Absendeadresse unkenntlich macht, wie z.B. im Falle des finnischen Remailers von Julf Helsingius, der inzwischen dem Behördendruck nachgegeben und seinen Service eingestellt hat, u.a. wegen Gerichtsklagen von Scientology und weil der Service auch für schmutzige Pornogeschichten mißbraucht worden war. Mails, die via ETOY gesandt werden, kommen an ihrem Bestimmungsort mit der Reply-Adresse "Ulrike Meinhof" an, jener berühmt berüchtigten RAF-Terroristin.
Als ETOY von der Österreichischen Staatspolizei befragt wurde, wer denn die fragliche Mail an Bill Clinton geschickt habe, konnte auch der Administrator des ETOY Servers diese Frage nicht beantworten. Darüberhinaus waren die Behörden - uninformiert über die Funktionsweise des Internet im allgemeinen und des ETOY Servers im besondern - technisch nicht in der Lage, Fragen so zu stellen, daß klar wurde, was genau die Frage war.
Was könnte aber nun der wahre Grund für diese plötzliche und unerwartete Attacke gegen das Netzkunstprojekt sein? ETOY haben vom Beginn seiner Inhaftierung an eine PR Kampagne zur Befreiung des Hackers Kevin Mitnick gestartet. Das hat sicherlich die USA irritiert, die mit dem Fall Mitnick ein Exempel statuieren wollten.
Zudem hat der kontinuierliche Gebrauch von Begriffen und Bildern aus dem terroristischen Kontext insbesondere in den automatisierten EMail-Antworten Konservative gegen ETOY aufgebracht. Ein Beispiel dafür ist die Wirtschafts-UNI Wien, die sich durch eine Email-Spam Attacke von ETOY angegriffen fühlte. Als sich mehrere Webmaster empört an ETOY wandten, das "Spammen" einzustellen, erhielten sie ebenfalls wieder automatische Email-Antworten. ETOY ist in diesen Dingen recht hartnäckig.
Was nun? ETOY plant nun eine komplexe Strategie zu entwerfen, die jeden zukünftigen Angriff gegen ihr System von vorneherein unterminiert, indem ein dezentrales System etabliert wird. Das wird das Spiegeln von Sites in Japan, USA und mehreren europäischen Ländern beinhalten. Außerdem soll der Mail Server vom Web Server getrennt werden. Derartige Taktiken könnten für alle Projekte von Interesse sein, die potentiell zensurgefährdet sind, ob durch den Staat, oder, wie es immer häufiger vorkommt, durch wirtschaftliche Kräfte, die das Netz regulieren und kontrollieren wollen.
Der Schweizer Medien-HACK
Ist es nur ein Zufall, daß ETOY zensuriert wurden, nur wenige Tage nachdem sie in der Schweiz am 7.Dezember Titelgeschichten in den Tageszeitungen mit einer HIJACK-Aktion in der TV Show von Benny Turner verursachten? Diese Scherzaktion traf Millionen Schweizer Fernsehzuschauer während ihrer liebsten Samstag-Abend TV-Show.
Der Vorfall, der in den Medien als gefährlicher Überfall auf den Moderator der Show dargestellt wurde, hat das TV-Sicherheitssystem in der gesamten Schweiz in Aufruhr versetzt. Dieser reale Internet-Kunst-Terrorismus ereignete sich, nachdem ETOY im populären Jugendkulturmagazin ZEBRA aufgetreten waren. Nach ihrer Show versteckten sich die ETOY-Agenten im Fernsehgebäude und "hackten" die Benissimo-Show, indem sie auf die Bühne rannten und live im Fernsehen fragten, "wo ist hier der Ausgang zum Internet, ich halte diese Fernsehrealität nicht aus und möchte ins Internet fliehen?".
Benny, der Gastgeber der Show und ein echter Profi, verlor keine Sekunde die Fassung. Er deutete auf einen Punkt abseits der Bühne und sagte, "schaut, es ist gleich da drüben", woraufhin die ETOY-Agenten in dieser Richtung aus dem Studio rannten, nur noch kurz anhaltend, um einige Fotos zu machen. Der gesamte Vorgang, der gerade zwei Minuten dauerte, war ungeplant und gewaltlos. Sicherheitsbeamte befragten ETOY für eine Stunde und ließen sie dann gehen, ohne Strafanzeige zu stellen.
P R E S S S P E A K E R - P U B L I C R E L A T I O N S
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___ / /_____ __ __ www.hijack.org ("digital hijack"-action
/ _ \/ __/ __ \/ / / / www.etoy.com (THE homebase of the CREW)
/ __/ /_/ /_/ / /_/ / mailme@etoy.com (general comm / 48 hours reply)
\___/\__/\____/\__, / p.o. box. 3365 - 8049 zurich - switzerland
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media-contacts: press.speaker@etoy.com
personal-contacts: brainhard@etoy.com
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