Die Lingua Franca des Netzes

24.03.1997

Das Schicksal von Englisch als Weltsprache

Seitdem die Kommunikationssysteme sich mehr und mehr globalisiert haben, beginnen Probleme durch Sprachbarrieren zu entstehen. Viele glauben, daß man diese Probleme nur durch die Bildung einer einer lingua franca lösen kann. Diese Vorstellung ist nicht neu. Latein war bekanntlich in gewissem Sinn eine universale Sprache während der Zeit des römischen Reichs. Und sie wurde sogar noch später als Medium für die Ausbildung im westlichen Europa gebraucht, während Französisch vom 17. bis zum 20. Jahrhundert zur Sprache der internationalen Diplomatie wurde. Auch wenn sie nicht die am häufigsten gesprochene Sprache ist, gilt Englisch gegenwärtig für viele als eine lingua franca. Aber wird sie das bleiben oder zieht die Vielsprachigkeit auch in die Netze ein?

Trotz dieser beeindruckenden Statistiken wird die Entwicklung von Englisch zu einer Weltsprache nicht immer enthusiastisch von denen begrüßt, die sie lernen müssen. Die Bedingungen, die zur Verbreitung der Sprache beizutragen scheinen (politische, militärische und wirtschaftliche Macht, religiöser Einfluß), ließ bei manchen durch den Erfolg von Englisch als lingua franca Mißtrauen und sogar Feindschaft entstehen. Die größte Sorge ist, daß sie der Kultur, von der sie abstammt (vor allem der USA), in der Welt, aber auch in der wissenschaftlichen und technischen Forschung, einen unfairen Vorteil und einen bislang unbekannten Einfluß verschafft.

Wie sicher aber ist die englische Sprache in ihrer gegenwärtigen Position? Die folgenden Ausführungen nähern sich dieser Frage, indem sie in die Vergangenheit als einer Orientierung für die Zukunft schauen. Es gab, wie bereits erwähnt, Sprachen mit einer nahezu universalen Bedeutung, aber sie alle haben ihren Einfluß verloren. Könnte Englisch auf ähnliche Weise einen Niedergang erfahren und seinen gegenwärtigen Einfluß verlieren?

Das Schicksal der englischen Sprache

Auch wenn geschichtswissenschaftliche Vergleiche die Gegenwart oder die Zukunft nicht vorauszeichnen können, sind sie doch hilfreich, um die grundlegenden Veränderungsprozesse zu verstehen. Die Geschichte kehrt niemals kreisförmig wieder. Bestenfalls bewegt sie sich in Form einer Spirale auf einen entfernten Horizont zu. Um die "unaufhörlich sich wandelnde Rolle der englischen Sprache im Zeitalter des Netzes" verstehen zu können, scheint Latein einen angemessenen geschichtswissenschaftlichen Vergleich dafür zu erlauben, wohin die englische Sprache sich in der vernetzten Welt entwickeln könnte.

Wie Latein wurde Englisch vor allem durch imperialistische Eroberung eine Weltsprache. Beide Sprachen waren mit einem Reich verbunden, dessen Umfang größtenteils von neuen Kommunikationssystemen bestimmt wurde. Kommunikation hat immer, wie Northcote Parkinson zeigt, die Größe und, bis zu einem gewissen Grad, auch das Wesen eines politischen Staates definiert. Flüsse waren die ersten und fundamentalen Kommunikationsmittel. Deswegen bildeten der Nil, der Tigris und der Ganges die Grundlage von großen Reichen, während der Tagus, der Mekong und die Scheldt nur kleinere Staatsgebilde ermöglichten.

Das römische und britische Reich durchbrachen die Begrenzungen des Flußsystems, des elementarsten und üblichsten Kommunikationsmittels, das über Tausende von Jahren hinweg benutzt wurde: imersten Fall durch en Bau von Straßen und im zweiten durch die Ausdehnung des Herrschaftsbereiches dank der Meere. Beide Reiche konnten so ihren politischen und sozialen Einflußbereich vergrößern. Das amerikanische Englisch überscheitet mit den Computernetzen heute viele der materiellen Begrenzungen traditioneller Kommunikationssysteme. Das hat viele, vielleicht vorschnell, zu der Behauptung verführt, daß die Telematik zur "Auflösung der Entfernung" geführt habe.

Ironischerweise haben die Kommunikationssysteme stets die Reiche überlebt, die sie geschaffen oder die sie zu ihrem vollen Potential ausgebaut haben. Nach den Untersuchungen Will Durants werden sie als ein Element unter vielen anderen von einer Zivilisation zur anderen aufrechterhalten, denn sie sind das "Verbindungsgewebe der menschlichen Geschichte." Die Sprache jedoch ist kein solches Element. Sie folgt den Veränderungen im politischen Schicksal des Staates. Latein wird nicht mehr gesprochen, das britische Englisch verliert an Bedeutung. Interessant ist daher, in welchem Ausmaß Englisch den Weg des Lateinischen in die Vergessenheit folgt.

Wenn man den Niedergang des Latein als große Sprache behandelt, wird meist gefragt, wann die Menschen aufgehört haben, sie zu sprechen. Philippe Wolffe weist darauf hin, daß diese Frage falsch gestellt ist. Zunächst sprachen die Menschen niemals ein einheitliches Latein, sondern es wurde, wie heute Englisch, im ganzen Reich mit Unterschieden in der Aussprache und im Wortschatz gebraucht. Diese linguistischen Unterschiede spiegelten die sozialen und kulturellen Unterschiede des multinationalen Reichs. Eine relative Einheitlichkeit wurde aber durch die geschriebene (und besonders literarische) Sprache dank eine standardisierte Rechtschreibung und Grammatik erzielt. Als diese geschriebene literarische Sprache mit dem Fall des Römischen Reiches unter Druck geriet, ein Zeitalter, das man allgemein das "Dunkle Mittelalter" bezeichnet, erlag sie schnell den vorherrschenden Einflüssen der romanischen und germanischen Sprachen. "Wenn ein Sprache ausstirbt", so David Crystal , "dann geschieht dies, weil sich ihre Bedeutung in der Gesellschaft ändert, wenn andere Kulturen und Sprachen ihre Rolle übernehmen."

Es könnte scheinen, als würde dies bei Englisch ähnlich verlaufen. Überall auf der Welt wird es gesprochen, aber es ist keine einheitliche Sprache, sondern reflektiert die sozialen und kulturellen Bedingungen, in denen es gebraucht wird. Der allgemeinste Unterschied zwischen dem amerikanischen und britischen Englisch liegt in der Aussprache und Rechtschreibung, wobei das kanadische Englisch widerstreitenden Einflüssen von beiden Seiten und bis zu einem gewissem Ausmaß auch vom Französischen unterworfen ist. Inzwischen hat sich ein Euro-Englisch in Symbiose mit der politischen Evolution der Europäischen Gemeinschaft entwickelt. In Südafrika bildet sich weiter ein neuer Wortschatz aus, indem die englische Sprache mit Worten aus dem Afrikaans durchsetzt wird. Ganz ähnlich gibt es bei den Australiern und Neu-Seeländern Unterschiede zum britischen Englisch im Akzent und in der Aussprache, abgesehen von einer großen Zahl an zusätzlichen Namen für nur dort lebende Pflanzen und Tiere. Überdies fügt das geschichtliche Erbe, das zu ihren ethnischen Ursprüngen gehört, ihrem Gebrauch der englischen Sprache eine weitere Dimension hinzu.

Wenn der unterschiedliche und fragmentarische Gebrauch des Englischen ein Hinweis auf seinen fortschreitenden Niedergang wie beim Lateinischen ist, dann sollte jetzt die Auflösung des Reiches folgen, auf dem es basiert. Auch wenn die Sonne für das Britische Reich bereits untergegangen ist, durch das Englisch ursprünglich die Welt durchdringen konnte, konnte das Amerikanische Reich mit einem Amalgam aus Kapitalismus und Technik (insbesondere Computer und Netztechnologie) dort ansetzen, wo die Briten verschwunden sind, und so den internationalen Einfluß der englischen Sprache aufrechterhalten - zumindest noch eine Weile.

Niedergang der westlichen Kultur?

Aber die gegenwärtige Weltherrschaft der USA, des "Pax Americana" in Nachfolge des Pax Romania und des Pax Britannica, wird notwendigerweise zusammenbrechen. Arnold Toynbee ging dem Aufstieg und dem Fall der menschlichen Zivilisationen in seinem Buch "Kultur am Scheideweg" nach und entdeckte, daß der Lebenszyklus einer Zivilisation einem gewissen Muster vom Anfang bis zum Ende folgt. Demgemäß folgerte er, daß die westliche Zivilisation keine Ausnahme darstellt und demselben Muster gehorcht. Er glaubte, daß sie sich tatsächlich bereits im Niedergang befindet.

Diese Ansicht gibt es nicht nur in der Geschichtswissenschaft. Mark Stahlman beispielsweise fürchtet, daß die gegenwärtigen Trends zur "Informationsgesellschaft" uns zu einem neuen "dunklen Mittelalter" führen. Daß Stahlman diese Zukunft als "dunkles Mittelalter" bezeichnet, ist interessant, weil es das erste dunkle Mittelalter war, das die lateinische Sprache ihren Einfluß verlieren ließ. Das "neue dunkle Mittelalter" könnte sehr wohl das Ereignis darstellen, durch das dasselbe mit Englisch geschieht. Gleich ob man Stahlmans Sicht zuneigt, daß die westliche Zivilisation zerstört werden wird, oder Toynbees biologistische Deutung eines geschichtlichen Niedergangs, so ist den meisten Beobachtern klar, daß der Hauptgrund für den Niedergang der westlichen Zivilisation darin besteht, daß sie ihre Kreativität verliert. Joyce Stoller geht noch weiter, wenn sie sagt, daß der Postmodernismus (Pomo) in sich selbst eine unbewußte Anerkennung der Tatsache sei, daß die westliche Welt sich in einer Zeit befindet, die ihren Höhepunkt erreicht hat. Sie gleicht einer Ebbe, dem Niedergang des Römischen Reiches, das den Übergang zwischen Sklaverei und Feudalismus markierte. Folglich ist die Kunst, die wir heute sehen, ein Ausdruck "der Dekadenz, der Desintegration und des Niedergangs der späten kapitalistischen Epoche." Sie betont, daß "spät" hier morbid und todgeweiht und nicht - oder noch nicht - tot bedeutet.

Wenn die westliche Zivilisation sich wirklich in einer Abwärtsspirale befinden sollte, dann wird dies von Kämpfen begleitet. Samuel P. Huntington führt die Hypothese eines neuen Kalten Krieges in "Der Kampf der Kulturen" aus, wenn er behauptet, daß ein solcher Kampf unvermeidlich sei. Folglich ist seine Empfehlung für die westliche Welt, "eine größere Zusammenarbeit und Einheit ihrer eigenen Kultur zu fördern." Ironischerweise bestätigt sein Ruf nach Einheit die Annahme Toynbees, der zum Ergebnis kam, daß bei allen vergangenen Kulturen das Erreichen von Einheit den Beginn des Endes darstellte. Folglich ist die politische Einheit in Europa durch die EU und die wirtschaftliche Einheit in Nordamerika durch die NAFTA nur ein weiterer Beweis für den fortgeschrittenen Zustand des Niedergangs der westlichen Kultur.

Das gegenwärtig empfundene Bedürfnis nach Einheit, das seinen endgültigen Ausdruck im Widerstand gegen Veränderung findet, überträgt sich schließlich auch auf die Sprache. Da die Sprache sich verändert, wenn die Gesellschaft sich verändert, erfordert, wie Crystal sagt, der Versuch, die Veränderung der einen "aufzuhalten oder zu kontrollieren auch, daß wir die der Gesellschaft aufhalten oder verändern - eine Aufgabe, die nur in einem kleinem Ausmaß Erfolg haben kann."

Trotzdem wurden Maßnahmen eingeleitet, eine Art von Kontrolle auszuüben. In Frankreich gibt es Widerstand gegenüber dem, was viele als sprachliche Invasion empfinden. In Deutschland wurden kürzlich trotz der Proteste von bekannten Intellektuellen und Schriftstellern neue Rechtschreib- und Zeichensetzungsregeln eingeführt. All das hat für den einzelnen, vor allem für die vielen, die über Computernetzwerke kommunizieren, gegenwärtig kaum eine Bedeutung. Trotzdem ist die Erkenntnis, daß die englische Sprache in eine lingua franca zerfallen wird, die nach einer gewissen Zeit keine oder nur eine geringe Ähnlichkeit mit dem heute gesprochenen Englischen haben wird, wichtig, weil es vergeblich ist, Standards für die Zukunft zu setzen oder gar zu versuchen, den sprachlichen Wandel aufzuhalten oder zu kontrollieren. Was diesen Prozeß überdies beschleunigen wird, ist die Tatsache, daß das Englisch der meisten, die es als Muttersprache sprechen, miserabel ist. Wenn sie an ihrem eigenen Gebrauch der Sprache gemessen würden, dann würde die meisten zweifellos schlecht abschneiden, vielleicht noch schlechter als jene, für die Englisch nicht die Muttersprache ist. George Bernhard Shaw hat einmal in diesem Sinn bemerkt: "In London sprechen Neunhundertneunundneunzig von Tausend Menschen nicht nur schlechtes Englisch, sie sprechen es auch besonders schlecht."

Diese Beobachtung, die einen Kern an Wahrheit enthält, ist wichtig für Sprecher, die Englisch nicht als Muttersprache sprechen, denn richtiges Englisch kann, geht man vom saloppen Sprachgebrauch der überwiegenden Mehrheit der native speakers aus, zu einem Hindernis bei der Kommunikation werden. "Selbst unter englischen Menschen", führte Shaw stolz aus, "ist es eine pedantische Haltung, wenn man es zu gut spricht. Bei einem Fremden ist es schlimmer als eine pedantische Haltung: es ist eine Beleidigung des Einheimischen, der seine eigene Sprache nicht verstehen kann, wenn sie zu gut gesprochen wird." Sein Rat für Fremde ist daher, natürlicher mit dem Englischen umzugehen und sich nicht daran zu stören, wenn es fremd "klingt".

Viele, deren Muttersprache Englisch ist, wissen, daß es andere Sprachen gibt und daß Kommunikationssysteme wie das Internet zunehmend mehrsprachlich werden. Für sie ist es wichtig zu erkennen, daß die Tage der Vorherrschaft des Englischen gezählt sind. In den Ländern, in denen Englisch die (einzige) Nationalsprache ist, sollte man sich bemühen, für fremde Sprachen aufgeschlossener zu werden. Eine Möglichkeit bestünde in der Förderung des Erlernens von Fremdsprachen. Überdies sollten diese Fremdsprachen nicht nur auf dieselbe Sprachenfamilie oder Kultur beschränkt sein. In diesem Jahrzehnt konnte man in den USA bereits bei den Studenten, die sich in Sprachkurse eingeschrieben haben, eine Verschiebung der Interessen bemerken. Chinesisch und Arabisch gehörten, was ihre Beliebtheit betrifft, zu den am schnellsten wachsenden Sprachen, während Russisch und Deutsch die größten Einbußen erlitten.

In Europa wurde größtenteils die Bedeutung des Erlernens von Fremdsprachen erkannt. Die Europäische Kommission hat unlängst ein Programm mit dem Namen "Multi-Lingual Information Society" (MLIS) entwickelt, um in Kommunikationssystemen wie dem Internet den Gebrauch verschiedener Sprachen zu fördern. Was die Europäische Kommission betrifft, geht sie davon aus, daß der durchschnittliche europäische Bürger der Zukunft mindestens drei offizielle Sprachen der EU beherrschen sollte.

Weil wir hinsichtlich der Kommunikation in einer "revolutionären" Zeit leben, läßt sich nur schwer sagen, wie sich die Sprache und ihre Gebrauch verändern werden. In allen Epochen gab es die Angst vor einer Veränderung der Sprache. Bislang erfolgte sie jedoch immer in kleinen Schritten. Auch der Niedergang einer Sprache geschah wie beim Lateinischen nicht über Nacht. "In der Mitte des 19. Jahrhunderts", berichtet Crystal, "wurde vorhergesagt, daß das amerikanische und britische Englisch sich innerhalb von 100 Jahren auseinander entwickeln würden."

Esperanto als Weltsprache?

Aber es gab auch einen Wandel der Sprache, der zu schnell erfolgte und zu Problemen führte. Man verstand die Sprache nicht mehr, es kam zu Doppeldeutigkeiten und gesellschaftlicher Spaltung wie derzeit in Papua-Neuguinea. Daher muß in einem bestimmten Rahmen auf eine genaue und leistungsfähige Kommunikation geachtet werden. Diese zu gewährleisten war seit Jahrhunderten die Intention der Linguisten. Eine vorgeschlagene Lösung ist die Schaffung einer künstlichen Sprache. Das bekannteste Beispiel dafür ist Esperanto. Obgleich man sie kennt, muß sie noch einen Status erlangen, der sie zu einer offiziellen Sprache macht.

Es gibt viele Gründe, warum Esperanto sich auf der Welt nicht ausbreiten konnte. Mit den latinisierten Zeitformen und Präpositionen haben Lernende Schwierigkeiten, deren Muttersprache solche Strukturen nicht aufweist. Beim Vokabular werden Formen, die in vielen natürlichen Sprachen verbreitet sind, nicht verwendet, wodurch Worte sehr schwierig zu behalten sind. Als künstliche Sprache ist sie auch nicht auf den permanenten Wandel angelegt, der Sprachen als natürliche Phänomene kennzeichnet. Es werden stets neue Worte geschaffen und andere nicht mehr gebraucht. Auf ähnliche Weise verändern sich grammatikalische Regeln, um sich einem neuen erweiterten und verkürzten Wortschaft oder neuen physikalischen und existentiellen Wirklichkeiten anzupassen. Das Internet ist dafür ein gutes Beispiel. Die Verwendung von Worten mit einem Zirkumflex bei Esperanto ist lästig, besonders wenn man mit einem Computer oder auf einer Schreibmaschine schreibt. Ein weiterer Grund hat mit einem einfachen Chauvinismus zu tun. Der Antrag bei der UNO vor über 30 Jahren, Esperanto einen offiziellen Status als Weltsprache zu verleihen, wurde teilweise aus politischen Gründen abgelehnt. Viele glauben, daß Esperanto eine "internationale Propagandasprache" ist.

Da die standardisierte Verwendung einer künstlichen Sprache nicht wahrscheinlich ist, bleibt für die nächste Zeit nur Strategie, sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Manche haben bereits die strukturelle Grundlage der englischen Sprache als veraltet bezeichnet. Das läßt sich am zunehmenden Gebrauch von Bilderrätseln und dem eklatanten Mißbrauch von bestimmten grammatikalischen Regeln sehen. Diese Unbekümmertheit wird oft zugunsten der sogenannten "Kreativität" und des eigenen Ausdrucks ausgeübt. Grund dafür ist, daß dies für die Kommunikation genügt und daß der Kontext eines Satzes oder einer Redewendung ausreicht, um ein Mißverständnis auszuschließen.

Aber das ist leider nicht immer der Fall. Wenn man bestimmte Aspekte einer Sprache ignoriert, verschwimmt die Grenze zwischen Kreativität und Sorglosigkeit. "Die meisten Menschen", so Bailey , " würden den Satz 'English as She is Spoke' verstehen, aber sie würden nicht sagen, er sei gutes Englisch. 'Bill done that' ist auch verständlich. Das gilt auch für die Bewohner von Südseeinseln, die von einem Missionshubschrauber als einem 'Mixmaster-Him-Belong-Jesus-Christ' sprechen. Das ist vielleicht drollig, aber daraus läßt sich keine wünschbare Norm ableiten. Wenn dies akzeptables Englisch ist, was wäre dann nicht zu akzeptieren? Wee mite az wel rite owr langwij fernetikli an hav dun with the hole biznes."

Wenn eine Sprache auf ihre Grundelemente zurückführt, ist sie ein System abstrakter und komplexer Symbole, mit denen man einen Inhalt von einem geschlossenen System (d.h. einem Individuum) zu einem anderen überträgt. Der Erfolg bei einer solchen Übermittlung des Inhalts beruht nicht nur auf den verwendeten Symbolen, sondern auch auf dem Sender und Empfänger. Das gilt besonders bei der schriftlichen Kommunikation, denn beim Schreiben kann man nicht "gestikulieren, grinsen, finster blicken, seine Zähne zeigen, seine Augenbrauen zusammenziehen, mit seinen Füßen einen Wink geben oder mit ihnen aufstampfen. Das sind die Mittel des Sprechers, nicht des Schreibers."

Schluß

Letztlich geht die erfolgreiche Verwendung der englischen Sprache "im Zeitalter der Netze" auf eine schwierige Balance zwischen zwei Extremen zurück. Jene, die in ihrem Sprachgebrauch rigide sind, werden in der Kommunikation über Erfahrungen scheitern, während diejenigen, für die Worte nur "Behälter" für Bedeutungen und Gefühle des Augenblicks sind, sich in einer Zwangsjacke eingesperrt sehen, da sie nicht erkennen können, daß unsere Erinnerungen oder Gefühle von den Worten definiert und bis zu einem gewissem Grad begrenzt werden, die wir kennen und verwenden.

Wenn Englisch an Bedeutung verliert, wird eine gewisse Flexibilität bei den native speakers notwendig, die den Einfluß anderer Kulturen und Sprachen berücksichtigt. Ein angemessener Gebrauch der Sprache sollte Doppeldeutigkeiten und Mißverständnisse vermeiden. Im Gegensatz zum allgemeinen Glauben braucht man dazu kein hohes Maß an Genauigkeit oder an Anpassung an formalisierte (und in vielen Fällen versteinerte) Regeln. Für jene, die auf Englisch schreiben, ist, wie Bailey sagt, "das Schreiben eines guten Englisch eine Aufgabe, die Verstand und Maßhalten erfordert."

Die englische Sprache zerfällt und befindet sich unweigerlich im Niedergang. Dieser Niedergang gehorcht den Strukturen eines natürlichen Prozesses und besitzt Vorgänger im Aufstieg und Fall anderer Sprachen wie beim Lateinischen. Auch wenn es Versuche gibt, diesen Niedergang aufzuhalten oder diesen Prozeß zu kontrollieren, so werden sie vergeblich sein. Für diejenigen, die heute Englisch als ihr hauptsächliches oder einziges Kommunikationsmittel verwenden, ist es wichtig, den Einfluß anderer Sprachen und Kulturen zu akzeptieren und zu erkennen, daß die Kommunikationssysteme zur gleichen Zeit, wenn sie global wie das Internet werden, auch vielsprachig sind. Wenn man das berücksichtigt und dem Impuls widersteht, in einen sprachlichen Chauvinismus zurückzufallen, könnten unsere künftigen Kommunikationssysteme wirklich die Verschiedenartigkeit widerspiegeln, die es in der Welt gibt. Literatur

Aus dem Englischen übersetzt von Florian Rötzer

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