Sprachliche Monokultur oder Sprachenvielfalt?
Möglicherweise sind heute nicht mehr Grenzen, sondern Sprachen die wirklichen Barrieren der globalen Integration und Kommunikation. Aber ist eine sprachliche Monokultur des Englischen wünschenswert? Und läßt sich, wie die EU intendiert, Sprachenvielfalt technisch erhalten?
John Horvath über das Schicksal der Weltsprache EnglischPaul Treanor fordert ei wirklich vielsprachiges Europa
Eines der entscheidenden Hindernisse für die wirkliche Globalisierung des Cyberspace ist zweifellos die Sprache. Und eine feststehende Tatsache ist, daß Englisch bis hinunter in seine gestammelten und chimärischen Formen die Sprache ist, die weltweit im wirklichen Leben und im Cyberspace dominiert, was auch heißt, daß deren Beherrschung in der globalen Informationsgesellschaft die Voraussetzung für den Zugang zu Märkten, Karrieren, Wohlstand und Wissen oder Information bildet, weil sie als Infrastruktur oder Währung für die Kommunikation der Menschen zur Grundlage geworden ist. Die Träume von einer künstlichen Universalsprache, die die babylonische Sprachverwirrung rückgängig machen könnte, sind wohl nach den jahrhundertelangen Anstrengungen gescheitert. Heute herrscht wie immer in der Noosphäre die auch für andere Märkte überall propagierte Macht der Evolution, die eine natürliche Sprache, die englische, als Weltsprache zur Geltung bringt und viele andere dem Untergang oder einer regionalen Bedeutungslosigkeit preisgibt. Diese Macht des Englischen liegt jedenfalls nicht an der Quantität der Primärsprecher, die weltweit eher sinkt, während die Zahl derjenigen, die sie als Zweitsprache erlernen, immer größer wird. Die Dominanz einer Sprache ist vielmehr ein Indikator der Macht.
Englisch dient in über 60 Ländern als offizielle oder halboffizielle Sprache und in 20 weiteren wichtige Funktionen. Auf allen sechs Kontinenten ist es gut eingeführt, sofern es nicht die vorherrschende Stellung einnimmt. Englisch ist die Sprache der meisten Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, der Flughäfen, der Flugsicherung, der internationalen Konferenzen und akademischen Tagungen, der Wissenschaft, der Technik, der Medizin, der Diplomatie, des Sports, internationaler Wettbewerbe, der Popmusik und der Werbung. Über zwei Drittel der Wissenschaftler schreiben auf englisch, über drei Viertel aller Briefe und Postsendungen sind auf Englisch geschrieben, über 80 Prozent aller Daten in Datenverarbeitungssystemen auf englisch gespeichert.
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Die globalen Computernetze verschärfen diese Situation noch einmal. Um Globalität zu erreichen, müssen Informationen einer Sprache auch in englisch angeboten werden. Aber Zwei- oder Mehrsprachigkeit werden nur von jenen Menschen oder Organisationen angestrebt, die nicht Englisch als Primärsprache sprechen, während jemand, der Englisch als Primärsprache spricht, keinen Zwang mehr verspürt, Übersetzungen aus dem Englischen anzubieten oder ins Englische zu machen, es sei denn er glaubt, daß er dadurch auf einem regionalen Markt keinen Erfolg haben wird und die Beherrschung von Englisch nicht voraussetzen kann. Einsprachigkeit reduziert die Kosten, die durch Übersetzungen und Ausbildungsangebote entstehen.
Wer in den Datenbanken nicht englisch schreibt, existiert nicht.
Unlängst plädierte Gundolf Freyermuth in Pl@net 2/97 für eine rückhaltlose Übernahme des Englischen, weil sie die "Verkehrssprache des Internet" sei und die kosmopolitische Struktur des Cyberspace ermöglicht. Weil Deutsch oder eine andere Sprache faktisch keine Zukunft als Weltsprache habe, schade man sich national und individuell in Zeiten globaler Konkurrenz, wenn man sich in ein sprachliches Territorium, in ein Sprachreservat einschließe. Wer seine Sites lediglich auf deutsch ins Internet stelle, sei regressiv, führe das nationalstaatliche Denken des Industriezeitalters fort und verstümmele sich selbst, weil er sich der Chancen und Karrieren der (englischsprachigen) Globalität beraube. Das ist richtig, aber ist es auch gut? Haben Sprachen auch ein Überlebensrecht oder zählt auch hier einfach das Recht des Stärkeren? Garantiert die Dominanz des Englischen als Globalsprache wirklich einen Kosmopolitismus, der ja doch auch die Andersartigkeit anerkennen müßte und - vielleicht - diese voraussetzt, oder realisiert sie allmählich nur weltweit eine Kultur mit internen Differenzierungen, an die man sich, gut darwinistisch, auf Gedeih und Verderben anzupassen habe? Soll man die Reduzierung der Sprachenvielfalt ebenso hinnehmen wie die der Artenvielfalt, die die Entwicklung der Informationsgesellschaft begleitet?
Die Fakten sind eindeutig, der Gewinner klar, die Reaktion gespalten, das Selbstverständnis der Englisch als ihre Muttersprache Sprechenden ungebrochen. Solange es keine perfekten oder zumindest sehr guten, jederzeit verfügbaren und ohne jede Behinderung mit sich zu führenden automatischen Übersetzungssysteme oder gar in das Gehirn implantierbare Sprachchips gibt, wird zumindest in nächster Zukunft Englisch die wirkliche Weltsprache sein, die alle Menschen erlernen müssen, wenn sie an der Informationsgesellschaft ohne Einschränkungen und mit ihren Chancen teilhaben wollen. Was dabei aus dem Englischen wird, ist vielleicht eher eine Sorge der Englischsprechenden als derjenigen, die sich genötigt sehen, eine andere als ihre Muttersprache zu beherrschen oder, wenn sie zwei- oder mehrsprachig aufgewachsen sind, noch eine zusätzliche Sprache zu erwerben. Man nahm vor hundert Jahren an, daß sich das britische und amerikanische Englisch bald so weit auseinander entwickeln würden, daß die jeweiligen Primärsprecher sich nicht mehr verstehen würden. Natürlich gibt es Dialekte oder auch Pidgin-Sprachen, die schwer kompatibel sind, aber die Vernetzung der Welt und die Verdichtung der Kommunikation durch Medien und schnelle Transportmittel, durch eine immer einheitlicher werdende Kultur, erlauben keine solchen evolutionären Entwicklungen mehr, die stets auf Barrieren und Abschlüssen räumlicher Art beruhen.
Weiträumig sich erstreckende Handelsbeziehungen und Vergrößerung der gesellschaftlichen Macht setzen eine gemeinsame Sprache voraus und führen zur Standardisierung sowie zum Verschwinden von kleinen Sprachpopulationen. Integration hieß und heißt stets Durchsetzung von Einsprachigkeit oder zumindest die Bildung einer sprachlichen Hierarchie, an deren Spitze die gesellschaftliche dominante Gruppe und deren Sprache steht, die sich dann nahezu selbsttätig weiter verbreitet, da sie nicht nur zur Informationsübermittlung dient, sondern auch zur primären Kontaktsprache wird und Übersetzungsleistungen teuer sind. Es ist zwingend, daß sich etwa mit der Herausbildung größerer politischer und wirtschaftlicher Vernetzung auch eine größere Standardisierung der Verkehrsbeziehungen vom Geld über Techniken und Maßen oder Produkten bis hin zur Sprache vollzieht, daß also die Vielfalt der Unterschiede schrumpft, die offensichtlich, ganz entsprechend der biologischen Artenbildung, durch räumliche Trennung und geringe Interaktion gefördert wird und erhalten bleibt. Derartige Standardisierungen in größeren geopolitischen Räumen, die eine Einheit mit entsprechend dichterer innerer Vernetzung bilden, haben ebenso offensichtlich eine Steigerung politischer, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Macht zur Folge.
Auch in Europa starben und sterben Sprachen mit ihren Populationen, doch konnten sich auf relativ großen Territorien für damalige Verhältnisse einigermaßen einsprachige Staaten herausbilden, was etwa in den Ländern, die gleichzeitig zu Kolonien und später zur Dritten Welt mutierten, nicht der Fall war. Aus der Perspektive der Vielheit war Europa mitsamt seinen Satelliten Nordamerika oder Australien ein Gebilde aus Monokulturen, die sich geopolitisch unter vielen Kämpfen fixiert haben. Die Durchschlagskraft von Monokulturen und Monopolen läßt sich noch heute an der Vielfalt der Sprachen in einem Land ablesen. Je weniger heterogene Sprachen es in einem Land gibt, desto reicher wird es bzw. des Pro-Kopf-Einkommen der Einwohner sein: ein deutliches Indiz für die Auswirkung von Sprachbarrieren und die Dynamik der Globalisierung. Selbst in einem kleinem Land wie Papua-Neuguinea werden noch über 800 Sprachen gesprochen, im Tschad 117, in Äthiopien 120, im Sudan 135, während in reichen Ländern wie in Japan 5, in Frankreich 10, in Deutschland 7 oder in den Niederlanden 5 gesprochen werden, wobei meist eine Sprache gänzlich dominant ist und die anderen vorwiegend in der privaten Kommunikation verwendet werden. Sprachliche Homogenität ist offenbar Voraussetzung für wirtschaftliche und politische Einheit und Effizienz, gleich ob diese auf demokratischen oder totalitären Strukturen beruht.
Gesamtgesellschaftliche Arbeitsteilung bzw. die Ausdifferenzierung von kompatiblen Systemen im System läuft offenbar über die Standardisierung der Sprache, während Barrieren und innere Konflikte oft auch mit der Heterogenität der Sprachen zusammenhängen. Unabhängigkeitsbestrebungen gehen daher oft mit der Forderung nach eigener Sprache und eines dementsprechend sprachlich "reinen" Gebietes einher. Jede zusätzliche Sprache verursacht Kosten und Schwierigkeiten bei Steuerung und Verständigung, behindert Staat, Handel, Wissenschaft und Kultur. Die Vielsprachigkeit der europäischen Länder, die nicht durch Machtdekrete standardisiert werden kann, höchstens durch die einmal etablierte wirtschaftliche, wissenschaftliche, technische und kulturelle Dominanz einer Kultur, ist eine der Hemmschwellen bei der Einigung Europas und der Schwerfälligkeit der politischen Prozeduren. Allein für die notwendigen Übersetzungen wendet die EU Unsummen von Geldern auf, weswegen auch von ihr besonders die Entwicklung von Übersetzungssystemen gefördert wird. Man geht, obgleich in der EU Englisch und Französisch dominant sind, davon aus, daß 40% des Verwaltungshaushalts der EU von den Zwängen der Vielsprachlichkeit verschlungen werden. In multinationalen Organisationen wird die Vielfalt stets auf möglichst wenige "Amtssprachen" reduziert, deren Zahl sich meist aus dem politischen und wirtschaftlichen Einfluß ergibt. Gleichwohl setzt sich überall faktisch und manchmal auch explizit Englisch als gemeinsame Sprachwährung durch.
Die Ausbreitung der Nationalstaaten in Europa ging einher mit der Erfindung des Buchdrucks, der Alphabetisierung, der allmählichen Standardisierung der nationalen Sprachen und dem Verfall des Latein als der Sprache der religiösen und wissenschaftlichen Eliten. Europa entstand als Kultur erst im "dunklen Mittelalter", das auch insofern dunkel war, als sich hinter dem Rücken der Elite und gewissermaßen in den "schwarzen Löchern" der Gesellschaften, die im Gegensatz zur heutigen Welt wenig miteinander verbunden waren, die heute vorhandenen Sprachen herangewachsen sind. Das unterscheidet die Situation damals grundlegend von der heutigen, in der es keine derartig isolierten Räume mehr gibt. Gegen die Macht der herrschenden Elite wurde denn auch die neue Kultur seit der Renaissance mehr und mehr in der neuen regionalen Sprache durchgesetzt und schließlich, freilich meist mit der Hilfe und der Gewalt absolutistischer oder totalitärer Herrschaftsverhältnisse, in Nationalstaaten umgesetzt, die weder damals noch heute jemals sprachlich rein waren/sind. Was sich innerstaatlich damals als Hegemonie einer Sprache in bestimmten Standards durchsetzte, vollzieht sich heute weltweit.
Französisch als Sprache des Adels und der Diplomatie im kontinentalen Europa war die Folge des mächtigen Frankreich, das früher als andere Staaten zu einem nationalen Gebilde mit einer führenden Sprache wurde, aber sie konnte sich, abgesehen von den Kolonien, nicht zu einer wirklichen "Weltsprache" entwickeln, weil ihr ein Moment fehlte, daß die englische Sprache jetzt auszeichnet. Auch sie wurde groß als Sprache im Zeitalter des Kolonialismus, in der sie vielen Völkern aufgezwungen wurde. Der durchschlagender Erfolg des Englischen als derzeit alternativenlose Kandidatin für eine Weltsprache verdankt sie auch nicht ihrer eigenen Struktur, sondern ihrer Verbindung mit einer technowissenschaftlichen und zugleich ökonomisch liberalen Kultur, die sich in der Industriegesellschaft allmählich und in der Informationsgesellschaft mit Wucht bis hinein in die Alltagswelt durchsetzte. Als wissenschaftliche und technische Sprache hat sie sich in die Grundlagen der Produktivität der sogenannten Wissensgesellschaft eingeschrieben. Das macht sie vermutlich für lange Zeit unschlagbar, denn so dringt sie auch in jene Länder vor, die vieles aus der westlichen Kultur ablehnen, aber nicht deren offenbar universale Produktions- und Erkenntnisweise, die letztlich auf der Universalsprache der Mathematik basiert, über die sich, gewissermaßen als Schnittstelle zu den natürlichen Sprachen, Englisch gelegt hat.
Seit langem gibt es schon die Angst, daß Englisch alle anderen Sprachen langfristig verdrängen könnte. Die vermutlich vergeblichen Rundumschläge der französischen Regierung, die Französisch rein erhalten sollen, sind bekannt. Sprachbewahrung soll der Standortsicherung dienen und eine geschichtlich gewachsene Kultur sowie deren Produkte erhalten, auch wenn sie schon längst am Tropf der Globalgesellschaft hängt und damit vom Englischen abhängig ist. Der Kampf gegen die Amerikanisierung am Sprachenmarkt führt jedoch nicht zu einer wirklichen Politik der Vielsprachigkeit, sondern ist, wie man an der Haltung gegenüber den Immigrantensprachen sehen kann, lediglich ein verzweifelter Versuch, Gewordenes einzufrieren. Frankreich veranstaltet "Wochen der Frankophonie", und eben hat Staatspräsident Jacques Chirac eine neue Gefahrenquelle verdeckt, das Internet, in dem noch wenig Französisch vertreten sei.
Europa will seinen "Weg in die Informationsgesellschaft" mit der Unterstützung der europäischen Sprachen beschreiten, um die Vielfalt zu erhalten und gleichzeitig den Binnenmarkt sowie den sozialen Zusammenhang funktionsfähiger machen. Die Hoffnung scheint vor allem zu sein, geeignete und kostengünstige Mittel zur Bewältigung der Mehrsprachigkeit zu entwickeln und damit einen möglicherweise gewinnbringenden Markt zu erschließen: "Europa kann sich", liest man in der Rechtfertigung des Programms "Multi-Lingual Information Society", "so zu einer mehrsprachigen Informationsgesellschaft entwickeln, eine neue Sprachindustrie schaffen und seinen Bürgern neue geschäftliche und kulturelle Möglichkeiten eröffnen. Daraus wiederum werden sich neue Arbeitsplätze und neue Märkte ergeben, so daß Möglichkeiten für mehrsprachige Produkte und Dienste in ganz Europa und weltweit entstehen."
Mehrsprachigkeit heißt zunächst sicher, einige wenige große regionale Sprachen zu schützen, indem deren Anschlußfähigkeit an englisch gesichert und die Kosten für Übersetzungen oder Ausbildung gesenkt werden kann. Auch aus solchen Programmen wie der "Multi-Ligual Information Society" wird sich mithin eine weitere Reduktion der Vielheit ergeben. Von den jetzt noch in der gegenwärtig bestehenden EU gesprochenen 45 Sprachen, werden nur die "wichtigsten" übrigbleiben, während das weitere Verschwinden von vielen der weltweit existierenden Sprachen - 5000-6000 sollen es noch sein - in Kauf genommen wird. Türkisch etwa ist eine in Deutschland mittlerweile eingebürgerte Sprache, die Türkei steht am Eingang der EU, aber wird hierzulande unter dem hehren Titel der Erhaltung der Vielsprachigkeit mehr als die höchstens einiger westeuropäischer Sprachen verstanden?
Sprachen sind Hindernisse globaler Kommunikation oder der Globalgesellschaft. Mit ihnen bewahren sich Menschen ein Stück Verschiedenartigkeit, das möglicherweise noch schneller verloren ginge, wenn es keine unterschiedlichen sprachlichen Gemeinschaften mehr gäbe, die auch eine unterschiedliche Kultur tragen und deren Mitglieder sich schnell als Angehörige erkennen können. Möglicherweise könnte der Markt, den sich die EU mit der Förderung der Vielsprachigkeit durch kostengünstige Übersetzungsprogramme vorstellt, langfristig eine Weltsprache auch erübrigen. Aber spielt es für Angehörige einer bedrohten Sprachgemeinschaft eine Rolle, ob sie nun nur Englisch lernen sollen oder die Wahl zwischen Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Japanisch, Arabisch oder Chinesisch haben werden? Natürlich, es ist "ungerecht", wenn Primärsprecher des Englischen weder Mühen noch Kosten auf sich nehmen müssen, um eine andere Sprache zu erlernen oder Übersetzungen vornehmen zu müssen, wenn sie einfach erwarten können, daß man die Sprache der "Herren" oder der "Macht" spricht, aber sind Vielsprachigkeit und damit gesellschaftliche Fragmentierung oder die gegenwärtig weltweit zu verfolgende Renationalisierung in immer homogenere Ethnien eine sinnvolle Alternative? Europa will eine gemeinsame Währung, also warum nicht auch eine gemeinsame Sprache? Die Widerstände gegen den Euro sind aus nahezu denselben Gründen motiviert wie die Bewahrung der jeweils eigenen Sprache: Standortsicherung und regionale Identität. Währungen sind miteinander ebenso kompatibel wie Sprachen, und ihr Austausch kostet Geld, gibt aber auch den Währungsspekulanten oder Übersetzern Macht und Eingriffsmöglichkeiten. Eben diese Maklerposition scheint Europa anzustreben, das vor einer Vereinheitlichung verharrt.
Stellen wir uns vor, man würde auf der Basis des digitalen Universalcodes gute Übersetzungsprogramme und die entsprechende Hardware entwickeln können, die in der Lage wären, jede Sprache in jede andere sofort und billig zu übertragen, was wäre damit gewonnen? Unmittelbare globale Kommunikation mit jedermann wäre möglich, Informationen jeder Art wären für jeden unmittelbar, jederzeit und an jedem Ort, zugänglich. Aber wäre die Vielfalt der Sprachen dann noch notwendig? Hätte sie irgendeine Funktion? Würde sie die dahinterstehende Kultur bewahren?
Wer für die Erhaltung der Vielfalt eintritt, muß sich, wie all die Nationalisten und Fundamentalisten, wohl auch für die Reinheit der Sprache und der durch sie begründeten Gemeinschaft, für geopolitische Barrieren, für Grenzen im wirklichen Raum, für Hindernisse der Migration oder gegen die Globalgesellschaft aussprechen. Er muß für Balkanisierung und gegen Globalisierung, für das Wir gegen das Sie, letztlich für den "Kampf der Kulturen" und gegen Integration sein, es sei denn, er tritt, ähnlich wie die Meinungs- und Religionsfreiheit in der Verfassung verankert ist, für die Freiheit ein, jede Sprache ohne Nachteile gebrauchen zu können. Doch das scheint ohne wundersame intelligente Maschinen nicht ohne riesigen Kosten praktizierbar zu sein.
http://www.heise.de/tp/artikel/1/1157/1.html- genau (23.7.1999 13:50)
- GebärdenSprache: TensorAlgebraUnterstützung? (23.7.1999 11:33)
- SpezialSprache: (23.7.1999 11:26)
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