Computerschrott - wohin damit?

09.01.1998

Das Problem ist hinlänglich bekannt - eine weltweit steigende Zahl an Computernutzern läßt die Müllberge aus Altgeräten der Informationstechnologie jährlich größer werden.

Die Diskussion um einen Abbau der anfallenden Abfallmengen wird seit Jahren mehr oder weniger öffentlich geführt. Dabei handelt es sich aber nicht nur um einen Disput über eine geregelte Entsorgung der Altgeräte, auch Produktion und Lebensdauer spielen bei einer Entscheidungsfindung eine nicht unbeträchtliche Rolle. Gespräch mit Jürgen Malley über den PC als Ressourcenverschlinger und eine nachhaltige Informationsgesellschaft

Die Gesetzgebung tut dabei ein übriges, um die geordnete Entsorgung oder Wiederverwertung der anfallenden Schrottberge bis auf Weiteres zu vertagen.

Seit nunmehr über sieben Jahren wird sie diskutiert, auf Eis gelegt oder erneuert - die Elekronikschrottverordnung. Diese Verordnung ist eines der Ziele des 1996 in Kraft getretenen Kreislaufwirtschaftsgesetzes, das wiederum Teil des Abfallgesetzes ist.Die Version der "Elektronikschrottverordnung", die inzwischen auf dem Schreibtisch von Frau Merkel liegt, hat mit dem ursprünglichen Vorhaben nicht mehr viel zu tun. Beim Streit durch die Instanzen wurde die Verordnung immer mehr "verschlankt" und beinhaltet inzwischen nur noch die Entsorgung von Geräten aus der Unterhaltungsindustrie.

Einer der Grundsätze des "Abfallgesetzes", die Müllvermeidung, wird dabei schlichtweg umgangen.

Der Entsorgungsprozess beginnt schon bei der "Produktion" von elektronischen Geräten und Computern im Speziellen. Schon bei der Herstellung werden große Mengen an Energie und somit an Rohstoffen verbraucht (s. Interview mit Jürgen Malley). Bei der Produktion eines Computers entstehen 60 kg teilweise hochgiftiger Abfälle wie Arsen oder Salzsäure, werden bis zu 30.000 l Wasser und 2.000 Kilowattstunden Strom verbraucht.

In einer Gesellschaft, in der die Arbeit am Computer Standard ist, sollten die Folgen dessen überdacht werden. Die Hauptbestandteile eines Computers sind Metall (50%), Kunststoff (23%), Glas (15%) und Elektronik (12%). Ein Großteil dieser Materialfraktionen kann problemlos wiederverwertet werden, sofern die dafür vorhandenen Einrichtungen in den Entsorgungsprozess eingebunden sind. Da es aber zwischen Gesetzgeber und Industrie noch zu keiner Einigung gekommen ist, werden die Altgeräte teilweise noch ungeordnet entsorgt und mit dem Hausmüll deponiert.

Die Einrichtung einer geordneten Sammlung obliegt den Kommunen und wird von diesen jeweils unterschiedlich gehandhabt. Die Industrie bietet zwar ihrerseits eine "Selbstverpflichtung" bei der Rücknahme der Geräte, ähnlich wie in der Automobilindustrie, an, doch ohne eine gesetzlich geordnete Wiederverwertung, darf ein solches Angebot als wirkungslos betrachtet werden.

Da die Hersteller von Hardware unterschiedliche Kunststoffe verwenden, ist die Wiederverwertung derselben mit einem Qualitätsverlust verbunden. Beim sogenannten Down-Cycling aus Computerresten können so allenfalls Parkbänke oder ähnliches produziert werden.

Der ökologisch sinnvollste Schritt liegt, wie so oft, noch in weiter Ferne. Der Einbau wiederverwendbarer (nicht wiederverwertbarer) Module in den Computer, die problemlos ein- und ausgebaut werden können, steht im Gegensatz zu unserer "Wegwerfgesellschaft", auch wenn diese Bezeichnung schon fast altmodisch anmutet. Die Industrie hat kein Interesse an einer langen Haltbarkeit ihrer Produkte und wird daher eine solche Möglichkeit von vornherein negieren.

Die Hardware besitzt zwar eine recht lange Lebensdauer, doch der sich ständig verbessernde Bereich der Software bewirkt eine durchschnittliche Lebensdauer von 2-3 Jahren für die Geräte. Denn solange die Aufrüstung eines alten Computers teurer als der Neukauf ist, wird dem Kunden kein wirklicher Anreiz geboten den Neukauf noch zu überdenken.

Der heute eingeschlagene Weg wird so auf absehbare Zeit zu keiner Verringerung des Müllaufkommens durch Altgeräte aus der Informations- und Kommunikationsindustrie führen, sondern läßt dessen Zunahme eher noch zu.

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