Tony Blair im Internet

17.04.1998

Downing Street Nr.10 Web-Site im neuen Look und Live-Fragestunde mit dem Premierminister im Netz

Wie der britische Regierungschef Tony Blair gestern bekannt gab, wird er sich am 29.April einem Live-Interview mit dem Internet stellen. Zugleich wurde die neue Web-Site von Downing Street Nr.10 eingeweiht.

Wie bei der so Image-bewußten New Labour Regierung kaum anders zu erwarten präsentiert sich die neue Web-Site im typischen Cool-Britannia Design, d.h., mit anderen Worten, in einer Mischung aus Techno-Party-Flyer und Investorenbroschüre. Bei der Web-Design-Agentur wurde scheints wirklich nicht gespart, so dass neben vielen Images und recht gelungenen Piktogrammen auch mehrere kbytes an Javascript und Java auf den Pages lasten.

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Dabei gibt es allerdings noch einige kleine Programmierfehler auszubessern, wie z.B. bei der Online-Registrierung, die nicht und nicht funktionieren wollte, da das Script stur behauptete, es wären nicht alle Felder ausgefüllt.

Um die Bereitschaft zur Innovation noch zu unterstreichen, wird der Premierminister am 29.April Fragen aus dem Internet beantworten. Wie The Guardian jedoch lästerte, gehören Computerkenntnisse nicht gerade zu den Stärken des Regierungschefs, der ein Modem nicht von einem Chip unterscheiden könne und handgeschriebene Notizen an seine nächsten Mitarbeiter verteilt.

Daher wird Tony Blair nicht wirklich Fragen live im Internet beantworten - etwa auf einem IRC Channel. Interessierte Netizens können sich über die Downing Street Web-Site registrieren (wenn das Script dann funktioniert) und per Email Fragen an den PM stellen. Diese Fragen werden dann von Sir David Frost in einer Live-Sendung auf BBC vorgelesen und von Blair, natürlich ebenfalls live "On-Air", beantwortet.

Niemals um Superlativen verlegen, wird diese Prozedur als "erstes Live-Interview mit einem Regierungschef in Europa" angekündigt. Da wir das nicht so leicht verifizieren können, müssen wir das erst einmal so glauben (hat vielleicht schon einmal jemand in Finnland oder einem anderen stark verkabelten Land?).

Ob sich Herr Schröder, der doch in anderen Aspekten New Labour nachzueifern scheint, auch des Premierministers Internet-Präsenz zum Vorbild nehmen wird? Wird es einen heissen Wahlkampf im Internet geben?

Die neue Web-Site von Downing Street Nr.10 mag etwas überdesignt sein, das Live-Interview nicht ganz so "live". Unter dem Strich aber zeigt die britische Regierung mehr Elan in der Nutzung des neuen Mediums als so manch andere. Denn neben der Nr.10 Web-Site wurde schon vor einiger Zeit der Government Information Server eingerichtet. Und dieser Server, der Online-Informationen von allen Regierungsstellen in einem Index zusammenfasst, ist eine wirklich ausgezeichnete Informationsquelle. Neben täglichen Updates an Pressemeldungen finden sich hier White Papers und Green Papers, ein offenes Diskussionsforum und Einstiegspunkte zum G7-Informationsgesellschafts-Projekt und anderen relevanten Quellen im Netz. Gestaltet ist Open.Gov wirklich nicht sehr schön, aber dafür ist die Site extrem schnell und ergiebig. Eine Site wie diese gibt einen Vorgeschmack darauf, wie sich elektronische Demokratie - nicht bloß als Knopfdruck-Plebiszit missverstanden - einmal anfühlen könnte.

Downing Street Nr.10

Open Government

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