Michael Naumann geht gegen "Undercover" vor

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Wie aus Hamburger Justizkreisen zu vernehmen ist, will der designierte SPD-Kulturbeauftragte Michael Naumann die Verbreitung des am Montag letzter Woche erschienenen Buchs "Undercover - Der BND und die deutschen Journalisten" des Geheimdienstkritikers Erich Schmidt-Eenboom verhindern.

In einem von einer Hamburger Anwaltskanzlei verfaßten Schreiben an den Verlag "Kiepenheuer & Witsch" heißt es "die Behauptung, unser Mandant habe in den Termini eines anderen Geheimdienstes - als "informeller Mitarbeiter" - für den BND gearbeitet" sei "infam". Naumann werde die Verbreitung daher "nicht dulden". Wie aus SPD-Kreisen zu hören ist, soll Naumann alles versuchen, um den Verkauf zu stoppen. Bislang wurde das Buch mit einer Auflage von 20.000 Exemplaren aufgelegt und ist seit letzten Montag im Buchhandel zu erhalten.

Die Anwälte gehen davon aus, daß im Buch der Deckname von Naumann ELZE lautet. Davon ist jedoch im Buch nicht die Rede. Die Anwälte behaupten zudem, daß sich hinter ELZE ein "Herr Weiss" verborgen habe. Tatsächlich wurde jedoch ein gewisser Kurt Weiss unter dem Decknamen WINTERSTEIN geführt. Weiss gilt als wichtigster "Pressesonderverbindungsführer" des Bundesnachrichtendienstes. Unter ELZE verbarg sich ein anderer "Pressesonderverbindungsführer" namens E. Böhm.

Offensichtlich haben die Anwälte von Michael Naumann den Buchtext nicht gekannt, als sie ihr Schreiben aufsetzten. Dort heißt es nämlich:

"Auf der BND-Aufstellung vom März 1970 stand der damals 29jährige noch als Redakteur der Zeitschrift "M" in München (...) unter dem Decknamen NORDDORF. Geführt wurde der angebliche "Zufallskontakt" vom Dienststellenleiter 923 ELZE selbst."

Bereits 1993 warnte Naumann als Rowohlt-Verlagsleiter im Vorfeld einer anderen Buchveröffentlichung von Schmidt-Eenboom Focus-Chefredakteur Helmut Markwort vor, daß drei Focus-Redakteure als BDN-Vertrauensjournalisten im Manuskript genannt seien. Naumann forderte später von Schmidt-Eenboom, alle Buchpassagen, die aus Insiderkreisen stammten, zu streichen. Schmidt-Eenboom lehnte dies ab und wechselte daraufhin den Verlag.

1979 hatte Naumann nach Angaben der ZEIT die ursprünglich von der CIA-Tarnorganisation Congress for Cultural Freedom (CCF) finanzierte Zeitschrift "Der Monat" mit Hilfe seines Mentors Melvin Joseph Lasky wiederbelebt. Lasky hatte nicht nur 1947 die erste stramm antikommunistische Rede auf dem ersten deutschen Schriftstellerkongress gehalten, sondern 1949 auch gemeinsam mit dem CIA-Kulturagenten Michael Josselson im Rahmen eines Konzepts für eine antistalinistische publizistische Kampfgruppe den CCF gegründet.

Nachdem 1979 Naumann auch die Leitung der Dossier-Redaktion der ZEIT übernommen hatte, schrieb er drei kritische Dossiers über Nachrichtendienste, die mit Insiderwissen gespickt waren. Schmidt-Eenboom vermutet in dem Buch "Undercover", daß er als Schwiegersohn des ehemaligen BND-Chefs Gerhard Wessel Teilinformationen aus dem Bundesnachrichtendienst bekommen hat, die Wessel über Naumann gegen seinen ungeliebten Nachfolger Klaus Kinkel ausspielte. So aber könnten hinter den Dossiers doch mehr als nur Familienbande stecken, sollten Verbindungen zum CIA tatsächlich bestanden haben.

Siehe dazu das Gespräch mit E. Schmidt-Eenboom sowie die Rezension seines Buchs Undercover.

http://www.heise.de/tp/artikel/1/1545/1.html
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