Big Brother Preis geht an Echelon

Erich Moechel 28.10.1998

Weitere Preise für CCTV und Key Escrow

  • mobil
  • drucken
  • versenden
Die Britische Abhörstation Menwith Hill wurde mit einem "Lifetime Award" für permanente Verletzung der Menschenrechte ausgezeichnet

"Wir waren völlig überrascht vom überwältigenden Echo seitens der Medien und des Publikums", sagt Simon Davies, Initiator und Vorsitzender von Privacy International, eine der renommiertesten Datenschutzgruppen im Internet.

Die Verleihung der Big Brother Awards am Montag abends in London wurde von einem Eklat begleitet, als auf dem Videoscreen Szenen vom Vormittag gezeigt wurden. Ein unter dem Namen Richard Makepeace bekannter Aktivist, der den Preis - einen Stiefel, der den Kopf eines Menschen tritt - im Department of Trade and Industry (DTI) überreichen wollte, wurde von Polizeibeamten an den Haaren aus den Räumen der ministeriellen Preisträger entfernt.

Ausgezeichnet wurde das britische DTI für seine unermüdlichen Bestrebungen, sogenannte "Key Escrow"-Programme als Standard für Britanniens E- Commerce einzuführen.

Weitere Preisträger in den Kategorien "Produkte" und "Firmen" wollten ihre zum fünfzigsten Jahrestag der Abfassung von George Orwells Roman "1984" verliehenen Preise genausowenig haben wie das Newham Council. Die Verwaltung des Londoner Stadtteils hatte diesen zum Zwecke der Bekämpfung von Verbrechen im September mit 140 vernetzten Kameras und biometrischer Software in ein digitales Affenhaus umgestaltet.

Der Lifetime Award aber ging an den Antennenpark der Royal Airforce in Menwith Hill unweit von Leeds. In der Kette des globalen Echelon Abhörsystems ist dies eine der wichtigsten Stationen, deren unter riesigen Kuppeln versteckte Teleskopantennen die gesamte Kommunikation Europas überwachen (Siehe auch:Globales EU-FBI-Überwachungssystem?).

"Anscheinend haben wir ein Zeichen gesetzt", sagt Simon Davies, "auf das viele Menschen schon lang gewartet haben, denn so ein Echo habe ich in all den Jahren noch nie erlebt. Wir hatten nicht nur einen Querschnitt der Gesellschaft im Publikum - von Menschen in Massanzügen bis zu solchen mit grünen Haaren -, aus mindestens zehn Ländern wurde auch angefragt, ob eine parallele Veranstaltung möglich wäre. Genau das wollen wir jetzt probieren."

Aus diesem Grund wird Davies, der am Institut für Computersicherheit der London School of Economics als Dozent lehrt, im November Deutschland, Frankreich und die USA besuchen.

Privacy International

Department of Trade and Industry

Preisträger

Newham Council

BBC Report

Lifetime Award

Antennenpark

Menwith Hill

Riesige Kuppeln

Echelon Abhörsystem

http://www.heise.de/tp/artikel/1/1613/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Des Führers Arzt trifft des Satans nackte Sklavin

Subversive Arztfilme der 1950er - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen
Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Abgefahren

Auch der endgültige Stillstand gehört zur Dromologie

bilder

seen.by


TELEPOLIS