Wassenaar: Krypto-Expertentreffen überraschend abgesagt

Erich Moechel 11.11.1998

Die USA und andere Hardliner blockieren eine Liberalisierung der Exporte von Kryptographie- Programmen, Finnland prescht vor.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Die neuesten Nachrichten über den Wassenaar- Vertrag, der neben den Exportkontrollen von konventionellen Waffen auch kryptographische Produkte kontrolliert, sind, dass es keine gibt. Das für Mitte November geplante Expertentreffen zum Thema Krypto, in dem ein Beschluss durch das Plenum vorbereitet werden sollte, wurde abgesagt. Zur Nichtentschliessung trugen einerseits die unveränderte Haltung der Hardliner (USA, Australien, Neuseeland, Frankreich, Russland) und andererseits die durch den Regierungswechsel gänzlich unklare Position der deutschen Bundesregierung bei.

Nach der kanadischen Regierung, die rund um das Ministertreffen der OECD im Oktober eine liberale Regelung bekanntgegeben hatte, tritt nun auch Finnland gegen Exportrestriktionen auf. Man wolle sich zwar auch weiterhin an alle internationalen Verträge halten, gab das Ministerium für Handel und Transport nun im Internet bekannt, empfehle aber, diese Verträge auf ihre Aktualität zu überprüfen, sowie dem Stand der technischen Entwicklung anzupassen, um internationale Handelshemmnisse abzubauen.

Für Finnland selbst kündigte die Regierung eine liberale Regelung an, die in diametralem Gegensatz zur Position der Wassenaar-Hardliner steht: Keinerlei Verpflichtung für sogenannte "Key- escrow"-Programme, vielmehr sollten Unternehmen wie Privatpersonen dazu ermuntert werden, frei unter den verfügbaren Programmen auszuwählen und starke Verschlüsselung zu benutzen. Ein betreffendes Gesetz zum Schutz der Privatsphäre liegt bereits vor und soll noch in diesem Jahr vom finnischen Parlament verabschiedet werden. Was Wassenaar angeht, so ist völlig offen, wie weiter vorgegangen wird.

"Niemand hat eine Ahnung, ob und was das Plenum im Dezember beschliessen wird", sagt jemand aus dem Umkreis der Expertengruppe, "die Positionen sind so weit voneinander entfernt, dass eine Entscheidung eigentlich nur verschoben werden kann."

Ein Platzen des Wassenaar Arrangements zur Exportkontrolle waffentauglicher "Dual Use"-Technologien wegen der Krypto-Differenzen ist dennoch auszuschliessen, verlautet aus dem Gremium. Besonders, weil mehreren europäischen "Staaten bewusst geworden ist, dass sie inzwischen in Reichweite iranischer Mittelstreckenraketen sind."

Erich Moechel ist Herausgeber des Newsletters q/depesche.

http://www.heise.de/tp/artikel/1/1644/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS