Lara Croft als britisches Wissenschaftsmaskottchen

Florian Rötzer 02.12.1998

Ein Beitrag zur Wissensökonomie

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Der britische Wissenschaftsminister Lord Sainsbury of Turville gab während einer Rede mit dem Titel "Science and the Knowledge Economy" an der Social Market Foundation am Montag bekannt, daß er den virtuellen Charakter Lara Croft, schwer bewaffnete und kampffreudige Hauptdarstellerin von Tomb Raider als Botschafterin für die herausragende Bedeutung der britischen Wissenschaft verwenden will. In der Wissensökonomie müssen eben auch die Wissenschaften vermarktet und ein wenig bunter werden. Und gelegentlich, wie hier auf dem Bild, ist Lara Croft nicht nur in Sachen Abenteuer unterwegs, sondern liest sogar einmal.

Es sei Zeit, der Welt zu zeigen, daß Großbritannien an der Spitze neuer Entwicklungen stehe und die Heimat solch außergewöhnlicher Forscher wie Stephen Hawking oder solch aufregender Innovationen wie dem Klonen von Dolly ist: "Ich will, daß die Menschen, wenn sie an dieses Land denken, an solche wissenschaftliche Erfolge wie Thrust, das erste Überschallauto, und den Psion Palm Computer und nicht mehr an Stephenson oder Faraday denken ."

David Sainsbury

Lara Croft, die gewalttätige und spärlich bekleidete virtuelle junge Frau, mag zwar nicht jedermann zusagen, wenn sie nun als Aushängeschild für die britische Wissenschaft und Forschung stehen soll. Der Minister will ihr Bild denn auch nicht überall anbringen, sondern versteht sie als Beispiel "für einen der größten Erfolge in diesem Land." Also ist jetzt nicht mehr ein James Bond in Fleisch und Blut das Aushängeschild für die Engländer, sondern eine virtuelle Frau. Das sind Paradigmenwechsel, die noch dazu in der offiziellen Politik stattfinden.

Mal sehen, ob sich davon auch Edelgard Buhlmann anstecken läßt. In Deutschland stünde etwa E-Cyas zur Verfügung (siehe dazu das Gespräch mit Bernd Kolb, dem Geschäftsführer der I-D-Mediengruppe). Der sieht auch smart aus, ist allerdings männlichen Geschlechts. In Deutschland, dem Land der Dichter und Denker, sind allerdings solche Ideen wie die des britischen Ministers wohl kaum realisierbar.

http://www.heise.de/tp/artikel/1/1693/1.html
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