Ratlos, wütend, halblegal
Internetstreik in Polen
"Im Zusammenhang mit dem Protest der polnischen Internauten und der fehlenden Reaktion seitens der Telekom haben wir uns entschieden, Ihre Infolinie zu blockieren und gerade Ihrer Firma ernsthafte Verluste zuzufügen." Diese Mitteilung sollen ab 4.1. zwei polnische Unternehmen am Telefon immer wieder hören und ... dafür auch bezahlen. Die in Polen streikenden Internauten haben nämlich aufgerufen, von jetzt an Inhaber der kostenlosen Nummern 0-800 (dasselbe wie 0-130 in Deutschland) zu belästigen. "Wir sind uns dessen bewusst, dass jetzt Unschuldige Schaden erleiden, aber es hätte keinen Sinn, die Infolinie der Telekom anzurufen. Die bezahlen niemanden und würden also auch keine Verluste tragen" - erklären die Streikenden auf ihrer Website.
Bis einschließlich 10.1. sollen also zwei Firmen: das digitale Fernsehen Wizja TV und die Computerfabrik Optimus SA zu einer Art Geiseln der Streikenden werden, dann sind zwei andere dran. "Wir versuchen zu erreichen, dass andere Firmen indirekt an unserem Protest teilnehmen", erklären die Internauten. Sie rufen dazu auf, so oft wie nur möglich die 0-800-Nummern zu wählen, und wenn jemand keine Zeit dafür hat, so könne er sein Modem entsprechend einstellen. Jeder Anruf unter 0-800 kostet den Anschlussinhaber umgerechnet ca. 20 Pfennig. "Bei mehreren tausend Anrufen wöchentlich werden die Verluste groß", hoffen die Streikenden. Im Endeffekt sollten sich die belästigten Firmen an die Telekom wenden ...
Mit dem bisherigen Sonntagsboykott der gesamtpolnischen Internet-Zugangszummer der Telekom 0-202122 haben die Streikenden nichts erreicht. Ganz im Gegenteil, denn seit dem 1.1.99 ist Telefonieren zum Ortstarif, und damit auch Surfen, in Polen um 13 Prozent teurer geworden. Kein Wunder also, dass die verzweifelten jungen Menschen neue Methoden suchen. Ihr Pressesprecher, Bartosz Frankowski, gab letztens zu, dass die Teilnahme am Boykott nur ganz gering war. "Wir verlassen jetzt den moralisch einwandfreien Weg, denn wenn man aber einen Gegner wie die Telekom vor sich hat, muss man nach drastischeren Methoden greifen".
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Last, but not least: die "drastischere Methode" hat sogar einen Autor, oder eher: eine Autorin. Die Streikenden bedanken sich nämlich für die 0-800-Idee bei Iza. Die Homepage dieser Iza heißt "Nimfomanka" (deutsch: die Nymphomanin) und enthält jede Menge Nacktfotos, die angeblich die Webmasterin darstellen. Auch das nackte Mädchen - falls es kein Fake ist - ruft dazu auf, die 0-800-Nummern zu wählen: "Ich denke, dass sich diese Firmen (um ihr eigenes Geld zu retten) unserem Protest anschließen und die Telekom darauf aufmerksam machen, dass das Internet am Ende des 20. Jahrhunderts für jedermann, unabhängig von seinem materiellen Status, zugänglich sein sollte".
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