Hackergruppen gegen Kriegserklärung von LoU
Unfreiwillige Legitimierung für die Aufrüstung zum Infowar
Die von Legions of the Underground publizierte Kriegserklärung gegen den Irak und China hat jetzt auch andere Hackgruppen aktiv werden lassen. In einer gemeinsamen Erklärung vom 7.1.99 wenden sich 2600, Chaos Computer Club, Cult of the Dead Cow, Hispahack, L0pht, Phrack, Pulhas, einige holländische Hacker sowie Toxyn gegen den Vorstoß der Kollegen.
Der Entschluß zur Kriegserklärung, der von LoU allerdings bereits wieder zurückgenommen wurde, ist für die internationale Hackerkoalition überstürzt erfolgt. Man werde damit nichts bewirken und gefährde nur die Rechte der Hacker auf der ganzen Welt."Wir - die Unterzeichner - widersetzen uns mit aller Kraft jedem Versuch, die Macht des Hackens zu benutzen, um, egal aus welchen Grund, die Informationsinfrastruktur eines Landes zu bedrohen oder zu zerstören. Den "Krieg" gegen ein Land zu erklären, ist das Unverantwortlichste, was eine Hackergruppe machen kann. Das hat nichts mit Hacktivism oder der Hackerethik zu tun, und es ist nichts, worauf ein Hacker stolz sein könnte."
Als Haupteinwand wird geltend gemacht, daß viele Regierungen gegenwärtig versuchen, den Cyberspace als "neues Schlachtfeld für ihre künstlichen Konflikte" zu inszenieren. LoU habe mit der "Kriegserklärung" den Interessen dieser Regierungen gedient. Wenn sich Hacker selbst als "Waffe" instrumentalisieren, dann werde Hacken allgemein als "Kriegshandlung" verstanden. LoU führe nur aus, was die Regierungen öffentlich und offiziell nicht zugeben wollen. Bislang habe für die Aufrüstung zum Infowar noch ein wirklicher Fall gefehlt, den LoU möglicherweise realisiere und damit eine Legitimation für das entsprechende Ansteigen der Rüstungsausgaben liefere.
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Die Unterzeichner fordern alle Hacker des Planeten auf, alles abzulehnen, was mit der Beschädigung der Informationsinfrastruktur eines Landes zu tun hat: "Unterstützt keine Aktionen eines 'Cyberwar'; die Kommunikationsnetze sollen offen bleiben: sie sind das eigentliche Nervensystem unseres Planeten."
Frank Rieger vom CCC sagt, daß viele Hackergruppen kein Problem mit Webhacks hätten, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf Menschenrechtsverletzungen zu lenken. Polizei und Geheimdienste würden aber sowieso schon Hacken als subversiven Akt verstehen. Durch Aktionen wie die von LoU erhöhe sich die Gefahr, daß Hacker nicht nur in totalitären Staaten als "Cyberterroristen" für die kleinste Gesetzesverletzung eingesperrt oder zum Tode verurteilt werden könnten.
Auch wenn sich jetzt die Erklärungen und Gegenerklärungen jagen, so scheint in der Hackerszene sich jetzt ein internationaler Diskurs anzubahnen, wie und ob man Hacken als politische Handlung umsetzen soll. Bricht also doch ein goldenes Zeitalter des Hacktivismus aus?
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