ID-Nummer für Intel-Prozessoren
Sicherung vor Diebstahl, aber Gefährdung der Privatsphäre beim Surfen
Während seiner Rede auf der RSA Data Security Conference in San Jose hatte Patrick Gelsinger, Vizepräsident von Intel, bekannt gegeben, daß alle demnächst auf den Markt kommenden Pentium-III-Prozessoren mit einer elektronischen Seriennummer ausgestattet sind. Seitdem herrscht großer Aufruhr. Befürchtet wird eine noch stärkere elektronische Überwachung. Intel baut also nicht nur Kryptochips, sondern sieht auch vor, in den PC-Prozessoren Identifikationsnummern anzubringen, durch die sich ähnlich wie bei Fahrzeugidentifizierungsnummern ein Rechner im Internet erkennen ließe.
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In jedem Prozessor wird sich dann also ein Zufallszahlengenerator zur Verschlüsselung von Daten und eine maschinenspezifische ID-Nummer befinden, die Händlern oder anderen "vertrauenswürdigen" Partnern automatisch die Identität eines Kunden erkennen ließe. Verhindert werden soll damit vor allem, daß gestohlene PCs ans Internet angeschlossen werden, denn sobald man sich einloggt, würde der Rechner festgestellt werden können.
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Barry Steinhardt von der American Civil Liberties Union (ACLU), dem Intel neben anderen bereits Einzelheiten über das Vorhaben mitgeteilt hat, sieht die ID-Nummer als zweischneidiges Schwert, denn sie biete zwar für den E-Commerce eine größere Sicherheit, aber sei eben auch ein Mittel, um einzelne Menschen im Internet zu erkennen und über ihr Verhalten Daten zu sammeln. Intel will zwar jedem Nutzer die Möglichkeit einräumen, diese Funktion durch "opt out" auszuschalten, um ihre Privatsphäre zu schützen, aber sie wäre zunächst voreingestellt aktiv. Das ist natürlich beispielsweise mit der EU-Richtlinie zum Schutz persönlicher Daten nicht konform, die eine ausdrückliche Einwilligung verlangt. Steinhardt sieht jedoch die Gefahr, daß dann, wenn sich eine solche Nummer als förderlich für den E-Commerce erweisen sollte, Firmen von Kunden vor einer Transaktion verlangen könnten, ihre ID zu erhalten. Auch gegenüber der Versicherung Intels, daß man keine Datenbank anlegen werde, die die ID-Nummern mit Benutzern verbindet, sieht Steinhardt kritisch. Die Verführung, daß dies dennoch irgendjemand machen werde, sei einfach zu groß. Die Gier, persönliche Kundendaten in die Hand zu bekommen, ist tatsächlich sehr ausgeprägt. Websites ohne Registrierung und Cookies werden immer weniger.
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Für Intel selbst hätte die maschinenspezifische ID-Nummer möglicherweise einen unmittelbaren Vorteil. Mit ihr könnten Käufer eines PC mit einem Intel-Prozessor gleich anhand einer Datenbank überprüfen, ob der von ihnen erworbene Prozessor auch den Angaben entspricht. Gelegentlich werden nämlich etwa 300MHz Prozessoren auf 400MHz hochgefahren und dann als solche verkauft, was dann aber zu Problemen führen kann.
Gegen den Vertrieb der Prozessoren mit der ID-Nummer formiert sich immer stärkerer Widerstand. Jetzt planen EPIC und Junkbusters einen Aufruf zum Boykott aller Intel-Produkte, bis das Unternehmen die ID-Nummer wieder aus den Prozessoren entfernt. Eine Seriennummer für Prozessoren (PSN) würde, so die Kritik, die Privatsphäre der Menschen erheblich beeinträchtigen. Wahrscheinlich werden man die Seriennummer als Global User ID (GUID) einsetzen, die man dann in Datenbanken verwende: "Im Unterschied zu früheren Techniken ist es nicht möglich, die Verbindung zwischen der Aufzeichnung in der Datenbank und dem Benutzer des Computers zu entfernen, indem man beispielsweise einen Cookie löscht oder ein neues Betriebssystem benutzt. Jetzt müßte man den Prozessor entfernen. Intel hat den Mikroprozessor so gebaut, daß das Feature nicht "mißbräuchlich oder aus der Ferne durch einen irgendwo im Internet befindlichen Hacker angestellt werden könne."
Die Aufzeichnungen vieler verschiedener Firmen könnten ohne das Wissen und die Zustimmung des Benutzers zusammengeführt werden, um ein Benutzerprofil zu erstellen." Die Möglichkeit, die PSN auszuschalten, sei nicht hinreichend für den Schutz persönlicher Daten, da das Feature bei jedem Neustart wieder aktiv werde. Gefährlich seien die ID-Nummer in den Intel-Prozessoren vor allem auch wegen der Dominanz des Unternehmens im Chip-Markt.
Kritiker fürchten, daß die ID-Nummer zum Verschwinden der bislang noch möglichen Anonymität im Internet führen könnte. Jason Callett von Junkbusters bezeichnet die die Pentium III-Chips als "giftige Hardware", David Banisar von EPIC als einen "nuklearen Cookie". Der demokratische US-Kongreßabgeordnete Edward J. Markey moniert in einem Brief an Intel-Firmenchef Craig Barrett, daß dieser Chip den Datenschutz bedrohe, und fordert das Unternehmen dazu auf, einen besseren Ausgleich zwischen kommerziellen Zielen und dem Schutz persönlicher Daten zu finden.
http://www.heise.de/tp/artikel/1/1774/1.html- Hat seine Vorteile, muß aber trotzdem boykottiert werden ! (5.2.1999 0:07)
- Alte und Nicht-Intel Prozessoren von E-Commerce ausgeschlossen? (29.1.1999 10:51)
- Mal zur Diskussion (28.1.1999 22:00)
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