Südeuropa revoltiert gegen nationale Telekoms

Erich Moechel 31.01.1999

Katastrophale Technik, inferiore soziale Kompetenz und überhöhte Preise der Telekoms führen zu einem acht Länder übergreifenden Internet-Boykott.

  • mobil
  • drucken
  • versenden
Nach den mit sehr gemischten Ergebnissen verlaufenen Streiks des Jahres 1998 in Deutschland, Spanien und Polen ist heute, Sonntag 31.01.1999, der erste länderübergreifende Internet-Boykott angesagt.

Eine der vielen Grafiken zur Unterstützung des länderübergreifenden Internet-Boykotts

Achtzehn User-Groups aus acht europäischen Ländern haben von ihren nationalen Telefongesellschaften die Nase voll und rufen deshalb auf, Modems und Telefone ruhen zu lassen.

In Spanien ist es bereits die vierte Aktion derselben Art, die Gründe für den Grimm der User klingen auch für deutsche und österreichische Ohren vertraut. Infovia plus, der flächendeckende Internet-Einwahlservice der spanischen Telefonica für alle regionalen Provider, sei technisch eine Katastrophe schreibt David Casacuberta von Fronteras Electronicas Espana an Telepolis. Noch schlimmer sei es um die soziale Kompetenz des Personals der Telefonica bestellt. Im Wortwechsel zwischen erbosten Usern mit dem Support ist "Das ist nicht unser Problem, der Fehler liegt an ihrem Modem" die bei weitem meistgehörte Phrase. Sehr häufig wird geraten, zum Provider Teleline zu wechseln, welcher der Telefonica gehört.

In Griechenland ist es gar schon die vierte Aktion, seit Anfang Januar bekannt wurde, dass OTE Telekom mit Anfang März die Preise um bis zu 132 Prozent erhöhen wird. "Ziel des Boykotts " schreibt Yiannis Chassapidis, einer der Organisatoren, "ist bei gerade 100.000 Benutzern in Hellas weniger die Aktion selbst, als vielmehr das Medienecho, das schon bei den ersten Aktionen weit höher als erwartet war."

In Italien soll der Boykott zwei Gesetzesvorschläge unterstützen, die eine Abschaffung der Ortsgebühr zugunsten eines Pauschaltarifs vorsehen. Emanuele Mancuso von Abolizione.org ist zuversichtlich, die dafür erforderlichen 50.000 Unterschriften zusammenzukriegen. Neben Frankreich, wo nach Spanien die meiste Unterstützung herrscht, wird noch in Holland, Portugal, Polen und der Schweiz gestreikt.

Der bisher effektivste Internet-Boykott ist immer noch die Aktion "Ein Land geht offline", so geschehen im Jahre 1997 in Österreich. Aus Protest gegen die Beschlagnahme der gesamten Technik eines AT-Providers durch die österreichische Polizei trennten die übrigen ISPs das Land für zwei Stunden annähernd komplett vom Rest des Internet.

In Zusammenarbeit mit q/depesche

http://www.heise.de/tp/artikel/1/1793/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Internet-Streikwelle in Deutschland baut sich auf

Streikaufruf für 1.November gewinnt immer mehr Unterstützer

Internetstreik in Spanien

Telefónica muß Gebührenerhöhung teilweise rückgängig machen

Kleine Menschen gegen eine große Firma

Internetstreik in Polen

"Ein Land geht Offline..."

Internet Streik in Österreich

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS