Gauck-Bänder
Entschlüsselung war nur "technische Dekodierung"
Die Sensation für das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" war perfekt: Ein ehemaliger DDR-Telefontechniker, heute Mitarbeiter der Gauck-Behörde, "entschlüsselte" zusammen mit einem Kollegen die "geheimen" Magnetbänder der Stasi und fand die SIRA-Datenbank der DDR-Auslandsspionage - zehn lange Jahre nach dem Mauerfall. Von einer "Entschlüsselung" verschlüsselter Dateien kann allerdings keine Rede sein: Die Leistung des Telefontechnikers entspricht ungefähr der Leistung, die man heute aufwenden müßte, um eine Datei, die auf dem legendären C64 geschrieben wurde, ohne Emulation auf einem Windows-PC lesbar zu machen.Im Prinzip leisteten die Gauck-Mitarbeiter nichts anderes, als die Dateien, die in verschiedenen Formaten und Kompressionsformen abgespeichert waren, wieder lesbar zu machen. So heißt es zumindest aus wohlinformierten Kreisen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das sich jetzt gegen Anfragen rechtfertigen muß, warum es als ehemalige "Zentralstelle für das Chiffrierwesen" nicht an der "Entschlüsselungs"-Aktion beteiligt war.
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Das BSI hatte kurz nach der Wende Magnetbänder und Anlagen inspiziert und eine Art Bedienungsanleitung geschrieben. Nur hatte es die Gauck-Behörde angesichts der Papierberge nicht für nötig befunden, die mühsame technische Dekodierung der Bänder zügig zu betreiben. Die "Zentralstelle für das Chiffrierwesen" war übrigens auch im Fokus der DDR-Spione gewesen, die ihre Vorgesetzten bis kurz vor dem Mauerfall über die engen Verbindungen zwischen dem Vorläufer des BSI und der Firma Siemens unterrichteten.
http://www.heise.de/tp/artikel/1/1800/1.html- stasi worker name list (15.2.2000 14:35)
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