Über den Internet OS-Counter
Ein Gespräch mit Hans Zöbelein
Ein "libanesischer Cyber-Terrorist" aus München. Hans Zöbelein und sein IOS-Betriebssystemzählwerk (neueste Ergebnisse).
Wenn man Ihre Zahlen betrachtet, fällt als erstes auf, daß gerade die geläufigsten und ältesten Top-Level-Domains - TLDs (etwa com, org, net, gov, mil) überhaupt nicht darin vorkommen. Als Linux-Fan mag man Ihre Ergebnisse zwar als halben Sieg feiern, die Aussagekraft für den Gesamtmarkt scheint jedoch fraglich?
Hans Zöbelein: Ich verwende der Einfachheit halber den RIPE Host Count. Dieser umfasst alle europäischen und viele außereuropäische, aber keine der großen Domains wie .com oder .us. Natürlich möchte ich möglichst alles abdecken, mir ist aber keine frei verfügbare Auflistung der fehlenden TLDs bekannt. Daher werde ich wohl oder übel selbst auf Hostnamen-Jagd gehen müssen. Mit der .edu-Domain habe ich jetzt einen Anfang gemacht, der Rest folgt sukzessive. Der IOS (Internet Operating System Counter) ist ja schließlich mein Hobby und nicht mein Broterwerb.
Da Sie fast alle Länder-Domains einbeziehen, ergibt sich bei der Auswertung die Möglichkeit, eine Betrachtung nach Kontinenten anzustellen und etwa zu fragen, welches Betriebssystem in der sogenannten 'Dritten Welt' - etwa in Afrika - am beliebtesten ist?
Hans Zöbelein: Sicher, das ist möglich. Und ich habe auch schon daran gedacht, eine Weltkarte mit entsprechender Grafik zu erstellen. Natürlich muß man aufpassen, ob die Zahlen auch aussagekräftig sind. Wenn ich eine Domain mit 5 Hosts habe und 2 von denen laufen zufällig auf IRIX, weil die Sysops sich kennen, dann hat man einen IRIX Marktanteil von 40%.
Sie sind ja nicht der Einzige, der Computer auf dem Internet zählt. Wie schätzen Sie Ihre kommerzielle Konkurrenz ein, und wo sehen Sie Schwierigkeiten, zuverlässige Aussagen über die Grundgesamtheit zu treffen, die es erst erlauben, seriös über Marktanteile zu sprechen? Wie versuchen Sie, den Fehler in Ihren Ergebnissen zu minimieren?
Hans Zöbelein: Über die kommerziellen Zähler kann ich nicht viel sagen, weil ich noch keine Statistiken von denen gekauft habe. Außerdem kocht jeder nur mit Wasser. Ich könnte mir aber vorstellen, daß die Objektivität einer Statistik nicht leidet, wenn sie keinen Käufer finden muß. Die andere große freie Server-Statistik ist die von Netcraft. Dort wird der Marktanteil bei Webserver-Software ermittelt.
Nun kann man vergleichen, ob die beiden Statistiken übereinstimmen, indem man versucht, die Server-Software den einzelnen Betriebssystemen zuzuordnen. Das gelingt natürlich nicht immer: teilweise läuft die gleiche Software auf verschiedenen Plattformen. Aber man kann sehen, ob man völlig daneben liegt. Meiner Meinung nach passen die Ergebnisse ganz gut zusammen.
Es gibt auch andere OS-Sniffer wie nmap. Nmap macht einen sehr guten Eindruck, was die Genauigkeit der Resultate betrifft. Leider ist nmap viel langsamer als queso und erzeugt einen viel höheren Datendurchsatz. Dies ist nachteilig, wenn man 30 Host-Scans parallel laufen läßt wie ich. Dann ist gleich die Netzwerkanbindung dicht. Trotzdem habe ich einmal Vergleichstests zwischen queso und nmap gemacht, und die Resultate lagen ziemlich dicht beieinander.
Außerdem gibt es ja auch noch den Online OS-Sniffer, der unter queso läuft. Da kann sich jeder selbst überzeugen, ob sein Betriebssystem richtig erkannt wird.
In Ihrer Januar-Untersuchung beziehen Sie zum ersten mal die TLD .edu mit ein. Dadurch sind die Ergebnisse nicht mehr vergleichbar mit Ihren früheren Untersuchungen. Wieso geben Sie dann prozentuale Veränderungen an?
Hans Zöbelein: Dieser Einwand ist berechtigt. Wenn ich aber die Relationen betrachte, sehe ich, daß die .edu-Domain mit weniger als 2,4% aller Abfragen nicht sehr ins Gewicht fällt. Der Marktanteil von Apple wäre ohne Auswertung der .edu-Domain bei 1.672% (anstatt bei 1.776% mit .edu). Diese Differenzen sind so klein, daß die Angabe einer prozentualen Veränderung trotzdem berechtigt erscheint.
Welche Auswertungen der aktuellen Zahlen planen Sie selbst, und welche Dritten werten Ihre Zahlen wie aus? Planen Sie in Zukunft, also wenn die methodischen Mängel beseitigt sind, mit kommerziellen Info-Brokern zusammenzuarbeiten, oder sollen die Zahlen frei verfügbar bleiben?
Hans Zöbelein: Im Hinterkopf habe ich natürlich die .com .us. .gov. und .mil Domains (Die .mil-TLD ist - nach meinen Erfahrungen mit .il sicherlich mit Vorsicht zu geniessen). Ein kleines Problem könnte dabei meine Hardware-Ausstattung darstellen: mein eigener 486DX100 und ein 75 MHz Dual Pentium, den ich als Gast mitbenutze, und der nebenher noch als File/Mail/Web-Server rackert, sind eben keine Weltmacht.
Die Daten sind frei verfügbar gemäß CopyLeft. Ich freue mich schon, wenn plötzlich der CEO einer großen amerikanischen Software-Firma davon spricht, dass "according to xy-market intelligence" Linux den ersten Platz bei Web-Servern einnimmt. Besonders weil die gleiche Firma ein paar Monate vorher eine Statistik veröffentlicht hat, nach der ein ganz anderes Betriebssystem mit über 50% Marktanteil vorne liegt. Dann frage ich mich schon, wo die wohl ihre Daten herbekommen haben könnten.
Einer Ihrer heftigsten Kritiker auf der ILUG-Mailingliste (Israelische Linux-User-Group) beschuldigt Sie, die ganze Chose im Oktober aus Marketing-Gründen selbst losgetreten zu haben. Das erscheint zunächst abwegig. Unstrittig ist aber, daß Sie am Ende mehr Nutzen aus der Sache gezogen haben als derjenige, der den Alarm ausgelöst hat und der IOS heute - zumindest in Fachkreisen - bekannt ist.
Hans Zöbelein: Nach den Informationen, die mir vorliegen, hat die israelische Sicherheitsfirma einen Fehlalarm ausgelöst. Als die Sache dann in die israelische Presse kam, glaubte die Firma wohl, die Gelegenheit am Schopf packen und für sich kräftig die Werbetrommel rühren zu müssen. Das war natürlich eine Super-Story für die israelische Presse: Ein Server, der "beirut.leb.net" (.leb wie in 'Libanon') heißt, attackiert drei Wochen lang Hunderte von israelischen Hosts.
Der Schuß ging bekanntlich nach hinten los, weil die Leute Beweise in Form von Log-Dateien der 'Angriffe' sehen wollten, und die gab es natürlich nicht.
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