Unter Verdacht

Helmut Lorscheid 03.11.2001

Grüner Landtagsabgeordneter gerät in die Rasterfahndung

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Die Rasterfahndung nach vermeintlichen Terroristen oder deren Helfern findet meist lautlos statt. Meister unbemerkt macht sich in Beamtencomputern, auf Beamtenschreibtischen und in unzugänglichen Behördenräumen zu schaffen. Über Erfolge ist nichts bekannt.

Folglich wird es bislang auch noch keine gegeben haben, denn sonst wären sie sicherlich mit großem Getöse vermeldet worden. Bekannt wurden bisher lediglich Fehlgriffe. Gleich zu Beginn dieser ebenso unsinnigen wie kostspieligen Polizeiaktion, als durch einen Fehler des Verfassungsschutzes ein zwar afghanischer aber dennoch friedlicher Mitarbeiter des Flughafens Berlin-Tegel zeitweise in die Fänge der Staatsmacht geriet. Oder in der vergangenen Woche, als der britische Literat pakistanischer Herkunft Tariq Ali die besondere Gründlichkeit bayerischer Polizei kennen lernte. (siehe dazu Mit solchen Büchern sollte man nicht verreisen)

Hier nun ein neues Beispiel, geschildert von einem Betroffenen, des B90-Grünen-Abgeordneten im Landtag von Nordrhein-Westfalen, Jamal Karsli:

Norditalien. Ein kleiner Ort in der Nähe von Venedig. Zwei Polizeiwagen halten vor einem Haus. Aus einem der Autos springen zwei "Carabinieri". Einer eilt zur Sicherung des Hinterausgangs auf die Rückseite des Hauses. Der andere begibt sich zum Vordereingang und läutet. Eine Dame öffnet. "Haben Sie einen Araber zu Besuch?" fragt der Polizist.

"Sie meinen vermutlich meinen Schwiegersohn," antwortet die erstaunte Frau, "der ist deutscher Staatsbürger syrischer Herkunft." Ob sie dies beweisen könne, will der Staatsdiener wissen. Nun, sie sei noch nicht auf den Gedanken gekommen, dass der Mann ihrer Tochter schriftliche Beweise hinterlegen müsse, antwortet die Dame empört und erklärt, dass sie ihn und ihre Tochter mittags zurück erwarte.

Als der Mann später wie angekündigt eintrifft, warten die Polizisten bereits vor dem Haus. Der Mann denkt an seinen vierjährigen Sohn, der bei den Schwiegereltern geblieben war, und wird bleich. Zwei Polizeiwagen voller Herrschaften mit dunklen Sonnenbrillen verheißen gewöhnlich keine guten Nachrichten.

"Sind sie im Besitz einer Fluglizenz? Waren Sie in der letzten Zeit in den USA?" übersetzt seine Frau ihm die Fragen der Staatsbeamten. Er verneint beides wahrheitsgemäß und zeigt den Beamten ein Dokument, das ihn als deutschen Parlamentsabgeordneten ausweist. Ob er bereit sei, mit aufs Polizeirevier zu fahren, wird der "Verdächtige" gefragt. Nein, dazu gebe es keinen Anlass, er sei dazu nicht bereit wenn er nicht gezwungen sei. Er überreicht den ungebetenen Gästen eine Visitenkarte und gibt ihnen seine Homepageadresse und die Handynummer, falls weitere Fragen bestünden.

Die Staatsmacht zieht von dannen...

Jamal Karsli wusste sich zu helfen - genau wie der britische Literat, Filmproduzent und frühere Londoner Studentenführer Tariq Ali, der darauf bestand den Münchener Oberbürgermeister anzurufen, der ihn noch drei Tage zuvor in einer Münchener Buchhandlung zur Krise um Afghanistan befragt hatte.

Zwei Beispiele von vielen. Beim "Zentralrat der Muslime in Deutschland häufen sich derzeit Beschwerden verängstigter "ausländischer Mitbürger", die sich als vermeintliche "Schläfer" oder "Terroristen" verfolgt sehen. Doch nicht alle haben so gute Verbindungen wie Tariq Ali oder Jamal Karsli, der B90-Grünen-Abgeordnete im Landtag von Nordrhein-Westfalen.

http://www.heise.de/tp/artikel/11/11030/1.html
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Mit solchen Büchern sollte man nicht verreisen

Thorsten Kleinz 30.10.2001

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