Der Terrorist als menschliche Bombe

Goedart Palm 15.11.2001

Zu den Risiken von Plastiksprengstoffdepots im menschlichen Körper

Es gibt Sexbomben, die explodieren im Auge des Betrachters, aber die Folgen sind eher vital als letal. Bei der angestrengten Suche nach immer surrealeren Terrorszenarien wurde nun aber auch eine menschliche Bombe entdeckt, die es im wahrsten Sinne des Wortes in sich hat. Der Mensch wird selbst zur tödlichen Bombe. Dabei geht es nicht um die Wut, die platzen lässt, sondern um Sprengstoff, der im menschlichen Körper deponiert wird, von seiner explosiven Bestimmung nur getrennt durch Fleisch und Blut.

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Terrorexperten wie Harvey Kushner von der Long Island University sehen hier ein akutes Risiko der Terroreskalation, das sich nicht leicht kontern lässt. Selbst die bisher eingesetzten Bodyscanner können durch diese Selbstmordbomben irre geführt werden. Vaginal sind etwa drei Pfund C-4 Plastiksprengstoff, anal ein Pfund der tödlichen Dosis transportabel, meint der Präsident der Public Safety Group Harvey McGeorge. Der Körper als Depot ist eine Methode, die Drogen- und Diamantenschmuggler seit Jahren geläufig ist, um heiße Ware zu transportieren, die in ein Kondom gestopft und anschließend verschluckt oder implantiert wird. Der ungleich explosivere Stoff, der nun die allerneuesten Schreckensbilder auslöst, könnte in verschiedenster Weise gezündet werden.

Grundsätzlich wählt man Auslösemechanismen, die nur aus wenigen Metallbestandteilen bestehen, um die Entdeckungsrisiken zu minimieren. Die Zünder können über Funk fernausgelöst werden oder man setzt Zeitzünder ein. Die bisher eingesetzten Scanner-Systeme und Metalldetektoren zur Personenkontrolle können nach Auffassung der Experten mit diesen subkutanen Bomben ausgetrickst werden. Selbst die von der Federal Aviation Authority entwickelten holografischen Scanner gelten als ungeeignet, solche "menschliche Bomben" zu entdecken. Die von Rapiscan eingesetzten Bildscanner arbeiten mit Röntgenstrahlen, die zwar unter der Kleidung verborgene Gegenstände orten können, aber zu schwach sind, um durch menschliches Gewebe zu dringen. Auch Scanner, die mit Magnetismus arbeiten oder Wärmebilder herstellen, haben ihre Schwierigkeiten, so weit "unter die Haut zu fahren", dass die tückischen Sprengladungen entdeckt werden. Die meisten der eingesetzten Technologien sind noch auf die Zeiten vor dem 11.September zugeschnitten, als Profi-Hijacker üblicherweise Pistolen trugen und der Selbstmord der Täter noch als ultima ratio galt.

Immerhin gibt es aber inzwischen den "Conpass Digital Body Scanner", des niederländischen Unternehmens MMC International, der über weiterreichende Fähigkeiten verfügen soll, nichtmetallische Gegenstände auch im Körper aufspüren zu können. MMC International wirbt zudem bei der neuen Wunderantiwaffe damit, mit einer so geringen Dosis von Röntgenstrahlung auszukommen, dass keinerlei Gesundheitsgefahren für Passagiere damit verbunden wären. Auch das amerikanische Energieministerium lässt gegenwärtig das "Pacific Northwest National Laboratory" an einem Scanner arbeiten, dessen wundersame Eigenschaften aus Sicherheitsgründen bisher nicht preisgegeben werden.

Fasten your seatbelts, stop smoking, letzter Sicherheitshinweis: Rütteln Sie nicht zu sehr an ihrem Flugnachbarn, wenn er eingeschlafen ist. Es könnte sonst ihr letzter Flug gewesen sein.

http://www.heise.de/tp/artikel/11/11114/1.html
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