Demos gegen Krieg und Ausbeutung in Ottawa

Brigitte Zarzer 18.11.2001

Während der Internationale Währungsfonds Pessimismus über das Weltwirtschaftswachstum verbreitete, gingen Tausende Globalisierungskritiker in Kanada auf die Straße

Die Finanzminister und Zentralbankchefs der G-20-Staaten diskutierten dieses Wochenende über Maßnahmen gegen den Terror und Möglichkeiten zur Belebung der flauen Weltwirtschaft. Globalisierungskritiker mobilisierten gegen das Treffen und riefen zum Friedensmarsch auf. Sie trafen auf scharf bewaffnete Sicherheitskräfte.

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Nur wenige Wochen blieben den Globalisierungskritikern diesmal für die Organisation des Protestes. Denn ursprünglich hätte das Jahrestreffen von IWF und Weltbank in Indien stattfinden sollen, wurde aber nach den Terroranschlägen vom 11. September kurzerhand ins kanadische Ottawa verlegt. Der Kampf gegen denn Terror nahm in den Verhandlungen breiten Raum ein. So wurde diskutiert, wie die Finanzströme einschlägig bekannter Organisationen trocken gelegt werden könnten. In diesem Zusammenhang kam auch die Sprache auf sogenannte Steueroasen, die künftig genauer unter die Lupe genommen werden sollen.

Demonstration der Globalisierungsgegner in Ottawa, Foto: Indymedia

Das zumindest dürfte globalisierungskritische Organisationen, wie beispielsweise ATTAC, freuen. Sie beäugen die Paradiese für Geldwäscher und Finanzspekulationen seit jeher kritisch. Insbesondere die USA hatte sich aber bis dato gegen eine Durchleuchtung der Steueroasen gewehrt. Nach den Terroranschlägen lenkten die Vereinigten Staaten nun ein.

Dennoch gab es für Globalisierungskritiker noch ausreichend Gründe, um auf die Straße zu gehen. Nach Polizeiangaben versammelten sich etwa 4000 Demonstranten. In Sprechchören forderten sie einen Schuldenerlass für arme Staaten und verurteilten die von den USA als Bekämpfung des internationalen Terrorismus bezeichneten Angriffe in Afghanistan. Am Freitag kam es zu Ausschreitungen, nach dem eine kleinere Gruppe eine Straßensperre durchbrochen hatten. Nach Polizeiangaben wurden sieben Personen verhaftet.

Am Samstag fand dann ein Friedensmarsch statt. Zwar trafen die Demonstranten nicht auf meterhohe Zäune wie beim Freihandelsgipfel im kanadischen Quebec (vgl. Wall of Shame), die martialische Ausrüstung der Sicherheitskräfte sorgte aber dennoch für Verärgerung bei den Globalisierungskritikern. Insbesondere die Bewaffnung mit Maschinengewehren wurde kritisiert.

Mit MPs bwaffnete Polizisten. Foto: Indymedia

Der Krieg war zwar nicht dezidiert Verhandlungsgegenstand der IWF, beeinflusste aber die Gespräche. Der französische Finanzminister, Laurent Fabius, rief die Industriestaaten auf, ärmeren Ländern - wie etwa Pakistan - finanziell zu unterstützen. Künftig sollen vor allem auch Schwellenländer in den "Kampf gegen den Terror" miteinbezogen werden, hieß es. Pessimistisch sieht der IWF die Aussichten der Weltwirtschaft. Die Lage sei ungewiss. Während der deutsche Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser an den Wachstumsprognosen für Deutschland mit 0,7 Prozent für dieses und 1,25 Prozent für nächstes Jahr festhält, stufte der IWF die Erwartungen für 2002 auf 0,8 Prozent in Deutschland zurück.

http://www.heise.de/tp/artikel/11/11149/1.html
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