Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Florian Rötzer 06.12.2001

Elektronische Überwachung von Computerarbeitsplätzen steigert nach einer Studie nicht die Leistung, sondern führt nur zur Anpassung an das unbedingt Notwendige

Wenn schon die technischen Möglichkeiten vorhanden sind, so könnte auf den ersten Blick die Idee vernünftig erscheinen, zur Förderung der Produktivität die Angestellten auf Schritt und Tastendruck zu überwachen. Das empfehlen natürlich die Unternehmen, die die entsprechende Software herstellen, um beispielsweise die Arbeit der Angestellten am Computer und deren Benutzung des Internet zu kontrollieren (Angestellte lieben das Internet).

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Große Verluste, so stellen die Anbieter von Überwachungssoftware fest, entstehen durch die Online-Beschäftigungen den Arbeitgebern, die deswegen besser kontrolliert werden sollen. Das machen denn auch viele Unternehmen in den USA, die dem Spruch verfolgen: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wenn nicht nur Filter vorgeschaltet sind, um die Surftouren während der Arbeitszeit im Zaum zu halten, sondern der Kontrolleur den Arbeitnehmer permanent beobachtet, dann müsste der doch auch effizienter und weniger abgelenkt arbeiten, sollte man meinen.

In einem Experiment haben Jeffrey Stanton von der Syracuse University und Amanda Julian von Somerville and Company herausgefunden, wie New Scientist in seiner neuesten Ausgabe berichtet, dass elektronische Überwachung keineswegs die Effizienz fördert, sondern die Produktivität eher herabsetzt.

Bei dem Experiment wurden 134 Versuchspersonen gebeten, Daten auf einem Computer zu korrigieren. Man sagte ihnen, dass ihre Arbeit hinsichtlich ihrer Qualität und ihrer Quantität überwacht werde. Während der Arbeit wurden auf dem Bildschirm allerdings Hinweise automatisch eingeblendet, die die Versuchspersonen glauben lassen sollten, sie würden eher im Hinblick auf Qualität statt auf Quantität oder umgekehrt überprüft.

Das ist gegenüber der normalen elektronischen Überwachung eine Vereinfach, bei der der Angestellte normalerweise nicht weiß, was wann nach welcher Hinsicht kontrolliert wird. Offenbar versuchten aber auch schon die Versuchspersonen ordentlich zu arbeiten, indem sie sich nach den vermeintlichen Vorgaben richteten. Wurde augenscheinlich Qualität gemessen, wurden sie genauer, aber langsamer, ging es angeblich um Quantität, so erhöhten sie die Geschwindigkeit auf Kosten der Qualität.

Die Angestellten sehen einen überwachten Computerarbeitsplatz nach Stanton als eine Verkörperung der Arbeitgeberstrategie. Sie passen sich dieser an und machen, was in ihren Augen verlangt wird, aber damit ist dann auch Schluss. Mit dem Verlust der Selbständigkeit durch die Überwachung geht gewissermaßen auch die interne und selbstbestimmte Arbeitsmoral verloren. Stanton ist der Meinung, dass auch andere Überwachungsmethoden wie Videokameras oder Bewegungsmelder auf dieselbe Art wirken. In diesem Sinne könnte also Vertrauen in die Selbstbestimmung der Angestellten eher die Produktivität erhöhen, als eine durch Überwachung erzwungene Loyalität von Sklaven. Ausnahmen müssen dem ebenso wenig widersprechen wie gelegentliche Ausflüge in die weite virtuelle Welt am Arbeitsplatz, die möglicherweise nur als notwendige Entspannungsphasen dienen. Und überdies ist einfach einleuchtend, dass Arbeit mehr Spaß mehr macht, wenn man nicht unter Dauerbeobachtung steht und so ganz realistisch eine Paranoia entwickeln muss ...

http://www.heise.de/tp/artikel/11/11287/1.html
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