Sex sells

Burkhard Schröder 21.12.2001

Partnersuche bei Yahoo

Sex sells. Das ist eine Binsenweisheit. Und wer online auf Partnersuche geht, sollte etwas mehr bieten als nur ein Passfoto. "I am a man, seeking a women" oder umgekehrt. Das ist das Motto auch der eingetragenen User bei Yahoo. Zahlreiche persönliche "Profiles" bei Yahoo sind jedoch Fakes und dienen nur dazu, Email-Adressen zu sammeln und, so darf man vermuten, diese an Spammer weiterzuverkaufen. Daher ist Vorsicht geboten: Der wohlgeformte Busen einer fiktiven "Susanne Glickstein" hält also nicht, was er verspricht.

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Natürlich kann Yahoo nichts dagegen unternehmen, wenn Karl Mayer (80) aus Bayern sich als lieschen_mueller@yahoo.de (18) aus Mecklenburg anmeldet, ein x-beliebiges Pornobildchen als Blickfang anbietet und die zahlreichen Kontaktgesuche dann kommerziell verwertet. Yahoo gibt sich so familienfreundlich wie WaltDisney. Daher erstaunt es nicht, wenn Claudia als "coolen Link" eine Pornoseite bei Microsoft anbietet, auf die man jedoch nur als registrierter Benutzer kommt. Petra ist da schon freizügiger und "auf der Suche nach geilen dicken Schwänzen". Ist das nicht ein Fall für unsere Jugendschützer aus Mainz, diese Seiten nur ab 23 Uhr zugänglich zu machen?

Was ein echtes Kontaktgesuch, was ein falsches oder irgendwie gar nicht einzuordnen ist, erschließt sich nur nach detaillierter Textinterpretation und Recherche. Claudia Anthea gibt es nicht wirklich. Das überrascht nicht sehr, denn wer so aussieht, ist vermutlich kein Single. Und es fällt auf, dass Alter und Hobby "Paragliding" auch bei anderen Damen sehr verbreitet ist. Man fragt sich sofort, warum eine höhere Tochter, die in Tel Aviv und Berlin leben soll, sich für jüdische Geschichte interessiert und offenbar teure Hobbys hat, ausgerechnet bei Yahoo jemandem zum "toll verlieben" sucht.

Und die Pressesprecherin von Yahoo, Claudi Strixner, sagt dazu ganz abgeklärt, dass alles seine Ordnung habe, wenn keine Straftaten vorlägen. Das überzeugt, und der angenehme Nebeneffekt ist nicht zu verleugnen: Wer den hübschen und angeblich Single-Damen schreiben will, muss sich bei Yahoo anmelden. Das bringt Zugriffszahlen, aber keine Antwort der online Angebeteten.

Wer wirklicht sucht wie eine 18jährige Berliner Schülerin, bei dem findet sich unter den Links auch gleich die Erklärung dafür, warum nacktes Fleisch hier nicht auftaucht: Evangelische Freikirchen und die coole Lukas-Gemeinde fänden das vermutlich nicht so hip. Dann doch lieber eine nüchterne IT-Consultantin. Aber dort gibt es kein Foto. Und das ist vielleicht auch gut so.

http://www.heise.de/tp/artikel/11/11342/1.html
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