Kaspar, Melchior und Balthasar folgten einer seltenen astrologischen Konjunktion
Seit 200 Jahren versuchen Astronomen zu beweisen, welche Art von himmlischem Phänomen die Morgenländer bewegte
Der Stern von Bethlehem veranlasste die Heiligen Drei Könige nach Palästina zu ziehen, um dem Jesus-Kind zu huldigen. In der aktuellen Ausgabe berichtet das Wissenschaftsmagazin NewScientist über neue Erkenntnisse von Michael Molnar, der seit längerem behauptet, der Stern von Bethlehem sei ein astrologisches und kein astronomisches Phänomen gewesen. Der amerikanische Astronom und Programmierer hat nun in einer Schrift des römischen Astrologen Firmicus Maternus aus dem 4. Jahrhundert einen weiteren Beleg für seine Theorie gefunden.
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| Stern in der Geburtskirche, Bethlehem |
Michael Molnar stützt sich auf das neue Testament, Matthäus1.2:
Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zurzeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten. (...) Und siehe, der Stern , den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.
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Das Wort "Weise" ist dabei eine Übersetzung des griechischen "Magoi", was Magier bedeutet und zunächst Mitglieder einer persischen Priesterkaste bezeichnete, die sich mit Sternkunde und Astrologie befassten, später allgemein alle babylonische und andere Astrologen. Astrologie war zu den Zeiten Jesus die "Wissenschaft", die sich mit den Sternen befasste, das magische war untrennbar mit dem Beobachteten am Sternenhimmel verbunden.
Molnar war ursprünglich durch das Studium einer römischen Münze, die das Zeichen des Widders und diese Konstellation zeigt, darauf gestoßen. Der Widder war astrologisch Judäa zugeordnet. Die seltene, astrologischen Konjunktion, um die sich handelt, passierte im Jahr 6 vor Christus. Am 17. April standen die Planeten Jupiter und Saturn sowie die Sonne im Sternbild des Widders, zudem zog die Sichel des zunehmenden Mondes vor dem Jupiter vorbei und sorgte für eine Eklipse. Jupiter galt als der Stern der Könige.
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| Bild: Michael Molnar |
Das Jahre 6 oder 7 vor Christus gelten inzwischen als die wahrscheinlichen Geburtsjahre von Christus. Der Mönch Dionysius Exiguus datierte im Jahre 525 die christlichen Geschehnisse und schrieb den christlichen Kalender - dabei hat er sich vermutlich multipel vertan (Vgl. Willkommen im neuen Jahrtausend). So berichtet die Bibel, der Messias sei in der Regierungszeit von Königs Herodes geboren, der starb aber bereits 4 v.Chr.
Die Astronomie hatte als realen Hintergrund des Sterns von Bethlehem einen Kometen oder eine Supernova angenommen. Eine Supernova wäre möglich, konnte aber nicht nachgewiesen werden und es ist fraglich, wie hell sie gewesen sein könnte. Bisher hat sich am Himmel noch kein in Frage kommender Supernova-Rest mit einem Alter von 2000 Jahren gefunden.
Auf den meisten christlichen Darstellungen ist der Weihnachtsstern als Komet mit Schweif dargestellt. Der Halleysche Komet stand - das wurde nachgewiesen - um 12 v.Chr. über Bethlehem. Im Jahr 5 v. Chr. zog ein Komet durch das Sternbild des Steinbocks. Allerdings galten Kometen in der Antike meist als Unglücksbringer, man hielt sie für Vorboten von Seuchen, Krieg und Tod. Also eindeutig kein Zeichen, dem jemand freiwillig gefolgt wäre.
Die verbreitetste Theorie stammt von Astronom Konradin Ferrari d'Occhieppo, einem Astronomen der Universität Wien. Er datierte 1991 das Eintreffen der drei Weisen aus dem Morgenland auf den 12. November 7 v.Chr., und Jesus wahrscheinlichen Geburtstag auf den 17. Januar 7 v.Chr (selbst die Bibel deutet eine Zeitdifferenz an). Auch Ferrari d'Occhieppo geht davon aus, bei den Weisen habe es sich um babylonische Astrologen gehandelt. Wenn Planeten sich perspektivisch von der Erde aus gesehen zu einer Geraden aufreihen, scheinen sie wie hellere Sterne aufzuleuchten. 7 v.Chr. standen Jupiter und Saturn in einer Reihe im Sternbild der Fische (siehe Animation des Himmels über Bethlehem zurzeit von Christi Geburt. Die Deutung Jupiters als Königsstern ist unumstritten, während die Zuordnung von Saturn zu Israel und vor allem vom Sternbild der Fische zu Palästina von Experten sehr bezweifelt wird. Auch ist in der Bibel nur von einem Stern und nicht von zwei sich bewegenden Planeten die Rede. Babylonische Sterndeuter hätten den Unterschied sicher nicht übersehen.
Bis heute gibt es also keine eindeutige astronomische Erklärung für den Stern von Bethlehem.
Diese Fakten ließen Michael Molnar zu der Überzeugung kommen, es habe sich insgesamt überhaupt nicht um eine astronomische, sondern eine astrologische Konstellation gehandelt. Dabei bezieht er sich auf eine neu entdeckte historische Quelle. In dem Buch "Mathesis" beschreibt Maternus im Jahr 334 die Eklipse des Jupiter durch den Mond und erläutert dazu, dies bedeute die Geburt eines göttlichen Königs. Molnar meint dazu:
Maternus nennt Jesus nicht namentlich, aber die römische Astrologie war sehr populär in dieser Zeit und jeder, der das Buch las, wusste sofort, dass hier Christus gemeint war und dass das astrologische Ereignis der Stern von Bethlehem war. Firmicus Maternus war ein Heide, der später zum Christentum konvertierte, deswegen fühlte er sich innerlich zerrissen. Er benutzte die Astrologie, um eine christliche Geschichte abzustützen, aber er tat es auf eine sehr verschleierte Art.
Molnar ist überzeugt, dass die Christen des 4. Jahrhunderts es ablehnten, ihre religiösen Überzeugungen offen durch astrologische Belege abzusichern. Die Vorstellung, dass die Konstellationen der Sterne das Schicksal bestimmten, habe im Gegensatz zu der Vorstellung von der Allmächtigkeit des einzigen christlichen Gottes gestanden. Um potenziellen theologischen Diskussionen zu entgehen, habe Maternus den wahren Bezug nur zwischen die Zeilen geschrieben und nicht direkt benannt. Dennoch sei die Anspielung deutlich und ein weiterer Beweis dafür, dass der Stern von Bethlehem die spezielle astrologische Konjunktion im Jahr 6 vor Christus gewesen sei.
Bücher zum Stern von Bethlehem:
Michael Molnar: The Star of Bethlehem, Rutgers University Press 1999, ISBN 0-8135-2701-5, $25.00, online bestellbar
Konradin Ferrari d'Occhieppo: Der Stern von Bethlehem in astronomischer Sicht Legende oder Tatsache? 1. Auflage Stuttgart 1991, 3. erweiterte Auflage Gießen Brunnen-Verlag 1999, ISBN: 3765598038, DM 24,80, online bestellbar
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